Zöliakie Treff - glutenfrei durch den Alltag
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Muss das alles wirklich sein?

Wie wurde Zöliakie / Sprue bei euch festgestellt? Wie geht ihr mit der Erkrankung um?

Muss das alles wirklich sein?

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stella2008
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Muss das alles wirklich sein?

Beitragvon stella2008 » 24 Mär 2008 15:47:04

Bei unserer Nichte (10 Jahre) wurde vor ca. 9 Monaten Zöliakie festgestellt.
Wir mögen dieses Mädchen sehr. Ich hab mich bei diesem Forum angemeldet um heraus zu finden wie jemand der schon länger mit dieser Krankheit lebt, den Alltag bestreitet.
Die Mutter von dem Mädchen ist eine Frau die so schon gerne alles übertreibt, und den Hang hat alles zu dramatisieren. Ich finde dies Diagnose wirklich schlimm, besonders im dem Alter und für eine Mutter ist es mit Sicherheit genau so schlimm.
Aber Familien essen in größerer Runde sind mittlerweile zum Alptraum geworden! Z.B. dürfen meine Kinder nicht mehr in der Nähe ihrer Cousine essen. Und ständig kommt die Anmahnung geh weg von ihr und pass auf das du nicht krümelst!! Man darf ihr Geschirr und Besteck nicht anfassen! Von der Oma (über 70) wird verlangt dass sie, obwohl diese Mädchen vielleicht noch einmal im Monat (wenn es hoch kommt) bei ihnen isst, alle zum kochen notwendigen Gerätschaften (Töpfe, Messer, Sieb, Brettchen usw). Neulich( bei Oma) stand die Mutter mit dem Teller ihrer Tochter in der Hand, mitten im Esszimmer und konnte den Teller nicht abstellen, weil es überall noch zu „dreckig“ war! Ihr Mann musste dann Tisch und Stuhl noch mal erst feucht dann trocken putzen! Ich könnte jetzt noch mehr solcher Beispiele aufführen, aber ich denke es reich um einen Einblick zu bekommen.
Ich möchte einfach wissen; Muss das alles wirklich sein?? Viele dieser „Regeln“ scheinen mir auch so unlogisch. Z.B. warum braucht sie ein eigenes Messer wenn dieses Messer nachher mit dem ganzen anderen „verseuchten“ Geschirr in die Spülmaschine landet!?
Es geht mir hier einfach darum zu erfahren, ob die Art wie meine Schwägerin mit dieser Krankheit umgeht wirklich richtig ist, oder ob es vielleicht doch einen „normaleren“ Weg gibt mit dieser Krankheit umzugehen?

Susanne1969
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Beitragvon Susanne1969 » 24 Mär 2008 16:06:17

Hi Stella!

Zunächst mal finde ich es gut, dass du dich hier angemeldet hast u. uns hier diese Fragen stellst.

Also, ich denke nicht, dass deine Schwägerin übertreibt.
Wenn man Zöliakie hat und schlampig Diät hält, können die Entzündungen im Dünndarm nie richtig abheilen u. die Darmzotten sich nicht vollständig regenerieren.

Leider wissen wir hier alle aus eigener Erfahrung, dass Familienessen zum Alptraum werden, weil man uns einfach nicht ernst nehmen will.
Schon geringe Mengen von Gluten (z.B. am zuvor bereits benutzten Messer od. Brotkrümel in der Butter ) können bereits schädlich sein!

Sei froh, dass deine Schwägerin die Sache so ernst nimmt mit der gf Diät ihrer Tochter, denn nur so wird das Mädchen wieder ganz gesund!

lg, Susanne

stella2008
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Beitragvon stella2008 » 24 Mär 2008 16:35:17

Vielen Dank Susanne,

es ist mir wirklich wichtig zu erfahren, wie man sich richtig verhält. Ich möchte auch nicht den Eindruck erwecken, dass ich diese Krankheit nicht ernst nehmen würde. Es ist mir auch absolut einleuchtend, das man bei wirklich allen Lebensmittel wirklich aufpassen muss und sich genau an die Lebensmittellisten halten muss.

Ich sehe das ganze wahrscheinlich aus einem anderen Blickwinkel. Mir geht es mehr um das „Drumrum“. Man versucht doch Menschen mit einer schlimmen Krankheit oder eine Behinderung so weit möglich „normal“ in das tägliche Leben mit einzubeziehen.
Bei meiner Nichte findet im Moment eine wirklich schlimme Art von Ausgrenzung statt. Die Oma z.B. hat schon Panik wenn sie weiß, dass sie zu Besuch kommt. Bei uns war sie schon lange nicht mehr. Alle haben Angst sie könnten etwas falsch machen! Sogar an meinen Kindern (5 und 3 Jahre alt) merke ich diese Angst und Unsicherheit. …uns sie war „davor“ die absolute „Lieblings-Cousine“ und war ständig hier! …mir tut das alles so Leid für sie! Dann hat man so eine schlimme Krankheit und dazu kommt (was ich vielleicht fasst noch schlimmer finde) diese Ausgrenzung dazu.

Muss der Alltag von Menschen die mit Zöliakie leben müssen wirklich so aussehen?

Lg, Stella

Marita
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Beitragvon Marita » 24 Mär 2008 16:36:18

Hallo Stella!

Auch von mir ein ganz grosses Lob dass Du Dich hier informierst!!! :respect:
In unserer Familie ist der 5jährige Sohn betroffen, ich kann die Mutter Deiner Nichte also gut verstehen - man möchte schliesslich für sein Kind alles richtig machen.

Wir halten die Regeln des glutenfreien Lebens wirklich sehr genau ein und haben damit auch die Erfahrung gemacht, dass man ein wenig schief angesehen wird. Kommentare wie "ein Krümel wird ja wohl nichts ausmachen" oder "nun sei mal nicht so pingelig" sind nach wie vor an der Tagesordnung. Vor allem bei Familienessen, wo man doch von den nächsten Verwandten eigentlich Unterstützung erwartet.

Andererseits versuchen wir unserem Sohn ein normales Lebens zu ermöglichen. Das heisst auch, ihn nicht immer in eine Aussenseiterrolle zu drängen. Ich hoffe, dass wir es schaffen die strikte glutenfreie Diät ohne viel Aufhebens einzuhalten - man muss ja nicht alle damit tyrannisieren.

Die Familie muss natürlich gut informeirt sein - zB. über Krümel, eigenes Brotmesser, usw. Aber ohne erhobenen Zeigefinger geht das wohl am besten.
Auch bei mir hat es einige Zeit gedauert herauszufinden, welches Ausmass an Informationen für wen notwendig ist.

Ich hoffe ich konnte Dir ein bisschen helfen. Nach 9 Monaten gibt es bei der Mutter Deiner Nichte vielleicht doch noch einige Unsicherheiten - liebevolle Unterstützung hilft da. Aber das machst Du ja schon, indem Du Dich hier einliest!
Kennt sie dieses Forum? Das wäre vielleicht ein Tipp!

Liebe Grüsse,
Marita :flower:

nati32
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Beitragvon nati32 » 24 Mär 2008 16:56:01

Hallo Stella,
Ich finde es super das du dich hier schlau machen möchtest...

ich kann dich sowie auch die Mutter deiner Nichte gut verstehn.es ist am Anfang nicht einfach sich damit zu recht zu finden und denn richtigen Weg in der Familie einzuschlagen so das alle sich daran beteiligen können ,neun Monate sind auch noch keine lange Zeit um sich ohne unsicherheit darin zu bewegen und es ist wichtig das man sich genau am die Diät hält ....

Meine Mama hat damals sowas wie eine Familiensitzung einberufen...alle uns nahestehnende Verwandte und Freunde sind eingeladen worden mit den Kindern und man hat über die Zöli gesprochen über das was wichtig ist was ich nun noch darf oder nicht... leider gab es damals diese Forum hier noch nicht..
Das wäre doch auch ne möglichkeit so könnt ihr alles in ruhe darüber reden und der Mutter helfen, auch zeigen das ihr es ernst nehmt und sie so gut ihr könnt ünterstüzt


Alles liebe Nati32
Der Weg ist das Ziel.....

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muck196
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Beitragvon muck196 » 24 Mär 2008 17:00:08

Hallo und herzlich Willkommen Stella. :flower:

auch ich finde es schön von dir, dass du dich informierst
und nicht einfach alles von vorneherein als übertrieben ablehnst.
Sicher scheint einem manches als Nichtbetroffener oder Neuling
reichlich überzogen.

Vielleicht hilft dir ja>>dieser<< Beitrag etwas besser zu erkennen
worauf unbedingt zu achten und was wichtig ist.

Liebe Grüße muck
»Im Grunde sind es immer die. Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben«.

stella2008
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Beitragvon stella2008 » 24 Mär 2008 17:26:21

Hi Martina,

danke auch für Deinen Beitrag! Ich muss sage, dass ich sehr froh das ich mich in diesem Forum angemeldet habe. Es ist wirklich gut auch mal von jemand anderem über dieses Thema etwas zu erfahren.
Und wenn die Realität wirklich so aussieht, wie sie meine Schwägerin darstellt. Dann kann ich vielleicht auch besser damit umgehen.
Ich kann wieder nur aus der Sicht eines nicht „direkt“ Betroffenen sprechen. Aber wie du schon sagtest, dieser erhobene Zeigfinger und vielleicht auch die Angst die dadurch verbreitet wird, ist in meinen Augen nicht der richtige Weg.
Ich würde meiner Schwägerin sehr gerne mal beschreiben wie das ganze auf uns alle wirkt. Aber ich habe Angst, dass dann gleich wieder der Vorwurf kommt, wir würden das alles nicht ernst nehmen. …denn so ist es ganz und gar nicht!!!
Meine Schwägerin will für ihre Tochter natürlich nur das Beste! …das will jede Mutter!
Vielleicht ist sie in dieser Situation so auf die Tochter und ihr Wohl fixiert, dass sie gar nicht merkt wie sie die Menschen drum rum verängstigt und verunsichert. Und das trägt sicher nicht zum Wohle des Kindes bei! Denn es ist wirklich nicht schön, wenn ich insgeheim denke; „Mir ist recht wenn sie nicht her kommt, dann mach ich schon nichts falsch“!
Ich schäme mich dafür und würde gerne etwas daran ändern, aber wie?
Sie vermittelt uns allen den Eindruck, sie sei die einigste Person die weiß wie man alles Richtig macht. Was für eine Unterstützung kann ich ihr anbieten?

Lg, Stella

Selly
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Beitragvon Selly » 24 Mär 2008 18:02:39

Hallo Stella,

ich denke das wichtigste ist erst mal deiner Schwägerin das Gefühl zu geben, sie Ernst zu nehmen. Meine Tochter ist auch 10 Jahre und ich kenne das Gefühl, dass man bei Familienfesten ständig irgend welche "Kontaminationsgefahren" sieht und damit alle verrückt macht....

Vielleicht solltest du versuchen so ein Familientreffen komplett glutenfrei zu gestalten. Es gibt einfache glutenfreie Backrezepte für Kuchen, die leicht nachzubacken sind - auch ohne Mehl. Aber selbst Mehl kannst du dir ja, wenn dir deine Nichte wichtig ist besorgen. Eine Freundin von mir macht dann immer gerne Muffins, da sie in den Papierförmchen gebacken werden und somit nicht von der Backform "verseucht" werden.

Als Abendessen klappt Raclette immer ganz gut (mit Kartoffeln oder Reis). Mach dir die Mühe bei der Wurst oder was immer ihr benutzt gründlich die Inhaltangaben zu lesen oder frage deine Schwägerin was man nehmen kann. Für deine Nichte ist es auf jeden Fall ein tolles Gefühl, wenn sie mal wieder das gleiche wie alle essen kann.

Versuche an Tagen, an denen deine Nichte da ist, nur glutenfreie Süssigkeiten anzubieten, dann muß nicht ständig aufgepasst werden und für alle ist ein Treffen viel stressfreier. Es gibt so viele glutenfreie Süssigkeiten, dass deine Kinder auch nicht leiden müssen. Außerdem können sie ja auch wenn deine Nichte weg ist wieder zuschlagen....

Liebe Grüße
Elke

Susanne1969
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Beitragvon Susanne1969 » 24 Mär 2008 18:04:16

Hallo nochmal!

Ich verstehe, was du meinst, Stella.
Du fragst, was du tun kannst.
Nun ja, ich denke, erstens kannst du dich hier im Forum informieren, wie man das alles hinkriegt mit dem glutenfreien Essen.
So schwierig ist das gar nicht!

Du könntest das betroffene Mädchen zu euch einladen und dann z.B. was leckeres kochen oder backen, das ALLE bei euch essen können, dann braucht auch niemand drauf achten, dass keine falschen Krümel etc. verspeist werden!

Wenn deine Schwägerin dir nicht zutraut, dass du das richtig machst, könntest du ihr ja vorher die Rezepte zeigen, die du vorhast, u. sie fragen, ob das alles ok ist.

Und gebt der Kleinen bitte nicht das Gefühl, so etwas wie eine Aussätzige zu sein!

lg, Susanne :)

PS: Noch ein Tipp für den Anfang:
besorg dir einen Almondy-Kuchen (die sind alle glutenfrei), der wird der Kleinen bestimmt schmecken (den anderen auch!)

jelisabetta
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Erhobener Zeigefinger

Beitragvon jelisabetta » 24 Mär 2008 18:23:34

Hallo Stella,
als ich mit der Diagnose Zöliakie konfrontiert wurde und mich mit dem Thema: "Hygiene in der Küche" auseinandersetzen musste, konnte ich es fast nicht glauben, es erschien mir schon ein bisschen lächerlich, und es hatte eine Weile gedauert, bis ich merkte, dass kleinste Krümel mein Wohlbefinden stark beieinträchtigen. Einmal war ich eingeladen und es gab eine leckere Suppe mit Nudeleinlage und gemüse und mir brachte man extra die Brühe nur mit Gemüse. Es war mir peinlich zu erklären, dass ich sie auch nicht essen kann, wenn da die Nudeln drin geschwommen sind, und hab ein paar Löffel davon gegessen. Die Strafe kam nicht sofort, erst einen Tag später. Ich muss nur auf mich aufpassen. Deine Schwägerin nimmt hat die Verantwortung für ihr Kind und das ist auch nach neun Monaten eine ständige, tagtägliche riesige Herausforderung, sie geht ständig den schmalen Weg zwischen Kindeswohl und Familienfrieden. Sie muss so viel beachtenm muss ihre Augen überall haben, und kann kaum einen Moment richtig locker lassen. Ausserdem muss sie allen Gesunden gegenüber so tun als würde ihr das nichts ausmachen Nimm ihr bitte nicht übel, wenn sie dass nicht immer so schafft, dass keiner beleidigt ist. Sie wird wahrscheinlich in Tränen ausbrechen, wenn du sie an diesem Punkt oder in ihrem Verhalten kritisierst. Das wird sie wahrscheinlich noch nicht aushalten. Sie steht alleine an der Front :Ihr seid die Gesunden, ihr müsst auch ein bisschen Geduld haben, unterstützte sie mit Bestätigung, Ernstnehmen, Lob, Verstehen, Wärme und Zuneigung, stellt Euch auf Ihre Seite, erklärt auch den Cousinen, was es bedeutet, nicht mehr alles essen zu dürfen und schon bei kleinen Krümeln Bauchweh zu bekommen, da hat sie viel mehr von und wird mit der Zeit auch gelassener werden können. Freut Euch darüber, dass das Mädchen Familienfeiern mitmachen kann und nicht mit schlimmeren Krankheiten im Krankenhaus liegt. Und sie wird noch eine Weile Euer aller Unterstützung brauchen, bis sie damit umgehen gelernt hat. Dass Du dich hier informierst zeigt auch, wie nahe sie dir steht und wie wichtig sie Dir ist. Meine Respekt hast Du. Und die 70 jährige Oma begreift es auch, meine Tante ist 88 und hat Zöliaki und macht alles richtig. Alles Gute wünscht
Jelisabetta

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Jochen
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Beitragvon Jochen » 24 Mär 2008 18:24:53

Hallo Susanne und an alle anderen,

bitte Vorsicht mit Almondy - Torten , es sind nicht alle GF
siehe diesen Thread

http://www.zoeliakie-treff.de/zoeliakie ... 314#117314
Bild Gruß Jochen

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Beitragvon moni130 » 24 Mär 2008 18:54:35

Hallo Stella,

Respekt, wie sensibel Du mit den ganzen Erlebnissen und Beobachtungen umgehst. Es ist gut und richtig, dass Du das Verhalten Deiner Schwägerin zum Teil hinterfragst. Jede Form von Übertreibung ist für die soziale Entwicklung des betroffenen Kind nur schädlich. Geht denn Deine Schwägerin auch mit in die Schule und paßt womöglich auf, dass kein Kind mit einem normalen Pausenbrot Deiner Nichte zu nahe kommt?

Sämtliches Geschirr mit rumzuschleppen, wenn man die Oma besucht, ist sicherlich kein sehr guter Weg, Deiner Nichte zu zeigen, wie man sein Leben mit Zöliakie entspannt gestaltet. Klar, Sieb und Brettchen, die für glutenhaltige Nudeln und normales Brot verwendet werden, darf man für glutenfreie Ernährung nicht benutzen. Somit wäre das eigene Brettchen und auch ein Brotzeitmesser (so wie viele Leute ein Taschenmesser immer dabei haben) als normale Ausrüstung für Besuche und Ausflüge durchaus sinnvoll - genauso wie andere Kinder immer und überall eine Trinkflasche dabei haben. Aber Topf und Sieb - also das kann ich mir nur in etwa dem Kontext vorstellen, dass Deine Nichte ihrer Oma stolz demonstrieren wollte, dass sie schon selbst glutenfreie Nudeln kochen kann und daher ihre eigene Kochausrüstung mitgebracht hat. Die Oma wäre ansonsten nämlich ganz sicherlich in der Lage gewesen, ganz ohne ein Sieb zu benötigen, leckere Kartoffel- oder Reisgerichte ohne irgendwelche glutenverdächtige Zutaten oder Kontaminationsgefahren zuzubereiten.

Es ist - speziell für eine nicht selbst betroffene Mutter, die "nur" für ihr Kind sorgt - nicht leicht, die tatsächlich notwendigen Vorsichtsmaßnahmen ernst zu nehmen und dabei nicht zu übertreiben. Aber vielleicht steht es der besorgten Tante zu, ein paar wirklich übertriebene Fragen zu stellen, die, wenn es gut geht, mithelfen die ganze Sache etwas auf den Boden zu holen.

Deine Schwägerin, das sei nur mal zu Deiner Information erwähnt, muß sich nicht an irgendwelche Lebensmittellisten halten, sondern ausschließlich die Zutatendeklaration auf verpackten Lebensmitteln beinhaltet eine aktuelle und gesetzlich geregelte Information darüber, ob glutenhaltige Rohstoffe bei der Herstellung im Spiel waren oder nicht. Ich kann Dir daher nur den Rat geben, Dich hier im Forum zu informieren, welche Zutaten als glutenhaltig erkannt werden können. Leider läßt sich die Glutenhaltigkeit nicht nur durch ein einziges Wort erschließen, sondern kann durch verschiedene Begriffe gekennzeichnet sein. Das macht es bei Gluten etwas schwieriger als bei den anderen kennzeichnungspflichtigen allergenen Rohstoffen, für die man sich meist nur ein Wort merken muß. Befasse Dich ein wenig damit und suche den Kontakt mit Deiner Nichte. Macht ein Spiel daraus glutenfreie und glutenhaltige Lebensmittel unterscheiden zu lernen. Hier im Forum gibt es auch dafür ein Beispiel.

Laß Dich nicht unterkriegen von etwas, das bei Euch als Panikmache ankommt. Nimm die Ernährungsregeln Deiner Nichte ernst, aber nicht die Isolierung durch die Mutter. Gegen die Ausgrenzung solltest Du geschickt angehen. Erzähle Deiner Schwägerin z.B. welche glutenfreien Süßigkeiten auch DEINE Kinder gerne mögen, welchen glutenfreien Kuchen Ihr schon mal nur für EUCH gebacken habt (z.b. Käsekuchen ohne Boden, Kokosmakronen usw.) dann sollte nach und nach auch wieder ein normales Miteinander zustandekommen.

Ich wünsche Dir ein gutes Händchen bei der ganzen Sache.

Herzliche Grüße
Monika

stella2008
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Beitragvon stella2008 » 24 Mär 2008 19:25:41

Hallo Monika,
vielen Dank für Deinen Beitrag, der hat mir echt geholfen das ganze nicht so „negativ“ zu sehen. Und du hast verstanden worum es mir geht. Sie geht sicher nicht mit in die Schule und schaut ob keine Krümel in ihre nähe kommen. Das ist genau der Punkt! Ich verstehe also nicht warum meine Kinder nicht neben ihrer Cousine sitzen dürfen. …sie bewerfen sie ja nicht mit Essen!

Das mit der Lebensmittelliste habe ich jetzt nicht ganz verstanden. Meine Schwägerin hat ein Buch in dem alle Lebensmittel aufgelistet sind die glutenfrei sind. Und nur die darf man verwenden, das dachte ich zumindest. Also auch Lebensmittel bei denen man normalerweise nicht davon ausgehen würde das sie glutenhaltig sind, als z.B. Salz oder Sprudel.
Alles was meine Nichte zu sich nimmt muss vorher in diesem Buch abgecheckt werden!
Ohne dieses Buch oder Liste kann man praktisch nicht in einem normalen Lebensmittelgeschäft glutenfrei einkaufen. …das dachte ich zumindest!

Ich habe auch neulich mal was für meine Nichte gebacken dürfen und musste dann zweimal aus dem Laden anrufen, um nachzufragen ob ich dieses Mandeln und diese Schokolade überhaupt nehmen darf. Und sie hat dann immer in der Liste nachgeschaut ob sie ok sind. Ist das die normale Vorgehensweise?

Lg,
Stella

Susanne1969
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Beitragvon Susanne1969 » 24 Mär 2008 19:32:45

Hi!

@Jochen betreffend Almondy:
Jetzt hast du mich aber ziemlich verunsichert!

Wenn ich den Thread, den du angeführt hast, richtig verstehe, geht es darum, dass bei Ikea nun andere Mandeltorten statt Almondy verkauft werden, die nicht gf sind, oder?

Die Almondy-Torten, die man hier in Ö bei Billa, Merkur etc. kaufen kann
(original schwedische Mandeltorte, Mandelt. mit Daim, M. mit Snickers, original schwedische Schoko-Mandeltorte, Cheesecake lemon, Cheesecake raspberry) sind - auch laut österr. Liste - allesamt glutenfrei!

Oder kennt jemand eine Almondy-Torte, die nicht gf ist?

lg, Susanne

Selly
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Beitragvon Selly » 24 Mär 2008 20:09:28

Hallo Stella,
deine Schwägerin in noch in der Phase, wo man alles in der Liste nachschlägt und sich nur dann sicher fühlt. Wenn man diese Phase hinter sich hat und nach der Zutatenliste im Supermarkt einkauft, wird alles viel leichter. Über diese verschiedene Phasen gibt es hier irgendwo einen interessanten Bericht....

Ich denke deine Schwägerin ist noch sehr unsicher und geht daher auf Nummer Sicher. Leider macht sie es damit auch vor allem deiner Nichte unnötig schwer....

Sei aber vorsichtig mit Vorwürfen, da zieht sie sich wahrscheinlich eher in ihr Schneckenhaus zurück und denkt das keiner Verständnis hat. Aus Erfahrung weiß ich, dass man bei dem Thema sehr empfindlich reagiert.

Ich wünsche dir viel Glück und Feingefühl - auch um deiner Nichte das Zölisein zu erleichtern....

Liebe Grüße
Elke

alinghi
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Beitragvon alinghi » 24 Mär 2008 21:25:11

hei Stella, :knuddel:
Ich ziehe meinen ganz persönlichen kleinen Hut vor Dir und Deinem Einsatz. :chinese:
Und möchte nur noch eines hinzufügen:
Falls die Mutter Deiner Nichte über einen eigenen Computer mit Internetanschluß verfügt machst Du vielleicht einen kleinen kinderfreundlichen gf Kuchen, leihst einen schönen auch kinderfreundlichen Film aus, fährst zu ihr hin und zeigst ihr mal dieses Forum.
Es ist alles da, was sie beunruhigen könnte und so ausgeräumt werden kann.
Wenn sie die DZG gefunden und sich auch angemeldet hat ist es fast unbegreiflich, wie sie hier vorbeihuschen konnte.

Du bist eine von den ganz tollen Tanten, glaub ich..
Mach genau da weiter, wie angefangen, das ist in meinen Augen ganz furchtbar richtig :knuddel:
Ali
Zwei Wege im Wald boten sich mir dar. Ich wählte den, der am wenigsten betreten war..
übersetzt Walt Whitman

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Beitragvon SierraHotel » 24 Mär 2008 21:56:52

@Susanne1969

Hallo Susanne, guck mal hier: http://almondy.com.loopiadns.com/de/2.3.html
Vielleicht hilft dir das weiter?
Liebe Grüße
SierraHotel :Matrose:
Zuletzt geändert von SierraHotel am 24 Mär 2008 23:16:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Ana Wegener » 24 Mär 2008 22:47:52

Hallo Stella,

Ich denke auch das es sehr wichtig ist deiner Schwägerin das Gefühl zu geben, sie ernst zu nehmen. Sie ist doch erst am Anfang und möchte keine Fehler machen um ihrem Kind zu schaden. Da kann sie, noch, nicht so locker sein und sich benehmen als wäre alles in Ordnung! Für sie ist das sicherlich Stress pur, bis sie es gelernt hat wie man ambesten damit umgehen kann. Sie ist auf eure, besonders deine Hilfe angewiesen denn du bist wohl ernsthaft interessiert alles über die Krankheit zu erfahren um sie dann auch unterstützen zu können.
Ich finde den Vorschlag sehr gut, dass auch du,mal, glutenfreie Essen und Gebäcke für die ganze Familie vorbereiten könntest, natürlich mit, vorheriger Absprache, deiner Schwägerin und ihrer Liste. Die ist die einzige Sicherheit die sie jetzt noch kennt. Dann kann sie sich, vielleicht, auch mal entspannt der anderen Familienthemen zuzuwenden.
:meine_meinung:

Ich, als erwachsene, in meinem Bekannten und Freundschaftskreis, muss mich ständig rechtfertigen, ständig erklären warum ich was nicht essen kann und dann wird direkt oder hinter meinem Rücken gesagt ich übertreibe bestimmt maßlos, denn, kleine Krümel werden schon keinen Menschen umwerfen. Meine Familie ist auch sehr verunsichert, aber das bin ich doch auch! Noch! :frustrierend:
Wenn Gott eine Tür zuschlägt, öffnet er ein Fenster!
(Trapp Familie)

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Beitragvon EllyMay » 24 Mär 2008 23:12:21

Hallo Selly, wahrscheinlich meinst du den Thread: Zöli1Zöli2Zöli3
@ Stella Wirklich sehr zu empfehlen für deine Schwägerin.
Ansonsten möchte ich dir sagen, dass ich mich auch in den ersten Monaten sehr krampfhaft verhalten habe. Mittlerweile bin ich gelassener und bleibe lockerer, wenn mein gh-essender Sohn mir nach dem Essen einen Schmatzer auf die Backe drückt. Aber meine eigene Margarine und eigenes Erdnussmus halte ich in Ehren.
Ich hatte mal eine Zeitlang das Gefühl, einer Psychose sehr nahe zu sein und habe mich dagegen entschieden. Dazu mußte ich dringend lockerer werden. Das ist ganz gut gelungen. Ich denke, diese Entscheidung kann man niemanden abnehmen. Ich tue vieles um dem Körper keine Chance zu geben, Antikörper zu bilden. Aber es gibt auch Grenzen.
Gemüsesuppe mit vorhher gh-Nudeln aussortiert würde ich auch auf keinen Falle essen. Aber ob mein Teller auf einem Krümeluntergrund stehen darf - naja, solange die Krümel unter dem Teller liegen und ich die Krümel im Blick habe und sie nicht fliegen können..... :jumpingtwice:
Ich finde es ist ein Unterschied zwischen sichtbaren Krümeln und unsichtbaren Krümeln. :meine_meinung:
LG Elly

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Beitragvon Mr_Brazzle » 24 Mär 2008 23:35:28

stella2008 hat geschrieben:Meine Schwägerin hat ein Buch in dem alle Lebensmittel aufgelistet sind die glutenfrei sind. Und nur die darf man verwenden, das dachte ich zumindest. Also auch Lebensmittel bei denen man normalerweise nicht davon ausgehen würde das sie glutenhaltig sind, als z.B. Salz oder Sprudel.

Nein, so eng muss man das nicht sehen. Heutzutage sollten Lebensmittel so gekennzeichnet sein, dass man erkennen kann, ob sie glutenfrei sind. Allerdings muss man oft eine Menge über die Zutaten und deren Glutengehalt wissen. Wenn sich jemand nicht intensiv damit beschäftigen möchte ist das Einkaufen und Kochen "nach Liste" der bequemere und sicherere Weg.
Alles was meine Nichte zu sich nimmt muss vorher in diesem Buch abgecheckt werden! Ohne dieses Buch oder Liste kann man praktisch nicht in einem normalen Lebensmittelgeschäft glutenfrei einkaufen. …das dachte ich zumindest!
Man muss lernen, die Zutatenlisten zu lesen, dann geht es auch mal ohne die Liste. Außerdem gibt es reichlich reine, von Natur aus glutenfreie Lebensmittel. Ein gewisses Grundwissen ist aber auch hier nötig. Deine Schwägerin ist bestimmt unsicher und daher übervorsichtig. Es braucht eine Menge Zeit sicher einschätzen zu können, was man machen kann und was nicht.

Mr.Brazzle :Computer:


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