Zöliakie Treff - glutenfrei durch den Alltag
Das Forum rund um Zöliakie (Diagnose und Behandlung | Glutenfreie Ernährung)

Als Zöli bei Entscheidungen "auf den Bauch hören"?

Wie wurde Zöliakie / Sprue bei euch festgestellt? Wie geht ihr mit der Erkrankung um?

Als Zöli bei Entscheidungen "auf den Bauch hören"?

Wie wurde Zöliakie / Sprue bei euch festgestellt? Wie geht ihr mit der Erkrankung um?
vicos
Grünschnabel
Grünschnabel
Beiträge: 6
Registriert: 21 Jan 2017 12:25:24
Geschlecht: männlich

Als Zöli bei Entscheidungen "auf den Bauch hören"?

Beitragvon vicos » 01 Jun 2019 17:59:40

Hallo zusammen,

nun, nach etwa 3 Jahren seit der Diagnose Zöliakie und LI habe ich mich relativ gut damit arrangiert und bin überwiegend beschwerdefrei, solange mir kein Diätfehler unterläuft. Der LI versuche ich mit zunehmenden Konsum von Milchprodukten zu trotzen, das eine oder andere akzeptiert mein Bauch schon. Sehr gut tut dem Darm mein selbst hergestellter Kefir mit dem Kefirpilz oder auch Kombucha, der ebenfalls mit einem Pilz und Schwarztee fermentiert wird.

Nun zum eigentlichen Thema:
Durch monate- oder gar jahrelange Quälerei mit den Symptomen habe ich gelernt, sehr genau auf meinen Bauch zu hören. Ich möchte sogar sagen, dass ich meinen Darm soweit trainiert habe, vor wichtigen Terminen etc. aufs Klo gehen zu können, um nachher durchhalten zu können. Mit der gf Diät ist dieses zwar nicht mehr nötig, der Darm reagiert jedoch weiterhin auf aussergewöhnliche Situationen. Allein die Sorge vom Kopf her, es könnte beim Ausflug, zu Besuch oder sonst wo keine adäquate Toilette zur Verfügung stehen, bringt mein Gehirn dazu, dem Darm zu petzen: "Pass auf, das ist eine neue Situation, das hatten wir schon so oft, das man plötzlich dringend muss, also bereite dich schon mal vor!" Und schon fängt der Darm an zu reagieren. Die kleinste Unsicherheit reicht aus. Ich denke, viele werden es kennen.

Leider ist diese Reaktion wirklich schlimm:
Ich wurde in den letzten Monaten stark von mehreren anderen Unternehmen beworben. Klingt super? Ist es auch, der Arbeitsmarkt ist derzeit extrem aktiv und man hat grundsätzlich sehr gute Chancen.
Obwohl ich einen nicht schlechten Job habe, jedoch trotz staatl. gepr. Techniker vom Gehalt her unter dem Durchschnitt liege, habe ich mich auf das ein oder andere Gespräch mit den Headhuntern eingelassen und habe nach zwei Vorstellungsgesprächen bei einem Unternehmen einen neuen Job mit deutlich höherem Gehalt mündlich zugesagt bekommen. Man bot mir an, einen Tag zur Probe zu arbeiten. Super, aber: Wie sollte ich die 9-10 Stunden überstehen? Ich habe mir genug zu Essen mitgenommen, es war mir jedoch überhaupt nicht danach. Bereits um 08:15 saß ich in dem neuen, unbekannten Umfeld und mir war kotzübel! Regelrechte Panikattacken, mit Kaltschweiß auf der Stirn. Und das obwohl das Unternehmen im Vorfeld einen recht positiven Eindruck gemacht hat und die Ansprechpartner super nett waren. Einhergehend mit der Übelkeit fing dann sogleich auch der Bauch an zu grummeln und zu blähen, also ab auf's Klo. Hmm, diese typischen Klos mit unten und oben offenen Türen, alle paar Minuten kommt jemand rein, also nicht wirklich entspannend. Man kann ja auch nicht so lange fernbleiben, also wieder zurück zum Arbeitsplatz und wieder mit einem Blähbauch und damit einhergehenden Koliken weiterkämpfen. Irgendwie habe ich es dann mit 6-7 Klogängen (es musste doch schon auffallen, oder?) doch noch geschafft, den Tag rumzukriegen, es folgte nur noch das abschliessende Gespräch mit dem Vorgesetzen, der mir einen super Vertrag vorlegte und nach meinem Eindruck fragte. Man wollte mich unbedingt haben und gab mir paar Tage Zeit.
Ich musste erstmal eine Nacht drüber schlafen und war abends körperlich absolut fertig. Das war extremer Stress für den Körper. Sobald ich dann daran dachte, in dieses Unternehmen zu wechseln, überkam mich ein ungutes Gefühl und Magengrummeln, obwohl faktisch alles dafür sprach. Ich liess mir eine Woche Zeit und kam zunehmend zu dem Entschluss, den Job abzulehnen. Ich konnte es mir einfach nicht vorstellen. Es war alles neu, viele Unsicherheiten... Also habe ich dort angerufen und den Job abgelehnt. Selbst zwei Wochen danach rief man mich wieder an und fragte, ob ich meine Entscheidung nicht doch überdenken konnte und bot mir an, jederzeit dorthin wechseln zu können. Der Job ist relativ speziell, auf dem Arbeitsmarkt gibt es wenige, die das können, und wenige, die das machen möchten, weil hier starke Konzentration gefordert ist und der Job relativ monoton ist (Genehmigungsverfahren im Automotive-Bereich, daher das große Interesse an meiner Person.

In ALLEN Job-Foren wird empfohlen, insbesondere bei der Unternehmenswahl auf seinen Bauch zu hören. Ist das in unseren Fall erst recht der Fall, weil wir unseren Bauch sehr empfindlich wahrnehmen oder ist das besonders trügerisch und der Bauch spielt uns hier einen riesen Streich?

Wie geht Ihr damit um?

Mein Internist hat mir eine Überweisung zum Psychotherapeuten mitgegeben, da er auch der Meinung ist, dass das vom Kopf her gesteuert wird. Jedoch bekommt man in dem bereich nicht so schnell einen Termin...

Heiterkite
Gold-Mitglied
Gold-Mitglied
Beiträge: 1084
Registriert: 07 Aug 2013 19:08:19
Geschlecht: weiblich
Wohnort: Edewecht

Re: Als Zöli bei Entscheidungen "auf den Bauch hören"?

Beitragvon Heiterkite » 02 Jun 2019 14:01:05

Klar ist das vom Kopf mitgesteuert.

Bei dir ist das mit dem Bauchgefühl ja sehr wörtlich.
Aber umabhängig davon: Wenn man das Gefühl hat, man sollte etwas tun oder lassen, sollte man dem Gefühl durchaus mal trauen. Zumindest, wenn von der Entscheidung nichts Dramatisches abhängt.

Ich habe bisher zweimal be8 größeren Dingen nicht aufs Bauchgefühl gehört. Beide Male eine Fehler.

Nummer 1: Wir suchten ein Haus zur Miete. Hatte ein ganz schnuckeliges gefunden. Aber irgendwie hatte ich ein ungutes Gefühl. Aber ich wusste nicht, weshalb. Also habe ich meinem Mann nichts gesagt. Ihm ging es genau so!
Naja, dauernd was kaputt, Stress mit dem Vermieter... („40 Jahre war nix mit der Heizung, und nu soll doe plötzlich kaputt sein“ :lol: )
Nach einem Jahr sind wir umgezogen.

Nummer 2: Schule angeguckt, für meine erste richtige Stelle (ich bin Lehrerin). Das Bauchgefühl schrie ganz laut „Nein, mach das nicht!“ Der Verstand sagte „Du hast nur Schiss, weil du jetzt richtig anfängst. Was willst du denn? Du musst nichtmal weit fahren“
Stelle angenommen.
Nach wenigen Wochen wurde es zur Hölle. Ich bin morgens oft heulend hingefahren.
Habe mach einem Jahr meinen Antrag auf Entlassung eingereicht. (War dann auch nicht mehr verbeamtet und es hieß, ich würde nie wieder eine Stelle bekommen. Bin jetzt glücklich im 6. Jahr an anderer Schule)

Und viiiele Entscheidung im Kleinen. Ich mache oft Radreisen oder Wochenendtrips. Da muss ich halt öfter mal überlegen, ob ich am Abend noch weiter fahre oder lieber nicht oder wo lang...Was anderes als mein Gefühl habe ich da ja nicht. Passte immer.

Nur mit Zöliakie hat das alles nix zu tun.
Dass einem Stress auf den Magen schlägt, ist ja nicht so ungewöhnlich.


Zurück zu „Eure Zöliakie- / Sprue-Geschichte“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Login