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Was ich von meiner Tochter gelernt habe

Wie wurde Zöliakie bei euren Kindern festgestellt? Wie gehen sie mit der Erkrankung um?

Was ich von meiner Tochter gelernt habe

Wie wurde Zöliakie bei euren Kindern festgestellt? Wie gehen sie mit der Erkrankung um?
AnneM
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Was ich von meiner Tochter gelernt habe

Beitragvon AnneM » 29 Aug 2019 19:45:14

Hallo Ihr Lieben,

Ich freue mich sehr, dass es hier eine Möglichkeit gibt, seine Erfahrungen zu teilen. Da ich aus "unserer" Leidensgeschichte einiges an -ich nenne es mal- Elternweisheit mitgenommen habe, wollte ich das gerne hier tun. Nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen habe, habe ich allerdings beschlossen, den Text im Dienste der Botschaft deutlich zu entschlacken.

In den letzten Monaten hatte ich viel daran zu knabbern, dass ich die Hinweise auf Zöliakie bei unserer Tochter zwar wahrgenommen, aber nicht ernst genommen habe. Dann läuft sie halt nicht gerne, hat halt Wachstumsschmerzen, neigt zu chronisch schlechter Laune mit Wutausbrüchen, lernt wesentlich schwerer als andere Kinder, selbständig und rechtzeitig auf Toilette zu gehen. Die Dinge standen für mich in keinem Zusammenhang und waren jedes für sich genommen halt kein Grund, sich ärztlich vorzustellen.

Nachdem ich mich eine Weile im schlechten Gewissen gesuhlt habe, fiel mir allerdings auf, wie wenig konstruktiv ich dabei bin. Was hat meine Tochter davon, wenn ich mich schlecht fühle? Was können wir tun, damit ihre Beschwerden, Sorgen, Einschränkungen in Zukunft schneller Beachtung finden?

Und so habe ich durch die Diagnose etwas ganz Wundervolles gelernt:
Ich kann meinem Kind vertrauen. Viel mehr als jedem Ratgeber, jeder Oma und jedem anderen Elternteil, das auch eine Meinung dazu hat, wie Kinder zu sein haben und wie dieses spezielle Kind "halt so ist". Auch mehr als mir. Ihr Feedback zu dem, was sie fühlt und wie es ihr geht und wie unangemessen unsere Reaktion darauf war, war immer einwandfrei!
Und so reden wir nun mehr miteinander. Wenn ich mit ihrem Verhalten nicht einverstanden bin, frage ich mal, warum sie das denn jetzt so macht. Und versuche nicht, sie aus erzieherischen Gründen in die gewünschte Schiene zu pressen. Uns geht es damit beiden viel besser und ich hoffe, dass es ihr helfen wird, einmal zu der starken Frau zu werden, die ich manchmal schon erahnen kann.

Haben vielleicht andere ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder ganz andere? Ich würde mich freuen, zu hören, wie andere sich in den Wochen und Monaten nach der Diagnose gefühlt haben und wie es das Verhältnis zu euren Kindern beeinflusst hat!

Ganz liebe Grüße,
Anne

Marion1951
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Re: Was ich von meiner Tochter gelernt habe

Beitragvon Marion1951 » 30 Aug 2019 13:22:57

Kompliment Anne, sehr schöner Bericht von Dir.
Leider kann ich nichts dazu sagen, mein Kind hat
keine Zöliakie und Enkel sind noch nicht da.
Aber ich hoffe Du bekommst Feedback.

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Sibylle
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Re: Was ich von meiner Tochter gelernt habe

Beitragvon Sibylle » 30 Aug 2019 19:28:37

Danke für deinen schönen Bericht!
Ich habe ein inzwischen erwachsenes Zölikind. Für mich waren die 14 1/2 !! Jahre vor der Diagnose eine ganz schlimme Zeit. Wir sind von Arzt zu Arzt gelaufen, 2x war sie auch im Krankenhaus und ist ohne Befund entlassen worden. Später hat man die Beschwerden versucht auf die Psychoschine zu schieben... Es war eine schlimme Zeit. Wir haben viel getröstet, versucht Taktiken zu finden, dass es ihr besser geht. Wir haben nur die Symptome lindern können. Die Diagnose war dann eine Erleichterung und ein gemeinsamer Neuanfang.
Wir haben zusammen neu Backen gelernt und neue Rezepte entwickelt. Kochen war nie das Problem.
Als sie mit gerade so 18 Jahren auszog, war sie fit für eine Haushaltsführung ohne jegliche Fertigprodukte.
Auch wenn wir heute hunderte Kilometer entfernt voneinander wohnen, tauschen wir uns regelmäßig aus, bestellen gemeinsam Back- und Kochzutaten usw.
Liebe Grüße, Sibylle
-----------
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AnneM
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Re: Was ich von meiner Tochter gelernt habe

Beitragvon AnneM » 30 Aug 2019 21:52:28

Das klingt doch super! Vielleicht ja etwas, worauf wir uns freuen können! Aber auch Zukunftsmusik, erstmal müssen wir nur den Kindergarten unbeschadet überstehen. ;-)

Die.L
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Re: Was ich von meiner Tochter gelernt habe

Beitragvon Die.L » 30 Aug 2019 23:06:23

Anne, das hast Du schön geschrieben!
Kinder sind auch Menschen :yes:
Ansonsten geht es mir wie Sibylle: viel zu viele Jahre harte Leidenszeit für die ganze Familie bis zur Diagnose...
Wir hatten schon immer viel Spaß am gemeinsamen Kochen und Backen, aber das ist auch bei uns erheblich mehr geworden. Ihren Haushalt wird sie führen können, wenn es soweit ist.
Schöne Grüße von Heike!
Mit Tochter aus 02/2004 (Zöliakie diagnostiziert seit 10/2013)
Für mich seit 06/2017 Diagnose antikörpernegative Zöliakie


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