Zöliakie Treff - glutenfrei durch den Alltag
Das Forum rund um Zöliakie (Diagnose und Behandlung | Glutenfreie Ernährung)

zu wenig Gluten-Belastung?

Eure Fragen und Tipps zu den Symptomen, zur Diagnose und Behandlung von Zöliakie

zu wenig Gluten-Belastung?

Eure Fragen und Tipps zu den Symptomen, zur Diagnose und Behandlung von Zöliakie
ValerieAnna
Grünschnabel
Grünschnabel
Beiträge: 4
Registriert: 03 Mär 2016 23:25:40
Geschlecht: weiblich

zu wenig Gluten-Belastung?

Beitragvon ValerieAnna » 13 Mär 2016 01:02:53

Hallo :)

Mein Name ist Valerie und es geht um unsere Tochter Anna (26 Monate alt).
Als kleine Vorwarnung muss ich gleich zu Anfang schreiben, dass dieser Beitrag "etwas" länger wird.
Unser Diagnose-Dschungel geht nämlich schon seit einigen Monaten...
Und: wir sind aus Österreich, deswegen vll. die etwas anderen Ausdrucksweisen ;)
Also, Anna's Start ins Leben war etwas holprig, da ich eine schwere Präeklampsie hatte und Anna dadurch
wachstumsretardiert war. Muttermilch (anfangs abgepumpt) vertrug sie schon im Krankenhaus am besten, andere
Nahrung hat sie von Anfang an erbrochen.
Gestillt haben wir eigentlich bis zum ersten Geburtstag, da sie mit Breien immer auf Kriegsfuß gestanden hat.
Gemüse, Fleisch, Obst gingen noch irgendwie, Getreide mochte sie nicht wirklich....
Uns hat das aber nie sonderlich gestresst, Anna hat irgendwann einfach stückige Sachen vom Familientisch bekommen.
Für mich war ihr Darm einfach unreif...
Als Anna 1 Jahr alt war, ging mein Mann in Karenz und begann mit der KiTa-Eingewöhnung und ich arbeitete wieder.
Das ging gut, bis Anna 16 Monate alt war: bei einer Routine-KO war sie auf der Gewichtsperzentile dtl. abgefallen.
Unsere KiÄrztin wollte eine komplette Laborabklärung machen. Hier das Ergebnis:

Gliadin-IgA- und IgG-AK <2 RE/ml (-25 normal)
TTG-IgA-AK < 2 U/ml (bis 9 neg)
Gesamt-IgA 0,2 g/l (0,21-2,03)
Einzig auffällig waren erhöhtes TSH und ein erhöhter Leberwert.
Und im Nachhinein vielleicht das etwas niedere IgA..
Kein Eisenmangel, kein erhöhtes IgE, nix.

Für uns war das damals irgendwie auch der Freibrief, dass alles passt und wir machten weiter wie bisher.
Im Sommer machten uns die KiTa-Betreuerinnen darauf aufmerksam, dass Anna im Gegensatz zu anderen Kinder
sehr große Stuhlmengen hat und vormittags oft müde und quengelig ist.
Anna ist ja unser erstes Kind und somit fehlte uns der Vergleich, wie Kleinkind-Stuhl normalerweise auszusehen hat.
Aber es stimmte schon, ihre Stühle waren meist schaumig-breiig und hell....
Wir begannen mit diversen Auslass-Versuchen (Laktose, Fruktose, Weizen,...), keine Veränderung.
Der Vollständigkeit halber: Ich selber bin Allergikerin, hatte als Kind eine schwere Weizen-Allergie mit Hauterscheinungen, asthmat. Beschwerden, hohem IgE. Auch aus meiner Vorgeschichte kommt Weizen bei uns kaum auf den Tisch.
Mein Mann hat eine Pollenallergie und seit einem Jahr unerklärlichen, kreisrunden Haarausfall im Gesicht (dzt. in Abklärung).
Im Herbst wurde unsere Tochter nach einem Italien-Urlaub dann sehr wählerisch beim Essen.
Sie verweigerte Brot, Nudeln, Kekse, Kuchen, aß allgemein sehr wenig.
Gerne mochte sie eigentlich nur Milchprodukte, Fleisch, Äpfel, Karotten, Hirsestangerl, Reiswaffeln. Davon ernährten wir sie...
Ihr Bauch war mittlerweile sehr gebläht, sie verlor auch Muskelmasse, bekam dünne Ärmchen und Beinchen, schlief unruhig, hatte sehr viele Blähungen.
Bei der nächsten KiA-Kontrolle im November war Anna auf die 3. Gewichtsperzentile abgefallen, es wurden ein Bauch-Ultraschall (Darmschlingen gebläht)
und eine neuerliche Blutabnahme veranlasst:
Gliadin-IgA und IgG wieder < 2
TTG-IgA wieder < 2
Gesamt-IgA 0,34

weiterhin erhöhtes TSH, erhöhtes GOT und nun Zeichen einer chron. Entzündung im Blutbild.
Unsere Kinderärztin sagte uns auch, dass Zöliakie-AK in Anna's Alter noch negativ sein können und empfahl uns eine Magen-Dünndarm-Spiegelung.
Außerdem sollten wir zur Schilddrüsen-Abklärung und zum Kinder-Gastroenterologen.
Termine für die diversen Untersuchungen bekamen wir erst im Jänner, aber Anna's Zustand verschlechterte sich an Weihnachten doch zusehends:
sie wollte eigentlich kaum mehr essen, weinte meist bei Tisch, verkroch sich zu Essenszeiten.
Außerdem war sie blass, hatte Augenringe, 3-4 breiige Stühle am Tag, erbrach sich manchmal nachts im Schlaf, war tagsüber sehr müde.
Ende Dez. waren wir nervlich am Ende und wir stellten sie auf glutenfreie Schonkost um, ließen auch Milchprodukte weg. Man hatte uns zwar
gesagt, dass wir das nicht tun sollen wegen der erschwerten Diagnostik, aber es ging nicht mehr...
Es war anfangs schwierig, weil Anna's Appetit irgendwie nicht vorhanden war, aber sie begann dann doch vorwiegend Reis zu essen und es ging
ihr zusehends besser.
Nach etwa 10 Tagen Diät waren ihre Riesenstühle weg, sie hatte zusehends geformten Stuhl.
Sie hatte Appetit, aß Dinge, die sie ewig lange nicht wollte (gf Nudeln,...), war tagsüber nicht mehr so müde und der Blähbauch wurde kleiner.
Bei der Schilddrüsen-Abklärung im Jänner sagte man uns, dass Anna eine leichte Unterfunktion hat, die aber nicht behandlungsbedürftig ist. Aber man riet
uns dringend zur gastroenterologischen Abklärung.
Der Termin beim Gastroenterologen war dann auch im Jänner, nach ca. 3 Wochen glutenfreier Diät.
Der Arzt war sehr ungehalten ob der von uns begonnenen Diät ("so kann ich keine Diagnose stellen!!") und meinte, wir sollten wieder auf normale Ernährung umstellen. Ich meinte darauf, dass die AK vor 2 Monaten ja auch negativ waren und wir einfach schon so verzweifelt wegen Anna's schlechtem Zustand waren.
Nach einigem Hin und Her ernährten wir sie wieder "normal", 2 Wochen lt. Arzt.
Anna ging es nach 2 Tagen wieder schlechter, die Nächte waren besonders schlimm.
Ich war trotzdem skeptisch, ob wir auf diesem Weg zu einer Diagnose kommen könnten, da Anna meiner Meinung nach sehr wenig glutenhaltige Lebensmittel zu sich nahm. Sie verweigerte diese einfach, glutenhaltiges Pulver brachte nicht den gewünschten Erfolg. Ovomaltine ging noch, manchmal weizenhaltige Frühstücksflocken.
Natürlich waren alle Zöliakie-AK negativ, auch deaminierte.
Weitere Ergebnisse: HLA-DQ2 positiv, GOT leicht erhöht bei 44 U/l, TSH nur mehr leicht erhöht bei 5,2, Chlorid 112 (lt Arzt durch chron. Durchfall), Allergiescreening bis auf Erdnuss negativ, IgE normal, IgA 0,3, weiterhin Zeichen einer chron. Entzündung im Blutbild.
Der Gastroenterologe meinte dazu: "Zöliakie ist es keine. Sie müsste dazu auch einen Eisenmangel haben. So stark, wie sie die Symptome schildern, können sie vom
Labor her gar nicht sein!"
(Laktose- und Fruktose-Intoleranz wurden auch noch ausgeschlossen, Stuhluntersuchung inc. Calprotectin war unauffällig)
Ich fragte: "Was ist es dann?" Er wusste auch keine Antwort, war aber schon ziemlich genervt.
Ich wollte wissen,was wir jetzt tun können, damit unsere Tochter endlich mal zunimmt. Diät? Glutenfrei?
"Wenn sie meinen, ich bin ja gegen so einen Einschnitt ohne ordentliche Diagnose!"
Wir sind dann auch gegangen, das Gespräch führte zu nix und wir waren irgendwie total verzweifelt, weil wir keine Perspektive hatten.
Unsere Kinderärztin hat uns dann doch zur Stufenbiopsie geraten, die vor 2 Wochen war. Die Ergebnisse sind noch ausständig (lt. Pathologie gehen die Proben weiter an die Uni, weil die Bestimmung schwierig ist), aber ich erwarte mir davon nicht wirklich ein Ergebnis.
Makroskopisch sah der Untersucher nur eine leichte Atrophie.
(Anna war bei Aufnahme im KH übrigens zum ersten Mal auch von der Größe her auf die 3. Perzentile abgefallen)
Wir ernähren Anna seit der Untersuchung streng gf und es geht ihr von Tag zu Tag besser. Die Stühle sind normal geformt, der Blähbauch ist wieder weg.
Lt. Klinik sollen wir sie jetzt mal bis zum 5. Geburtstag gf ernähren und dann nochmal belasten. Die behandelnde Ärztin war wesentlich verständnisvoller mit uns und meinte, dass Anna vielleicht einfach noch zu wenig belastet wurde, um AK zu entwickeln.
So weit, so gut...
Im Privatbereich ist das alles kein Problem, wir sind motiviert, Anna geht es viel besser. Gestern hatten wir scheinbar einen Diätfehler beim Auswärts-Essen (Pommes und Fleisch für Anna - angeblich alles gf) machten heute Durchfälle, Bauchweh und Müdigkeit.
In der KiTa sollen wir einen Arztbrief mit korrekter Diagnose abgeben, damit Anna gf Essen erhält bzw. wir ihr gf Essen mitgeben können. Das wird schon mal nicht gehen...
Und an mir nagt halt schon oft die Frage, was unsere Tochter nun hat. Ich weiß, dass es ihr besser geht, sie zunimmt und wächst sind für uns das wichtigste!
So, nun bin ich am Ende dieses echt langen Berichts angelangt und würde gerne wissen, was ihr von unserer ganzen Geschichte haltet, was ihr bzgl. einer Diagnose denkt und ich würde auch gerne wissen ob es Eltern gibt, die mit ihren Kindern ähnliches erlebt haben?!

Danke schon mal fürs durchlesen, Alles Liebe, Valerie

Die.L
Silber-Mitglied
Silber-Mitglied
Beiträge: 447
Registriert: 12 Okt 2013 16:54:57
Geschlecht: weiblich
Wohnort: Schleswig-Holstein

Re: zu wenig Gluten-Belastung?

Beitragvon Die.L » 13 Mär 2016 10:48:26

Ohje, solche Sorgen ums klitzekleine Kind!

Ich finde die Anweisung aus der Klinik (bis zum 5.LJ gf Ernährung) gut und klug. Lasst Euch das aus der Klinik schriftlich geben, damit das im Kindergarten auch läuft.

Wir hingen hier mit der Diagnose zwischen der europäischen und der deutschen Leitlinie. Letztere war alt und in Überarbeitung, aber noch gültig und sah für Kinder auch noch zwingend eine Biopsie vor. Die europäische Leitlinie war aktueller und sah unter bestimmten Bedingungen eine Diagnose auch ohne Biopsie vor.
Nun hatten wir einige Jahre vorher ja schon erhöhte Antikörper, aber bei der damaligen Biopsie wurde geschlampt und somit gabs damals keine Diagnose. Also verweigerten wir Ende 2013 die Biopsie und diskutierten ausgiebig mit den verschiedenen Ärzten, ob die Diagnose nach eropäischer Leitlinie gestellt werden darf (erfüllte eindeutigst die Kriterien) oder ob wir uns an die veraltete deutsche Leitlinie halten müssen.
Wir einigten uns darauf, dass wir, falls die deutsche Leitlinie bei der Überarbeitung nicht an die europäische angepasst wird, wir in ein paar Jahren eine Belastungsphase mit Biopsie machen würden.
Brauchts zum Glück nicht, jetzt ist die Diagnose auch in D korrekt gestellt.

Euch bringt gf Ernährung jedenfalls Entlastung und Zeit zum Durchatmen.
Später ist das Kind alt genug, um die Belastungsphase zu verstehen und auch Veränderungen zu bemerken. Entweder es war nur eine passagere Weizenallergie (kann ja durchaus sein), dann steht dem Kind in Zukunft wieder alles offen, oder es ist Zöliakie, dann wird es wieder Symptome bekommen und alt genug sein um Antikörper zu bilden. Dann hättet Ihr eine endgültige Diagnose.
Schöne Grüße von Heike!
Mit Tochter aus 02/2004 (Zöliakie diagnostiziert seit 10/2013)
Für mich seit 06/2017 Diagnose antikörpernegative Zöliakie

Benutzeravatar
moni130
Gold-Mitglied
Gold-Mitglied
Beiträge: 4055
Registriert: 19 Sep 2004 20:28:19
Geschlecht: weiblich
Wohnort: in der schönen Rhön

Re: zu wenig Gluten-Belastung?

Beitragvon moni130 » 13 Mär 2016 11:52:06

Hallo Valerie, hallo Anna ;),

Ihr habt ja schon ganz schön was durchgemacht. Und ich habe alles gelesen, was Ihr darüber geschrieben habt. Was mir aufgefallen ist: Der Gesamt-IgA zeigt doch eigentlichen einen allgemeinen IgA-Mangel an. Oder habe ich da etwas falsch gelesen? Im Falle eines allgemeinen IgA-Mangels (der bei Zöliakie ganz wesentlich häufiger vorkommt als bei Nicht-Zölis) wären die IgG-Antikörper auf deamidierte Gliadin-Peptide das einzige, was bei der Zöliakie-Diagnostik verwertbar ist.

IgG-Antikörper erscheinen aber erst bei einer längeren ausreichenden Belastung, also nicht schon nach 2 Wochen! Ausreichende Belastung scheint ja bei Anna zu keinem Zeitpunkt gegeben gewesen zu sein, wenn Ihr in der Familie allgemein wenig Weizen verwedet und Anna darüber hinaus von sich aus Weizenhaltiges meidet (kluges Mädchen!). Somit ist die Tauglichkeit der Antikörperdiagnostik bei Anna schon mal sehr fraglich.

Auch ohne nachweisbare Antikörper im Blut können im Darm schon Schädigungen vorliegen. Wenn da schon makroskopisch eine leichte Atrophie erkennbar war, dann ist das doch schon beachtlich. Der Grad der Schädigung muss allerdings nicht der Heftigkeit der Beschwerden entsprechen. Es gibt Zölis, die kaum Beschwerden wahrgenommen haben und trotzdem eine schwer geschädigte Schleimhaut aufwiesen. Und umgekehrt gibt es unzählige Zölis, die jahrelang wegen heftiger Beschwerden mehrfach erfolglos untersucht wurden, bis dann doch irgendwann mal Schleimhautschädigungen gefunden wurden und endlich Zöliakie diagnostiziert wurde.

Mit der Ärztin, mit der Ihr jetzt in Kontakt seid, seid Ihr auf dem richtigen Weg. Sprecht mit Ihr über die Notwendigkeit eines Attest für die Kita. Ich bin überzeugt, sie wird das regeln können.

Noch etwas zur Vermeidung von Milchprodukten. Da die offenbar keine Beschwerden verursachen, solltet Ihr sie schnell wieder in den Speiseplan aufnehmen, ggf. in laktosefreier Form, denn sie liefern wichtige Nährstoffe. Quark z.B. galt lange Zeit als wesentlicher Bestandteil der Schonkost bei Lebererkrankungen, da er leicht verdauliches Eiweiß liefert. Dass bei Anna die Muskelmasse abgenommen hat, kann evtl. auch mit Carnitin-Mangel zusammenhängen. Aus Studien ist bekannt, dass ein Carnitin-Mangel bei Zölis häufig vorkommt und auch noch nach Einführung einer gf Ernährung anhält. Da die Carnitinversorgung der Muskulatur, für deren Stoffwechsel Carnitin nötig ist, nicht so leicht durch irgendwelche Laborwerte bestimmt werden kann, bleibt eigentlich nichts anderes übrig, als ein wenig zu experimentieren. Bei Erwachsenen kann man versuchsweise L-Carnitin-Konzentrate einsetzen, bei einem Kind würde ich das nicht so einfach empfehlen. Bei Anna gibt es aber einen anderen Weg, sie gut mit Carnitin zu versorgen, da sie offenbar gerne Fleisch mag. Das ist nämlich die natürliche Carnitinquelle in unserer Nahrung.

Fazit: Aus meiner Sicht macht Anna schon ganz viel ganz genau richtig. Ihr könnt sie dabei unterstützen und solltet Euch nicht um "Bedenkenträger" scheren, die eine glutenfreie Ernährung für das Kind als einen größeren "Einschnitt" auffassen als ständige Bauchbeschwerden, Entwicklungsverzögerungen, Muskelabbau usw. Bewahrt Fotos oder Videos von Eurem Kind aus Zeiten mit und ohne glutenhaltige Ernährung auf. Es kann gut sein, dass Ihr in ein paar Jahren darüber erschrecken werdet, was da dokumentiert ist.

Alles Gute,
Monika
--------------------------------------------------------------------------------------
Immanuel Kant (1784): "Sapere aude – Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen."

ValerieAnna
Grünschnabel
Grünschnabel
Beiträge: 4
Registriert: 03 Mär 2016 23:25:40
Geschlecht: weiblich

Re: zu wenig Gluten-Belastung?

Beitragvon ValerieAnna » 14 Mär 2016 00:34:16

Liebe Heike, liebe Monika,

danke für eure Antworten!
Ich denke auch, dass die Ernährungsumstellung jetzt mal das wichtigste für Anna ist und wie man
das Kindlein dann letztendlich tauft - Weizensensivität, Glutensensivität, Zöliakie,... muss jetzt
mal sekundär sein.

moni130 hat geschrieben:Was mir aufgefallen ist: Der Gesamt-IgA zeigt doch eigentlichen einen allgemeinen IgA-Mangel an. Oder habe ich da etwas falsch gelesen? Im Falle eines allgemeinen IgA-Mangels (der bei Zöliakie ganz wesentlich häufiger vorkommt als bei Nicht-Zölis) wären die IgG-Antikörper auf deamidierte Gliadin-Peptide das einzige, was bei der Zöliakie-Diagnostik verwertbar ist.

Anna hatte bei der 1. Blutabnahme ein leicht erniedrigtes Gesamt-IgA von 0,2, bei der 2. ein grenzwertiges von 0,3 und zuletzt in der Klinik war es mit 0,5 dann aber schon knapp im Normalbereich (g/l). Wobei mir bis jetzt keiner sagen konnte, wie nieder das Gesamt-IgA wirklich sein muss, damit auch die IgA-AK negativ sind.

Was mir noch einfällt: endomysiale IgA-AK wurden da auch mitgemacht. Die waren auch negativ....

moni130 hat geschrieben:Ausreichende Belastung scheint ja bei Anna zu keinem Zeitpunkt gegeben gewesen zu sein, wenn Ihr in der Familie allgemein wenig Weizen verwedet und Anna darüber hinaus von sich aus Weizenhaltiges meidet


Das denke ich auch. Ich weiß leider nicht, wie hoch die Belastung bei einem so kleinen Kind sein sollte, aber Anna kam sicher nie auf 2 Stk. Weizenbrot/ Tag.
Ovomaltine (Gerstenmalz), mal ein Eckerl Dinkeltoast, hie und da ein paar Nudeln oder Weizen-Popps gingen, oder ein wenig Kaiserschmarren. Aber sobald
sie nach diesen Mahlzeiten Bauchweh hatte, ging das Gericht beim nächsten Versuch nicht mehr in sie rein.

moni130 hat geschrieben:Dass bei Anna die Muskelmasse abgenommen hat, kann evtl. auch mit Carnitin-Mangel zusammenhängen. Aus Studien ist bekannt, dass ein Carnitin-Mangel bei Zölis häufig vorkommt

Gut zu wissen! Fleisch mag Anna sowieso sehr gerne und wir wollen jetzt auch Milchprodukte wieder einführen, da es ihr ja jetzt schon wieder besser geht.

Kann ein Vitamin-D-Mangel eigentlich auch mit einer Dünndarm-Atrophie einhergehen? Den hat sie nämlich im Gegensatz zum Eisenmangel schon.

moni130 hat geschrieben:Bewahrt Fotos oder Videos von Eurem Kind aus Zeiten mit und ohne glutenhaltige Ernährung auf. Es kann gut sein, dass Ihr in ein paar Jahren darüber erschrecken werdet, was da dokumentiert ist.

Ja, wir haben jedenfalls ein paar Blähbauch- und Windelinhalt-Fotos, die wir als Erinnerung behalten werden :shock:

Benutzeravatar
moni130
Gold-Mitglied
Gold-Mitglied
Beiträge: 4055
Registriert: 19 Sep 2004 20:28:19
Geschlecht: weiblich
Wohnort: in der schönen Rhön

Re: zu wenig Gluten-Belastung?

Beitragvon moni130 » 14 Mär 2016 12:03:29

Was mir noch einfällt: endomysiale IgA-AK wurden da auch mitgemacht. Die waren auch negativ....

Wenn das Immunsystem ohnehin schon "sparsam" ist bei der Ausbildung von IgA-Antikörpern, was ja aus dem mehrfach grenzwertig niedrigen Gesamt-IgA hervorgeht, kann man bei der insgesamt geringen Belastung mit Gluten kaum erwarten, dass die zöliakiespezifischen IgA die Erleuchtung bringen.

Wie hoch die Belastung bei einem Kleinkind sein müsste, um einen sicheren Antikörperanstieg hervorzurufen, kann auch ich Dir nicht sagen. Aber ich kann Dir sagen, dass Reaktionen an der Dünndarmschleimhaut schon bei extrem geringen Kontaminationen nachweisbar sein können, auch wenn sich bei den Antikörpern im Blut noch überhaupt nichts rührt.

Vitamin D-Mangel kann durch Schleimhautatrophie verursacht werden, das ist richtig. Doch ist hierzulande bei so gut wie jedem am Ende des Winters ein Vitamin D-Mangel festzustellen. Der Körper bastelt sich ja Vitamin D zum Teil selbst unter der Einwirkung von Sonnenstrahlung. Und die ist bei uns im Winterhalbjahr bekanntlich eher knapp. Außerdem ist unsere Ernährung oft so gestaltet, dass zu wenig Vitamin D aufgenommen wird. Dabei gibt es doch sooo viele leckere Vitamin D-Quellen. Bisserl was zum nachlesen dazu: klick.

Gruß
Monika
--------------------------------------------------------------------------------------
Immanuel Kant (1784): "Sapere aude – Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen."

Heiterkite
Gold-Mitglied
Gold-Mitglied
Beiträge: 997
Registriert: 07 Aug 2013 19:08:19
Geschlecht: weiblich
Wohnort: Edewecht

Re: zu wenig Gluten-Belastung?

Beitragvon Heiterkite » 14 Mär 2016 18:40:11

Auch wenn ich ja ein Freund von eindeutigen Diagnosen bin- erst recht bei Kindern- Es ist doch eigentlich eindeutig. Ob man es nun Zöliakie nennt oder nicht. Dem Zwerglein geht es schlecht, wenn es glutenhaltig isst. Und das ja sehr deutlich.

Ich finde die Forderung vom Kindergarten eine Frechheit.

Benutzeravatar
Sisi.
Grünschnabel
Grünschnabel
Beiträge: 2
Registriert: 02 Jul 2013 14:50:20
Geschlecht: weiblich
Wohnort: Köln

Re: zu wenig Gluten-Belastung?

Beitragvon Sisi. » 16 Mär 2016 09:57:55

Ihr tut mir so leid.
Ein erhöhter TSH Wert kann auch auf Hashimoto hindeuten.
Damit gehen manche durch die Hölle.
Ist das schon mal abgeklärt worden.
Dazu müsste die freien Werte von T3 und T4, Anti-TPO und TRAK untersucht werden.

Der Referenzwert bei TSH liegt bei 0,27 - 4,20.
Manche Lobore arbeiten sogar mit einem Referenzwert von nur bis 2,50.
Zuletzt geändert von Sisi. am 16 Mär 2016 10:09:39, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
moni130
Gold-Mitglied
Gold-Mitglied
Beiträge: 4055
Registriert: 19 Sep 2004 20:28:19
Geschlecht: weiblich
Wohnort: in der schönen Rhön

Re: zu wenig Gluten-Belastung?

Beitragvon moni130 » 16 Mär 2016 13:26:12

Hallo Sisi,

willkommen im Forum. Erzähle uns doch Deine Zöliakie-Geschichte. Dann verstehen wir vielleicht besser, warum Du hier, ohne Rücksicht auf die bereits erfolgte ärztliche Abklärung, noch einen Nebenschauplatz aufmachst.
Bei der Schilddrüsen-Abklärung im Jänner sagte man uns, dass Anna eine leichte Unterfunktion hat, die aber nicht behandlungsbedürftig ist.
Das steht schon im allerersten Beitrag.

Die Frage, die Valerie bewegt, ist die nach der Diagnostizierbarkeit einer Zöliakie-Erkrankung unter den bei ihrer Tochter gegebenen Umständen. Da es dem Kind unter glutenfreier Ernährung offenbar deutlich besser geht, besteht doch berechtigter Anlaß zu der Hoffnung, dass damit bereits die richtige Therapie für die kleine Anna gefunden wurde, dass sie nun beschwerdefrei aufwachsen kann und dass man erst mal nicht noch nach weiteren Krankheitsfaktoren suchen muss.

Gruß
Monika
--------------------------------------------------------------------------------------
Immanuel Kant (1784): "Sapere aude – Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen."

Benutzeravatar
Sisi.
Grünschnabel
Grünschnabel
Beiträge: 2
Registriert: 02 Jul 2013 14:50:20
Geschlecht: weiblich
Wohnort: Köln

Re: zu wenig Gluten-Belastung?

Beitragvon Sisi. » 16 Mär 2016 15:59:06

Hallo Moni,
es tut mir sehr leid, dass ich hier etwas falsch geschrieben habe.
Möchte auch nicht ValeriaAnna Beitrag zerstören.
Habe es nur gut gemeint, da selber Hashi und mir viele Symtome bekannt vorkommen.
TSH von 5,2 ist einfach zu hoch.
Mein Mann hat seit 3 Jahren Zöliakie. Ist leider vom Arzt nicht richtig aufgeklärt worden.
Jetzt Marsh 3c.
Entschuldigt bitte nochmals.
Sisi

Heiterkite
Gold-Mitglied
Gold-Mitglied
Beiträge: 997
Registriert: 07 Aug 2013 19:08:19
Geschlecht: weiblich
Wohnort: Edewecht

Re: zu wenig Gluten-Belastung?

Beitragvon Heiterkite » 16 Mär 2016 20:55:41

Die Referenzwerte für Kleinkinder sind eh anders.
Ich würde hier auch erstmal abwarten, was die Umstellung bringt.

ValerieAnna
Grünschnabel
Grünschnabel
Beiträge: 4
Registriert: 03 Mär 2016 23:25:40
Geschlecht: weiblich

Re: zu wenig Gluten-Belastung?

Beitragvon ValerieAnna » 18 Mär 2016 22:19:32

Hallo!

Ja, die Schilddrüsen-Auto-AK wurden auch mitgemacht, waren allesamt unauffällig. Hab ich leider vergessen, das in meinen ersten
Beitrag reinzuschreiben - sorry! Aber an der Kinder-Endokrinologie sagte man uns auch, dass z.B. das TSH bei Kleinkindern höher sein
darf, als bei Erwachsenen...

Kurzes Update zu Anna nach knappen 3 Diät-Wochen: der Blähbauch ist komplett weg, Durchfall hatten wir jetzt nur zwischendurch ein Mal
für 2 Tage wieder. Bin mir aber fast 100%ig sicher, dass das ein Diätfehler beim Auswärts-Essen war. Anna hatte Pommes, die auf Nachfrage
angeblich glutenfrei waren. Aber ich bin mir nicht sicher, ob die Küchenkräfte wirklich bescheid wussten. Sie hat eh in ihrer üblichen Art nach
ein paar Stück verweigert, also scheinbar war da doch eine Kontamination da.
Ansonsten freuen wir uns, dass sie von Tag zu Tag mehr Appetit bekommt und tagsüber nicht mehr so müde ist.
Der histologische Befund ist nach viel hin und her heute gekommen: man hat sich auf Marsh 2 geeinigt.
Ich denke mir jetzt, dass Marsh 2 ja auch nicht normal ist für ein so kleines Kind (oder?) und wir auf jeden Fall so wie abgesprochen mit der gf Diät weitermachen bis sie 5 ist.
Wir bekommen übrigens auch einen dem entsprechenden Arztbrief für die KiTa.
Vor allem geht es gesundheitlich endlich aufwärts, nach dem ganzen Hin und Her der vergangenen 10 Monate und das bringt uns endlich mal zum
Durchatmen!
Schönen Abend noch euch und danke fürs mitlesen und antworten :)!

Heiterkite
Gold-Mitglied
Gold-Mitglied
Beiträge: 997
Registriert: 07 Aug 2013 19:08:19
Geschlecht: weiblich
Wohnort: Edewecht

Re: zu wenig Gluten-Belastung?

Beitragvon Heiterkite » 18 Mär 2016 22:25:26

Bei einer Magersucht kann es durch die Unterernährung zu einer Unterfunktion kommen. Von daher kann ich mir gut vorstellen, dass es bei der Kleinen auch eher daher kommt. Wenn das Mäuschen kaum isst und das Bisschen noch wieder rauskommt...

Schön, dass es ihr nuh besser geht!

Benutzeravatar
moni130
Gold-Mitglied
Gold-Mitglied
Beiträge: 4055
Registriert: 19 Sep 2004 20:28:19
Geschlecht: weiblich
Wohnort: in der schönen Rhön

Re: zu wenig Gluten-Belastung?

Beitragvon moni130 » 19 Mär 2016 08:16:15

Hallo Valerie,

:yes: Marsh 2 ist das, womit ich bei Deiner Anna gerechnet habe. Das passt dazu, dass sie nicht viel Glutenhaltiges zu sich genommen hat.

Anna gehört möglicherweise zu den besonders Empfindlichen, die schon bei geringsten Spuren von glutenhaltigen Stoffen Beschwerden bekommen. Da heißt es aufpassen und alles weglassen, was irgendwie "verdächtig" ist. Leider schränkt das die Auswahl weiter ein und man kann sich absolut nicht auf die Kennzeichnung mit der durchgestrichenen Ähre verlassen, denn damit sind ja auch Sachen versehen, die aus sog. glutenfreier Weizenstärke bestehen, die von vielen Zölis nicht vertragen wird. Auch Produkte, die Aroma aus Weizen enthalten, sind manchmal als "glutenfrei" ausgelobt, aber ich selbst z.B. reagiere darauf "blind".

Das ist insbesondere bei der Ernährung in der KiTa zu beachten bzw. den Erziehern zu erklären.

Es wird vorwärts gehen. Alles Gute!
Monika
--------------------------------------------------------------------------------------
Immanuel Kant (1784): "Sapere aude – Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen."


Zurück zu „Diagnose und Behandlung von Zöliakie bei Kindern und Jugendlichen“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Login