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Wie aussagekräftig sind meine Blutwerte?

Eure Fragen und Tipps zu den Symptomen, zur Diagnose und Behandlung von Zöliakie / Sprue

Wie aussagekräftig sind meine Blutwerte?

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Yuuki
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Wie aussagekräftig sind meine Blutwerte?

Beitragvon Yuuki » 01 Mai 2015 10:53:07

Hallo zusammen,

ich bin ganz neu hier und weiß auch nicht wirklich, ob ich hier hin gehöre. Ich habe schon viel rumgegoogelt, komme aber zu keinem Schluss, ob ich nun wirklich halbwegs "sicher" davon ausgehen kann, dass ich keine Zöliakie habe, oder ob meine Werte verfälscht/nicht aussagekräftig sind.
Hier erstmal meine Geschichte:
Vor über sechs Jahren wurde bei mir Hashimoto festgestellt. Damals hatte ich selbst aber auch relativ wenig Ahnung davon und hab mich nicht wirklich weiter damit befasst, außer meine Tabletten zu schlucken. Mein damaliger Hausarzt hatte auch keine Ahnung (er hat auch die Einstellung komplett falsch gemacht, also direkt mit relativ viel angefangen, hatte Hitzewallungen und alles). Jedenfalls ist meine Schilddrüsen seit ein paar Jahren zumindest den Werten zufolge gut eingestellt. Müde bin ich schon mein ganzes Leben und Konzentrationsprobleme plagen mich auch sehr häufig. Das ist auch durch die Tabletten nicht besser geworden.
Jetzt habe ich vor ca. einem halben Jahr mal mit Low carb rumexperimentiert. Parallel dazu hatte ich das Weizenwampe-Buch gelesen. Mir war schon klar, dass es nur bedingt aussagekräftig war, aber ich dachte mir: "Zu fast jeder Mahlzeit das gleiche zu essen, kann ja nicht gut sein, also reduziere ich das mal". So hat es sich entwickelt, dass ich recht glutenarm gegessen habe. Brot, Nudeln, Couscous, etc. hab ich gar nicht mehr gegessen. Wenn in der Mensa die Soße mit Mehl angedickt war, hab ich das allerdings ignoriert. Ab und an ein Bier war auch drin. Wenn ich selbst gekocht habe, dann glutenfrei. Ich habe mir auch selbst glutenfreies Brot gebacken.
Im März/April war ich in Urlaub, und vor dem Rückflug dachte ich mir: Ich kann ja mal das glutenfreie Essen bestellen, vielleicht vertrag ich das besser (von Flugzeugessen krieg ich sonst generell Probleme). Und voila: nichts. Daraufhin habe ich fast eine Woche lang noch strenger auf Gluten geachtet. Mein Freund bemerkte auch ziemlich schnell, dass ich bessere Laune hatte. Erst in dieser Zeit bin ich irgendwie auf die Idee gekommen, Zöliakie zu googeln. Dummerweise war ich vorher der Meinung gewesen, dass man wissen müsse, wenn man Zöliakie hat (kannte eben auch nur die Geschichten mit den typischen Symptomen). Da war ich ziemlich geschockt, da ich doch einige Symptome habe. Also direkt wieder mit dem Glutenessen angefangen, ich dachte mir, dass eine Belastung jetzt bestimmt einfacher sei als später mal. Und direkt fing es an. Meine Verdauung wurde immer schlechter. Ich bekam wieder Aphten im Mund. Und das schlimmste waren meine Stimmungsschwankungen. Ich kann mich nicht erinnern, je so reizbar gewesen zu sein. Ich bin dann direkt zum Arzt und hab einen Termin für eine Blutabnahme eine Woche später bekommen. Er war der Meinung, dass die Antikörper noch nachgewiesen werden könnten, da ich ja nur glutenarm gegessen habe. Also hab ich mich in der Woche wirklich mit Gluten vollgestopft. Es ging mir immer schlechter, aber ich wollte die Wahrscheinlichkeit auf ein aussagekräftiges Ergebnis erhöhen. Nach der Blutabnahme habe ich dann noch eine Woche lang stark glutenhaltig weitergegessen. Es ging mir immer schlechter, meine Verdauung war total hin, meine Laune im Keller. Bei der Besprechung der Blutergebnisse kam dann raus, dass ich superniedrige Antikörperwerte habe. Für den Arzt war das Thema Zöliakie damit gegessen. Er möchte, dass ich eine FODMAParme Ernährung austeste. Zunächst dachte ich: "Bei so niedrigen Werten bin selbst ich überzeugt, dann esse ich eben so glutenarm wie möglich, muss nur nicht auf Spuren achten". Hab gedacht, dass es vermutlich so eine Semsitivität sein könnte. Jetzt, zwei Tage, nachdem ich die Ergebnisse habe, bin ich aber doch wieder am Zweifeln. Habe seitdem kein Gluten mehr zu mir genommen und merke schon Verbesserungen. Was würdet ihr tun? Würdet ihr noch andere Ärzte aufsuchen? Weiter glutenhaltig essen? Aber ich weiß nicht wirklich, wie ich das aushalten soll, meine Reizbarkeit belastet meine Beziehung und die Konzentrationsschwäche und Müdigkeit mein Studium. Und die letzten Tage brauchte ich ewig, um aus dem Haus zu kommen, weil meine Verdauung mich so aufgehalten hat. Bin echt ratlos gerade. Am liebsten würde ich einfach Gluten so gut meiden wie es geht und gut ist. Aber andererseits frage ich mich dann, wie sehr ich mich durch kleinere Mengen schädige, falls das Ergebnis falsch war. Und ob ich doch wacher und konzentrierter sein könnte. Was meint ihr? Hier meine Blutergebnisse im Detail:
anti-Gliadin IgA: 0,4
anti-Gliadin IgG: 0,6
Ak: Gewebs-Transglutaminase: 0,3
-Gewebs-Transglutaminase IgG: 0,8
Die Werte sind ja wirklich sehr niedrig, weswegen ich im ersten Moment schon überzeugt war. Können sie durch eine glutenarme Ernährung und trotz der Woche Extrembelastung so weit vom Grenzwert entfernt sein?
Sorry für den langen Post, aber ich weiß auch nicht, wen ich sonst fragen soll... bin gerade ziemlich verzweifelt... Ich wäre auf jeden Fall für jede Antwort dankbar!

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Re: Wie aussagekräftig sind meine Blutwerte?

Beitragvon moni130 » 01 Mai 2015 12:13:04

Hallo Yuuki,

ohne die dazu gehörigen Referenzwerte des Labors sagen die Zahlen leider gar nichts.

Möglicherweise war auch die Zeit, in der Du ausreichend Gluten zu Dir genommen hast, einfach zu kurz. Die Antikörper erscheinen nicht sooo schnell im Blut. Geringe Antikörper haben daher in Deinem Fall wenig bzw. keine Aussagekraft.

Andererseits: Dass Du nach nur zwei Tagen ohne Gluten schon Verbesserung spürst, sieht allerdings nicht direkt nach Zöliakie aus, sondern schon eher nach etwas, das ins FODMAP-Konzept passt. Befasse Dich doch mal damit.

Gruß
Monika

Nachtrag: Wenn Du wirklich nur eine Woche lang Gluten zu Dir genommen hast, dann sehe ich auch in sehr niedrigen Antikörperwerten (sozusagen im Bereich des Rauschens der Methode) schon ein "Hallo, da tut sich möglicherweise was". Kein Arzt, der wirklich etwas von der Sache versteht, macht nach einer Woche Glutenbelastung nach vorangegangener langfristig sehr glutenarmer Ernährung einen Antikörpertest. Das ist ganz einfach sinnlos.

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Re: Wie aussagekräftig sind meine Blutwerte?

Beitragvon Yuuki » 01 Mai 2015 12:29:37

Danke für die Antwort!
Als Referenzwert ist bei allen Werten > 10 angegeben (allerdings ist die Überschrift der Tabellenspalte "Normwert", was ja wohl im Falle der Antikörper ein Dreher sein müsste, oder?).

Ich konnte beim FODMAP-Konzept bisher nirgends finden, dass das außerhalb des Magen-Darm-Bereichs irgendwelche Einflüsse hat, und ich merke ja starke EInflüsse auf die Psyche, deswegen hat mich das etwas verunsichert...

Ich wüsste nur leider auch nicht, zu welchem Arzt ich sinnvollerweise gehen könnte, wohne in Aachen und konnte in den Vorschlägen aus dem Forum leider keinen finden.

LG
Yuuki

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Re: Wie aussagekräftig sind meine Blutwerte?

Beitragvon FSM » 01 Mai 2015 14:39:41

Yuuki hat geschrieben:Ich konnte beim FODMAP-Konzept bisher nirgends finden, dass das außerhalb des Magen-Darm-Bereichs irgendwelche Einflüsse hat, und ich merke ja starke EInflüsse auf die Psyche, deswegen hat mich das etwas verunsichert...


Doch! Wenn zuviele FODMAPs in den Dickdarm gelangen, verhindern sie dort die Aufnahme von Tryptophan, welches wiederum zur Bildung von Melatonin (Schlafhormon) und in Folge auch Serotonin (Glückshormon) benötigt wird. Depressive Verstimmungen, chronische Müdigkeitkeit und Antriebslosigkeit sind daher typische Symptome bei FODMAP-Unverträglichkeit.

Vor meiner Diagnose der Fructose-Intoleranz via Wasserstoffatemtest habe ich 11 Stunden geschlafen und war trotzdem immer müde. Jetzt schlafe ich 7 Stunden und fühle mich dann den ganzen Tag ausgeschlafen und fit.

Viele Grüße vom FSM

Yuuki
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Re: Wie aussagekräftig sind meine Blutwerte?

Beitragvon Yuuki » 01 Mai 2015 16:21:33

moni130 hat geschrieben:Andererseits: Dass Du nach nur zwei Tagen ohne Gluten schon Verbesserung spürst, sieht allerdings nicht direkt nach Zöliakie aus, sondern schon eher nach etwas, das ins FODMAP-Konzept passt. Befasse Dich doch mal damit.

Hierzu eine Frage: Macht es denn Sinn, jetzt, wo ich mich zwei Wochen durch die Glutenbelastung gequält habe, FODMAP zu testen, was ja auch (zumindest zu Anfang) glutenfrei ist? Mit der Verbesserung meine ich, dass ich zumindest keine Bauchkrämpfe mehr habe und nicht mehr ganz am Ende meiner Nerven bin. Andere Magen-Darm-Probleme sind aber noch da und die Müdigkeit und Antriebslosigkeit auch... ich bin gerade echt ratlos, wie ich vorgehen soll... am Mittwoch dachte ich noch: "Endlich ist es vorbei, endlich muss ich mich nicht weiter quälen", weil ich ja vorher das halbe Jahr schon nicht ganz glutenfrei gelebt habe und dann mit der Woche viel Gluten nochmal einen draufgesetzt habe, sodass ich die Werte für halbwegs aussagekräftig hielt. Aber heute hat mich doch wieder die Unsicherheit gepackt... wobei ich mir auch nicht wirklich vorstellen kann, die Belastung mehrere Monate auszuhalten (und erstmal einen Arzt finden müsste, der bereit ist, mich "richtig" zu untersuchen).

FSM hat geschrieben:Doch! Wenn zuviele FODMAPs in den Dickdarm gelangen, verhindern sie dort die Aufnahme von Tryptophan, welches wiederum zur Bildung von Melatonin (Schlafhormon) und in Folge auch Serotonin (Glückshormon) benötigt wird. Depressive Verstimmungen, chronische Müdigkeitkeit und Antriebslosigkeit sind daher typische Symptome bei FODMAP-Unverträglichkeit.
Viele Grüße vom FSM


Das ist natürlich interessant. Wenn das mein "Hauptproblem" sein soll, wundert mich nur, dass es mir vor meinem Belastungstest durch die glutenarme Ernährung schon so viel besser ging, dass ich nicht auf die Idee gekommen wäre, noch weitere "Problemlebensmittel" zu suchen...

LG
Yuuki


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