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Wie zuverlässig ist der Antikörper-Test?

Eure Fragen und Tipps zu den Symptomen, zur Diagnose und Behandlung von Zöliakie

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Julia1982
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Wie zuverlässig ist der Antikörper-Test?

Beitragvon Julia1982 » 09 Aug 2017 15:16:32

Hallo,

Bei meiner Tochter wurden letzte Woche die Antikörper bestimmt und das Ergebnis ist:
Gliadin-IgG-AK : 17
Gliadin-IgA-AK : 5,7
Gewebetransglutam.IgA-AK : 109

Könnt ihr mit den Werten was anfangen? Ist die Warscheinlichkeit hoch, dass sie Zöliakie hat oder bestehen noch gute Chancen, dass das ein Fehlalarm ist?
Termin zur Gastroskopie haben wir am 24.
Der Kinderarzt hat nicht gesagt, wie hoch die Chancen stehen - nur, dass man nur durch die Magenspiegelung Gewissheit bekommt.

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moni130
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Re: Wie zuverlässig ist der Antikörper-Test?

Beitragvon moni130 » 09 Aug 2017 18:33:56

Könnt ihr mit den Werten was anfangen?

Eigentlich nicht, denn es fehlen die dazu gehörigen Referenzwerte, die von der Grauzone des eingesetzten Tests abgrenzen.

Ganz allgemein kann man sagen:
Gewebstransglutaminase wurde als das Hauptantigen in der Zöliakie identifiziert. IgA-Autoantikörper gegen gegen Gewebstransglutaminase (tTG) sind hoch krankheitsspezifische, serologische Marker für Zöliakie und Dermatitis herpetiformis. ....
Der Nachweis von Autoantikörpern gegen Gewebstransglutaminase (tTG) dient zur Diagnostik auf Zöliakie. Der Nachweis von IgA-Autoantikörpern besitzt dabei eine hohe Sensitivität und Spezifität und ist daher erste Wahl beim Screening auf Zöliakie.

Quelle: Uni-Klinik Ulm

Hat Deine Tochter schon vor der Blutabnahme - bewußt oder unbewußt - weniger glutenhaltig gegessen als sonst? Bis zur Biopsie muss sie sich normal glutenhaltig ernähren!

Je nachdem, welcher Referenzwert für den durchgeführten Test angegeben wird, ist evtl. sogar auch ohne Biopsie die Diagnose zu sichern. Wird der Referenzbereich um das 10fache überschritten und ist eines der genetischen Merkmale für Zöliakie vorhanden, dann ist bei "einschlägiger" Symptomatik die Diagnose bei Kindern auch ohne Biopsie zu stellen. Das ist der international vereinbarte Standard, festgelegt in den sog. ESPGHAN-Kriterien von 2012.
Die Diagnose kann ohne Biopsie gestellt werden.
Bisher wurde bei positiven Antikörpernachweisen eine Diagnosesicherung mittels Dünndarmbiopsie (Histologie) empfohlen. Nach der neuen S2k-Leitlinie kann in einigen Fällen die Zöliakiediagnose auch ohne Biopsie gestellt werden, wenn neben deutlich positiven serologischen Befunden eines der HLA-Merkmale DQ2, DQ7 oder DQ8 vorliegt.

Quelle: IMD Berlin

Für Deine Tochter gilt demnach, dass es wohl kein "Fehlalarm" ist. Und Gewissheit ist in ihrem Fall eben auch allein durch weitere Labortests zu gewinnen! Nur verdient dann der Kindergastroenterologe nix. - Ja, leider bin ich dazu gekommen, durchaus auch die wirtschaftlichen Aspekte auf Seiten der Ärzte in Betracht zu ziehen.
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Re: Wie zuverlässig ist der Antikörper-Test?

Beitragvon Die.L » 09 Aug 2017 21:31:24

Ich stoße in das selbe Horn wie Moni:
sollte Dein Kind
- Symptome wie Eisenmangel, Minderwuchs, Verdauungsbeschwerden welcher Art auch immer, Blähbauch... haben,

und

- der Referenzwert für die Transglutaminase bei 7 oder 10 sein (sind so übliche Werte, gibt aber auch Labore mit höheren Referenzwerten)

dann

habt Ihr die Chance um die Biopsie mit einer einzigen weitern Blutentnahme herumzukommen.
Bei der zweiten Blutentnahme muss auch einer der anderen typischen Marker über dem Grenzwert liegen (dann aber nicht zwingend >10fach) und es muss die genetische Disposition für Zöliakie vorliegen.

Erfahrungsgemäß kommt die Diagnose früher oder später sowieso, wenn einmal erhöhte Antikörperwerte gefunden wurden.
Früher ist besser, weil es Leidenszeit erspart und mögliche Folgeerkrankungen minimiert.
Schöne Grüße von Heike!
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Für mich seit 06/2017 Diagnose antikörpernegative Zöliakie

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Re: Wie zuverlässig ist der Antikörper-Test?

Beitragvon Julia1982 » 10 Aug 2017 21:09:43

Danke Euch schonmal.
Wirklich eindeutige Symptome hat sie nicht. Ab und zu mal leichte Bauchschmerzen. Der Test wurde nur gemacht,da sie starkes Untergewicht hat.

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Re: Wie zuverlässig ist der Antikörper-Test?

Beitragvon Die.L » 11 Aug 2017 07:09:01

Starkes Untergewicht (vielleicht sogar mit dem typischen Kugelbauch?) ist ein klassisches Symptom, nur heutzutage eben etwas seltener (1/3 der neu diagnostizierten Zölis sind übergewichtig und haben trotzdem eine Mangelernährung - nicht kalorientechnisch, sondern es fehlen Mikronährstoffe wie B-Vitamine, Calcium, Eisen, Zink um mal die wichtigsten zu nennen).

Edith wollte noch hinzufügen:
Natürlich ist eine Zöli-Diagnose erstmal ein ordentlicher Schlag ins Kontor. Ist schwer zu schlucken weil eindeutig und lebenslang.
Aber man bekommt ein quietschgesundes Kind dafür! Und eigentlich ist es so einfach, einfacher und besser als jede andere Krankheit, denn es ist in dem Moment keine Krankheit mehr, wo man Gluten weg lässt.
Vielleicht wird Dein Kind mit Diagnose und gf Ernährung auch plötzlich viel fröhlicher, weniger weinerlich und emotional viel belastbarer! Von den Möglichkeiten einer guten körperlichen Entwicklung mal abgesehen... von den vielen Zöli-Kindern die ich inzwischen persönlich kenne, hat nur ein einziges diese Entwicklung nicht gezeigt. Egal ob die Diagnose mit Symptomen oder "ohne" war (dass es doch Symptome gab, fällt oft erst hinterher auf).
Schöne Grüße von Heike!
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Re: Wie zuverlässig ist der Antikörper-Test?

Beitragvon Julia1982 » 11 Aug 2017 09:31:00

Den Kugelbauch hat sie ab und zu mal. Mein Mann wollte sogar die weitere Diagnostik ablehnen, weil er meinte, sie hat keine typischen Symptome.
Du hast aber recht - ich wäre froh, wenn das Untergewicht ein Ende hat.
Sollte es keine Zöliakie sein, bekommt sie hochkalorische Kost. Und das macht vermutlich auch keinen Spaß.

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Re: Wie zuverlässig ist der Antikörper-Test?

Beitragvon Die.L » 11 Aug 2017 10:32:50

http://www.labor-enders.de/fileadmin/PD ... terien.pdf

Das sind die gültigen Diagnoserichtlinien.
Das Kind hat typische Symptome und bei den meisten Laboren würde sie mit den gemessenen Werten über dem Grenzwert liegen (einmal sogar die geforderten 10-fach drüber).
Das heißt, dass Ihr den Ärzten auf den Zahn fühlen könnt, ob die Spiegelung wirklich nötig ist. Dafür gerne das Diagramm ausdrucken und mitnehmen.

Ich bohre an der Stelle so nach, weil meine Tochter mit 4 Jahren Symptome, erhöhte Antikörperwerte und eine ergebnislose Spiegelung hatte. Leider ist letzteres Handarbeit und damit fehleranfällig. So hatten wir noch fünf Jahre (!) Leidenszeit, bevor eine Diagnose nach obigem Schema auch ohne erneute Spiegelung bekamen.
Seit dem ist bei uns endlich die Sonne aufgegangen und das Leben ist trotz aller Schwierigkeiten, die das gf Leben bringt, endlich leicht und schön.
Schöne Grüße von Heike!
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