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Stärkehydrolysate

Eure Fragen und Tipps zu einzelnen Lebensmitteln

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beate
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Stärkehydrolysate

Beitragvon beate » 21 Feb 2005 12:07:08

Durch die neue Kennzeichnungsverordnung findet man jetzt folgende Kennzeichnungen: Glukosesirup (Weizen), Maltodextrin (Weizen). Da es sich dabei um Zucker bzw. Stärke handelt kann ich mir kaum vorstellen, dass dort Gluten (ein Protein) enthalten ist. Leider gibt es durch die DZG keine eindeutige Stellungnahme und wir sind weiterhin auf die Lebensmittelliste angewiesen. Ich finde, es wäre die Aufgabe der DZG, für uns zu klären ob diese Produkte für uns schädlich sind. Ein Lebensmitteltechnologe müsste doch dazu Auskunft geben können.

Gast

Beitragvon Gast » 21 Feb 2005 12:29:02

Hi Beate,
laut DZG gelten auch Stärkehydrolysate aus Weizen als Glutenfrei und die DZG möchte, dass Zucker aus Weizen nicht in die neuen Deklarations-Vorschriften aufgenommen sollen, um angeblich Verwirrungen zu vermeiden.
Meist ist allerdings viel weniger Gluten enthalten als in glutenfreier Weizenstärke.
Das hatte ich mal per Mail bei der DZG erfragt.
Irgendwo habe ich mal gelesen oder gehört, dass ein Bio-Weizensirup einer einzigen Firma allerdings glutenhaltig sein soll.
Leider fällt mir nicht mehr ein, wo ich das her habe.
Ich glaube, evtl. vom DZG Gesprächsgruppen-Treffen in Köln. Vielleicht kannst du ja mal bei der dortigen Kontaktperson genaueres nachfragen oder eben bei der DZG selbst.

Lieber Gruß, Without

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Beitragvon mumin » 25 Feb 2005 16:30:32

Hallo,

Hier noch eine Information zur Frage der Deklaration von Maltodextrinen, Glucosesirup und Dextrose.

Der europäische Herstellerverband «Association des Amidonneries de Céréales de l´Union Européenne» (AAC) hat einen Antrag gestellt mit dem Ziel, Maltodextrinen, Glucosesirup und Dextrose aus Weizen generell von der Kennzeichnungspflicht nach Verordnung 2003/89/EU "Allergen-Kennzeichnung" freizustellen.

Das ist möglich für Produkte, die nachweislich keine allergischen Reaktionen auslösen, bzw. keine Reaktionen bei Zöliakiebetroffenen auslösen.

Dazu hat die AAC Unterlagen bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority, EFSA) eingereicht. Die EFSA hat im November 2004 Gutachten für die Europäische Kommission erstellt und veröffentlicht, nach denen diese Inhaltsstoffe auf Weizenbasis

„"aller Wahrscheinlichkeit nach keine allergischen Reaktionen bei Menschen mit Zöliakierkrankung auslösen, vorausgesetzt dass der vom Codex Alimentarius vorläufig festgesetzte Glutengehalt für als glutenfrei eingestufte Lebensmittel (zur Zeit 200 mg/kg) nicht überschritten wird."

Die EFSA will aber, insbesondere für die Frage der Allergieauslösung, weitere klinische Daten aus geplanten, medizinischen Studie haben. Der AAC hat sich verpflichtet, diese medizinischen Studien bald durchzuführen – wo möglich und nötig unter Befolgung der DBPCFC (Double Blind Placebo Controlled Food Challenge Testing) Kriterien. Sind diese Daten o.k., kann der Antrag auf endgültige Freistellung von der Allergen-Kennzeichnung für diese drei Inhaltsstoffe gestellt werden,

Gemäß Verordnung 2003/89/EC sollte die Kommission bis spätestens 25. November 2004 auf Basis der EFSA-Stellungnahmen eine Liste der Produkte veröffentlichen, die vorläufig von der Allergen-Kennzeichnung ausgenommen sind. Diese Liste hat sich verspätet, da die EFSA noch nicht zu allen eingegangenen Studien Stellung bezogen hat.

Für die Zwischenzeit empfiehlt der AAC seinen Mitgliedsfirmen wegen der schon vorhandenen Daten und den erwarteten Ergebnissen der Studie „nicht mit der Kennzeichnung des botanischen Ursprungs dieser Inhaltsstoffe auf Weizenbasis zu beginnen“.

Grüsse,

Mumin

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Wie ist Deine persoenl. Meinung zum Thema Grenzwert Gluten

Beitragvon heidiinbali » 29 Sep 2006 14:22:18

Hallo Mumin, :lol:

erst mal liebe Gruesse an Dich. Habe vom bisherigen Lesen Deiner Beitraege den Eindruck, dass Du Dich fachspezifisch recht gut auskennst, deshalb interessiert mich mal Deine ganz persoenliche Meinung:
Findest Du persoenlich, dass 0,02g Gluten max. per 100g eines Produktes fuer jeden Zoeli ein absolut sicherer Grenzwert ist?
Schaden wir uns damit wirklich nicht?
Weisst Du, ob die Firmen sich wirklich streng an diesen Grenzwert halten oder wird da evtl. auch schon mal ein Auge zugedrueckt und gemogelt?

Hatte die Situation gerade fuer mich persoenlich mit denleckeren Produkten Toffifee (Merci) und einigen Merci Schokoladen. Habe Sie bisher bedenkenlos gegessen, da in DZG Liste als gf deklariert. Habe dann auf meine Anfrage von der Fa. Storck die Auskunft erhalten, dass Gluten bis max obiger Grenzwert drin enthalten sein kann und war recht verunsichert. Will zur eigenen Sicherheit diese Produkte lieber nicht mehr essen.
Sehe ich das zu eng oder sollte ich vorsichtig sein und auf sie verzichten?

Danke Dir im voraus fuer eine Antwort, hoffentlich liest Du meine Fragen ueberhaupt noch,
liebe Gruesse,
Heidi :-D
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Beitragvon mumin » 01 Okt 2006 22:58:00

Hallo Heidi,

Der (umstrittene) Grenzwert von 0,02 mg Gluten stellt ja nicht etwa eine „absolute“ Sicherheitsgrenze dar, sondern ergibt sich auch aus der problematischen Analytik von Gluten!

Es gibt keine einheitliche chemische Formel für „Gluten“. Man versteht darunter ein heterogenes Proteingemisch des Weizens, bzw. die ähnlichen Proteine von Roggen (Secaline) Gerste (Hordenine) und Hafer (Avenine). Gluten selbst (die wasserunlöslichen Proteine des Weizens) kann wieder in zwei Gruppen unterteilt werden – Gliadine und Glutenine. Die Gliadine sind wieder in α, β, γ, ώ – Gliadine unterteilt, die Glutenine in verschiedene Unterfraktionen entsprechend dem Molekulargewicht. Diese Proteine haben Molekulargewichte zwischen 30 000 und 75 000! Ihre molekulare Zusammensetzung variiert sogar mit der Sorte Weizen!

Weil es keine einheitliche Formel gibt, ist auch die wirkliche quantitative Bestimmung von „Gluten“ in Nahrungsmitteln so schwierig. Zwar haben wir einen neuen, guten ELISA Test – aber wir haben keine einheitliche Standardsubstanz, um ihn zu kalibrieren. Nur deshalb ist vielfach auch heute noch die Bestimmung über den Stickstoffgehalt einer Probe gebräuchlich.

Eine der Schwierigkeiten bei der Analytik ist die Empfindlichkeit. Sie kann unter diesen Umständen - z.B. in einem Brot aus glutenfrei gewaschener Stärke - kaum besser sein als eben die 20 ppm. Das heisst, darunter können die Teste nicht mit der geforderten Genauigkeit quantitative Angaben machen, oder sie können erst gar nicht entscheiden, ob Gluten anwesend ist oder nicht!

Und deshalb stellt sich für mich gar nicht die Frage, ob die Grenze von 20 oder 10 ppm die richtige ist, sondern wie gut sie analytisch abzusichern ist. Daher sind auch die Firmen oft in der Zwickmühle, wenn die Tests nicht den erwünschten Grenzwert erfassen können!

Liebe Grüsse,

Mumin

P.S.: Jetzt hätte ich gerne einen Kalauer von wegen „Badischen Sonnenstrahlen“ losgelassen – aber das war wohl heute nichts.. Nur Regen..

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Beitragvon heidiinbali » 02 Okt 2006 14:10:27

Hallo Mumin, :lol:

danke sehr fuer die lange und ausfuehrliche Antwort.
:?: Habe aber doch noch die Frage an Dich, wie Du persoenlich es handhabst. Isst du nun die Artikel, die lt. Herstellerfirma angeblich den Grenszwert von Gluten von 0,02 g nicht ueberschreiten, oder gehst Du ganz auf Nummer sicher und bleibst davon?
Toffifee (Leckerzeug) ist z.B. so ein Artikel. Habe ihn gerne gegessen, war dann verunsichert, weiss nun nicht so recht, was ich machen soll. Sie schmecken mir sehr gut und eigentlich moechte ich sie essen, aber ???

Danke fuer die Antwort und hoffentlich hat der Regen bei Dir daheim aufgehoert. Hier wird auch bald die Regenzeit anfangen, der Himmel ist ab und zu bewoelkt und das ist ein untruegliches Zeichen. Es kann dann schlagartig losgehen. Im allgemeinen ist aber immer noch genug Sonne zu geniessen.
Liebe Gruesse aus Bali,
Heidi :lol:
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Beitragvon mumin » 04 Okt 2006 10:58:53

Hallo Heidi,

Ich selbst esse solche Produkte - auch Brötchen aus glutenfreier Weizenstärke - wobei ich abr versuche, die Menge zu begrenzen.

Der Wert 20 ppm sagt ja nur, wie gross der mögliche Anteil ist, nicht die absolute Menge - die ergibt sich aus den 20 ppm multipliziert mit der aufgenommenen Menge des Produktes.

Also - Toffifee hat mir in dieser Hinsicht noch nie geschadet, wohl aber meiner Figur :lol:

Gruss aus dem inzwischen wieder trockenen Süden Deutschlands,

Mumin

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Beitragvon heidiinbali » 04 Okt 2006 14:25:18

Hallo Mumin, :lol:

dachte schon, Du haettest mich vergessen. Danke Dir sehr fuer die knappe aber ganz klare Antwort, die war nun wirklich einfach und praegnant formuliert und ich musste nicht lange darueber nachdenken. Toll ist nochmal Dein Hinweis, dass die Menge Gluten nicht absolut ist, sondern mit der aufgenommenen Menge z.B. Toffifee zusammenhaengt, denn bei diesen Leckereien schlage ich leider gerne ueber die Straenge. Ich werde also in Zukunft bei diesen Produkten wenig essen und "viel geniessen" versuchen.
Heute ist ein toller Tag fuer mich. Habe mich entschlossen, Toffifee in moderaten Mengen zu essen und zugleich nach langer Suche auch erfahren, dass ich das "Softeis" von Mc Donald's essen kann, ohne Waffel natuerlich, aber die schmeckt mir sowieso nicht. Einfach herrlich!
Dir liebe Gruesse und herzlichen Dank nochmals fuer Deine Muehe,

Heidi :-D
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Beitragvon Tweety » 07 Mär 2007 10:37:22

Hallo,
habe mal ne Frage zu Toffifee.
Im DZG-Buch steht es ja als glutenfrei drin.
Werde aus eurer Diskussion nicht schlau.
Woran erkennt ihr den Grenzwert an Gluten in Toffifee?

Habe darauf nie geachtet und immer nach Aufstellung gekauft.

Wenn z.B. Glukose (Weizen) steht und es im Buch als gf gelistet ist
kaufe ich es.

Ist das richtig?

LG und danke

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Beitragvon Hetairos » 07 Mär 2007 11:32:37

Hei Tweety,

Glukosesirup auf Weizenbasis einschließlich Dextrose
Maltodextrine auf Weizenbasis
Glukosesirup auf Gerstenbasis
In Destillaten für Spirituosen verwendetes Getreide

sind bis 25.11.2007 noch von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen.

Es handelt sich also um eine freiwillige Deklaration, wenn es überhaupt
gekennzeichnet ist, d.h. es kann in Gott weiß was alles drin sein und gilt ja auch als gf,
weil unter 20 ppm Glutengehalt nun mal kein Nachweis
möglich ist.
Es ist nicht alles glutenfrei, aber es ist nicht alles nicht glutenfrei, auf dem nicht glutenfrei drauf steht.

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Beitragvon Tweety » 07 Mär 2007 12:06:20

Noch eine Frage!

Aber kaufst ihr alles was in der Aufstellung als glutenfrei gelistet ist oder wenn Maltodextrin oder Glukosesirup draufsteht meidet ihr es??

Bin mir immer unsicher in solchen Sachen.
Letztens hatte ich einen Eiersalat der war als gf gelistet.
Stand aber hinten drauf (Weizen).

Ich reagiere schnell mit Durchfall manchmal esse ich gf Sachen und habe Durchfall.
Vielleicht liegt es an diesen Sachen?

Besser ist man kauft im Reformhaus. Da passiert es einem nicht so häufig.

LG Tweety

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Beitragvon jenesaispas » 07 Mär 2007 12:23:57

Du - Du bringst so einiges durcheinander glaube ich und deshalb biste so veurnsichert.
Wohinter stand (Weizen)? Eckige oder runde Klammer?
Wenns ganz am Schluss steht und ohne Bezug, dann würde es bedeuten "Spuren: Gluten" - und somit wundert es mich wenig, dass Du so reagiert hast.
Wenns aber in eckigen steht, dann heißt es "KANN Spuren von Gluten enthalten".
Sonst muss man schauen, worauf es sich bezieht.
Dann: Bist du dir sicher, dass ein Reformhaus, das Produkte vertreibt, die ebenso der Kennzeichnungspflicht unterworfen sind, besser als ein Supermarkt ist? Also jetzt mal abgesehen von Bio? (wobei wir übrigens auf was Biologisches reagieren)

Hetairos hat es dir ja schon gesagt mit den Ausnahmen bei der Pflicht, wobei ich persönlich bei Maltodextrin und Glukosesirup keinen Bogen drumrum machen. Such mal im Forum - Du wirst zu den beiden Dingen sehr gute Threads finden, am besten gibst als Autor noch "mumin" bei der Suche ein.

Alles gute
jnsp
Es reicht, daß ein Mensch versteht, worüber tausend den Kopf schütteln.
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Beitragvon Tweety » 07 Mär 2007 12:45:37

Es stand mittendrin mit runden Klammern Weizen.
Muss nochmal schauen hinter was es stand.
Danke erstmal.

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Beitragvon Photini » 07 Mär 2007 21:05:59

Hallo Tweety,

da kommt es wirklich darauf an, was vor der (Weizen) stand.
Wenn es zB Sojasauce ist, nehme ich es nicht. Da Weizen verwendet wurde und man sichnicht sicher sein kann, ob das Gluten vollständig in der Fermentation abgebaut wurde. Ebenso bei Malzextrakten, wie Gerstenmalzextrakt, wie es bei manchen Schokoladen vorkommt. Die kann zwar gf sein (kommt auf dei Extraktion an, deshalb, nach Liste gehen). Ich bin aber anscheinend so empfindlich, dass ich trotz alledem reagiere.

Liebe Grüße,
Photini


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