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Zöliakie und psychische Probleme

Eure Fragen und Tipps zu den Symptomen, zur Diagnose und Behandlung von Zöliakie / Sprue

Zöliakie und psychische Probleme

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David87
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Zöliakie und psychische Probleme

Beitragvon David87 » 27 Aug 2015 12:18:35

Hallo Zusammen,
ich bin neu hier im Forum und hätte gleich mal eine Frage. :)
Im frühen Kindesalter kam bei mir der Vadacht einer Zöliakie auf und der folgende Antikörpertest verlief auch potsitiv. Eine Biopsie wollten meine Eltern nicht machen lassen, weil die Biopsie meiner Schwester schon sehr unangenehm war. Ich wurde dann trotzdem auf Diät gesetzt, was mir soweit ich mich erinnern kann, auch sehr gut tat. In der Pubertät habe ich die Ernährung dann selbstständig auf normal umgestellt, weil es ja nie eine 100%ige Sicherheit gab, dass ich Zöliakie hatte oder hab. Naja, auf jeden Fall haben sich dann anfang 20 psychische Probleme eingestellt, Depressionen, Ängste bishin zu bipolaren Tendenzen und kurzweiligen Realitätsverlusten. Jetzt meine Frage. Weiß jemand von euch, ob es da einen Zusammenhang geben kann? Ich hatte es schonmal bei einem Arzt angesprochen, aber er hatte mir keine eindeutige Antwort gegeben. Der Antikörpertest im Erwachenenalter war übrigens negativ, weswegen ich meine Ernährung nicht wieder umstellte. Hab leider immer noch psychische Probleme. Vielleicht ist es aber auch ein ganz falscher Ansatz und die Ursache liegt woanders.
Wenn man Krank ist, sucht mal halt nach einer Lösung und vielleicht ist ja jemand hier im Forum der ähnliche Erfahrungen gemacht hat, oder etwas darüber weiß.
Warum der Bluttest als Kind positiv war und als Erwachender negativ, habe ich auch keine Erklärung.

Lieben Gruß,

David

FSM
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Re: Zöliakie und psychische Probleme

Beitragvon FSM » 27 Aug 2015 14:13:24

Der Antikörpertest ist nur positiv, wenn man a) Zöliakie hat und b) sich glutenhaltig ernährt.

Wenn man Zöliakie hat, geht die nicht wieder weg. Wenn man sich aber glutenfrei ernährt, wird der Antikörpertest negativ. Trotzdem hat man immernoch Zöliakie und muss sich weiterhin glutenfrei ernähren. Manche Hausärzte wissen das nicht, aber alle Fachärzte (Gastroenterologen) sollten das wissen und bestätigen können.

Wenn du dich jetzt mehrere Monate glutenhaltig ernährt hast, sollte der Antikörpertest wieder positiv sein und die Zöliakie bestätigen.

Es gibt ein Zusammenhang zwischen Zöliakie und der Psyche, solange man sich glutenhaltig ernährt, weil dann unter Umständen das sog. Glückshormon Serotonin dann nicht hinreichend gebildet werden kann. Über einen Zusammenhang bei Einhaltung der Glutenfreien Diät weiß ich leider nichts. Aber ich denke es ist nicht weit hergeholt, dass das Einhalten der glutenfreien Diät stressig sein kann und leicht zu Depression oder Paranoia führen oder diese verstärken kann. Siehe dazu z.B.

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/48549/Ernaehrungsstress-Zoeliakie-als-Depressionsrisiko

Viele Grüße vom FSM

David87
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Re: Zöliakie und psychische Probleme

Beitragvon David87 » 27 Aug 2015 16:39:29

Der Antikörpertest war ja negativ, obwohl ich mich glutenhaltig ernähre. Als Kind positiv, als Erwachsener negativ.
Und die Psychischen Probleme sind ja bei normaler Ernährungsweise entstanden und nicht bei der Diät.
Ich will eigentlich nur herausfinden ob es da Zusammenhänge gibt, oder ob es eher unwahrscheinlich ist.

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Re: Zöliakie und psychische Probleme

Beitragvon lexi-31 » 27 Aug 2015 17:19:03

Hallo David,

natürlich gibt es das und kann auch gut mit einer Zöliakie zusammenhängen, bzw. dadurch ausgelöst werden. Es gibt so viele verschiedene Symptome, auch neurologische sind dabei. Haben Deine Eltern sich damals die Unterlagen vom positiven AK-Test aushändigen lassen? "Damals" war das sicher eher unnormal, aber es könnte ja sein. Wie alt warst Du denn als der Test gemacht wurde?

Was ich aber in jedem Falle an Deiner Stelle tun würde, gehe zu einem Spezialisten, also zu einem guten Gastroenterologen. Sprich mit ihm, schildere Deine Symptome, gehe noch einmal die komplette Diagnostik an, d.h. AK-Test und natürlich auch die Dünndarmbiopsie. Du kannst gerne in unserem Unterforum nachsehen, ob es in Deinem PLZ Gebiet Empfehlungen gibt und ansonsten könntest Du Dich auch noch an die DZG wenden und um eine Empfehlung bitten.

Und bitte weiterhin wie bisher glutenhaltig essen!
LG Alexandra

Zöli Diagnose am 20.06.2012, Sohn Simon Zöli Diagnose am 27.02.2012

David87
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Re: Zöliakie und psychische Probleme

Beitragvon David87 » 27 Aug 2015 17:33:52

Hallo Alexandra,

danke für deinen Rat und dann werde ich die Diagnostik wohl nochmal in Angriff nehmen. Es ist ja auch irgendwie blöde mit dieser Ungewissheit zu leben.
Zu deinen Fragen, das muss ich auch erstmal in Erfahrung bringen. Ich melde mich dann nochmal.

lg, David

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Re: Zöliakie und psychische Probleme

Beitragvon moni130 » 28 Aug 2015 08:18:02

Hallo David,

auch wenn es nicht so sehr in der Öffentlichkeit bekannt gemacht wird, es gibt einen Zusammenhang zwischen psychischen Irritationen und sogar handfesten psychiatrischen Erkankungen und Gluten!

Es gibt Studien dazu. Hier eine kleine Auswahl:
Gluten-free diet may alleviate depressive and behavioural symptoms in adolescents with coeliac disease: a prospective follow-up case-series study
Ganz aktuell, erst vor wenigen Wochen erschienen: Gluten Psychosis: Confirmation of a New Clinical Entity - Darin geht es um Fälle, bei denen eine Nicht-Zöliakie Glutensensitivität nachweislich Ursache für Psychosen ist.

Ich verfolge diese Problematik seit über 12 Jahren bzw. wurde damals neugierig, als eine Studie, von der ich zufällig gelesen hatte und noch mal reinschauen wollte, eine Dissertation, bei der es um Tests in einer deutschen geschlossenen Psychiatrie ging - mit einem wirklich beunruhigenden Ergebnis, nach kurzer Zeit absolut nicht mehr auffindbar war. So etwas passiert manchmal, wenn etwas so ganz und gar nicht in ein erfolgreiches Geschäftsmodell passt. Wo kämen wir bzw. die ganzen Psychokliniken usw. schließlich hin, wenn man einen Teil der Patienten nicht mit Pillen, sondern mit glutenfreier Ernährung behandeln müsste?

Ich kann Dir vor diesem Hintergrund nur raten, Dich jetzt nicht auf langwierige Diagnostik einzulassen bzw. auch bei negativen Befunden in Bezug auf Zöliakie auf jeden Fall zumindest für einen Zeitraum von einigen Monaten (halbes oder ganzes Jahr) zur glutenfreien Ernährung zurück zu kehren. Parallel dazu rate ich Dir zu irgendeiner Art von Dokumentation. Fotos, Videos, Texte, alles kann dir später mal Veränderungen Deiner Verfassung aufzeigen. Wenn dir nämlich mal Zweifel kommen, ob es denn wirklich so schlimm war in der Gluten-Zeit, dass es sich lohnt, darauf zu verzichten, dann kannst du da noch mal rein schauen. Ich bin z.B. sehr erschrocken, als ich nach einigen Jahren gf Ernährung meine Stimme hörte, mit der ich kurz vorher ein Wetter-Video kommentiert hatte. Da war so viel Schmerz, so viel Überwindung heraus zu hören, dass mir das noch mal deutlich vorgeführt hat, wie schlecht es mir damals wirklich gegangen ist und wie sehr ich mich seither verändert habe, positiv verändert habe.

Noch mal ganz allgemein zur Problematik, aus dem, was ich im Laufe der Jahre dazu gelesen habe:
Neurologische (und psychische) Probleme, die von Gluten verursacht werden, können auftreten, ohne dass eine Schädigung der Dünndarmschleimhaut nachgewiesen werden kann. Gluten als Auslöser wird in den schon vor Jahren beschriebenen Fällen an positiven Antikörperbefunden fest gemacht. Wir wissen aber aus anderen Studien, dass das Erscheinen der Antikörper im Blut dem Eintritt der Schädigung hinterher hinkt. D.h. im Darm können die Zotten schon längst reagieren, bevor Antikörper im Blut gefunden werden. Bei einigen neurologischen Störungen wurden typischerweise nur Antikörper gegen Gliadin gefunden - die für die Zöliakiediagnostik als zu unspezifisch gelten und daher gar nicht mehr bestimmt werden sollen. Tests auf neuronale Transglutaminase gibt es nur für Forschungszwecke und nicht für Diagnostik. Jetzt ist zudem nachgewiesen, dass es keinerlei Anhaltspunkte für die bisher bekannten immunologischen Reaktionen geben muss und trotzdem psychotische Zustände durch Gluten ausgelöst werden können. Wenn Dir das jetzt alles verwirrend erscheint, dann hast Du es ganz genau erfasst. Es gibt kein Schema, nach ein Arzt testen kann, ob Deine Beschwerden Gluten als Ursache haben oder nicht. Es liegt an Dir, die Sache auszuprobieren.

Eine Spiegelung und Biopsie solltest Du trotzdem machen lassen, auch wenn es Dich zur Frage Deiner psychischen Irritationen nicht unbedingt weiter bringt. Aber als Kontrolle ist das auf jeden Fall sinnvoll.

Alles Gute,
Monika

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Re: Zöliakie und psychische Probleme

Beitragvon David87 » 28 Aug 2015 17:16:14

Hi Monika,

auch dir ein Dankeschön für deinen aufschlussreichen Beitrag, der meinen Verdacht auf jeden Fall bestärkt. Durch die Links von dir muss ich mich erstmal durchkämpfen, da mein Englisch eher mittelmäßig ist, aber ich bin froh, dass es überhaupt etwas darüber zu lesen gibt. Ich selbst konnte im Internet nichts wirklich handfestes finden. Das es der Pharmaindustrie ein Dorn im Auge ist, die Ursache der Krankheiten in der Nahrung zu begründen, kann ich mir gut vorstellen. Meine Erfahrung mit der Psychiatrie war auf jeden Fall so, dass es weitgehend darum ging Tabletten zu verabreichen, nur leider behandeln die Medikamente nicht die Ursache und eine große Chance auf Heilung gibts leider auch nicht. Nun gut, mein Plan war es jetzt eigentlich die Diagnose nochmal prüfen zu lassen und je nach Ergebnis auf Gluten zu verzichten oder halt nicht. Aber ich denke, jetzt werd ich auf jeden Fall mal ausprobieren auf Gluten zu verzichten und gucken wie sich mein Gesundheitszustand entwickelt. Den Prozess beispielsweise per Video festzuhalten ist eine super Idee und werde ich umsetzen.

Allen ein schönes Wochenende,

lg, David

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Re: Zöliakie und psychische Probleme

Beitragvon Windfrau » 01 Sep 2015 18:03:20

Hallo David,

ich kann Dir nur Mut machen, der Sache nachzugehen. Ich hab während meiner Glutenbelastung zunehmend unter immer schwereren depressiven Zuständen gelitten. Am Ende war ich ganz am Boden, dass es auch gefährlich wurde, also alles zusammengenommen hat dazu geführt, aber dieses Depressive war arg auffällig. Ich hab mich nicht wiedererkannt. Ich habe allerdings, wie es aussieht, keine Zöliakie, sondern wohl eine Weizensensitivität. Wie auch immer: inzwischen geht es mir wieder sehr gut, ich habe Lebensfreude, Kraft, ich kann auch schwierige Situationen besser meistern, ich kipp eben nicht mehr ständig vor allem und wegen allem innerlich um.


Viele Grüße,

Windfrau

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Re: Zöliakie und psychische Probleme

Beitragvon David87 » 05 Sep 2015 12:01:51

Hallo Windfrau,

das freut mich sehr, dass es dir durch die glutenfreie Ernährung besser geht. Wann haben sich denn bei die ersten Erfolge eingestellt?
Ich habe beschlossen mich jetzt schon glutenfrei zu ernähren und werde es für mindestens 6 Monate beibehalten.
Wenn sich bis dahin keine positiven Veränderungen gezeigt haben, körperlich wie mental, wird es wohl eine andere Ursache für meine Probleme geben,
und nicht das Getreide. Ich bin aber auf jeden Fall gespannt auf den Versuch. Einen positiven Effekt hatte es schon, in koche wieder mehr selbst.

lg, David


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