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Symptomatik, Diagnose & Behandlung

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Bei Erwachsenen

Beitragvon valeska » 07 Feb 2106 07:28:15

:arrow: Die Symptome bei Erwachsenen

Oftmals nimmt die Zeit bis zur eindeutigen Diagnose bei Erwachsenen einen sehr viel längeren Zeitraum in Anspruch als bei Kindern mit Zöliakie, da das gleichzeitige Auftreten aller unten beschriebenen Symptome beim Erwachsenen sehr selten ist oder die Symptome oftmals nur schwach ausgeprägt sind. Dadurch ist es für die Ärzte schwer, unmittelbar auf Zöliakie zu schließen. Im Durchschnitt dauert es ca. 5-8 Jahre, bis beim Erwachsenen die Symptome richtig gedeutet werden und Zöliakie diagnostiziert werden kann.

Die Symptome einer typischen Sprue bei Erwachsenen

Die typische Sprue tritt in der Regel zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr mit folgenden Symptomen auf:

Am häufigsten:

• Blutarmut (Anämie)
• Übelkeit
• Osteoporose
• Regelblutung bleibt länger als 4 Monate aus
• Verstopfung (auch möglich aufgrund des Eisenmangels)
• Müdigkeit, Erschöpfung
• Appetitlosigkeit oder auch ständiger Hunger

Eher selten:

• Durchfall
• Gewichtsverlust
• Blähbauch

Die Symptome einer atypischen Sprue bei Erwachsenen

Die atypische Sprue tritt in der Regel zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr mit folgenden Symptomen auf:

• nur anhand des Blutbildes erkennbar (Gliadin-Antikörper)
• nur Schädigung der Dünndarmschleimhaut, sonst keine weiteren Symptome der typischen Sprue

Zu den häufigsten Begleiterkrankungen der atypischen Zöliakie zählt die Hauterkrankung „Dermatitis herpetiformis Duhring“. Dabei handelt es sich um eine chronische Hauterkrankung, bei der es schübchenweise zu einer stark juckenden und brennenden Bläschen-, oder Fleckenbildung auf der Haut kommt. Diese Erkrankung tritt meist im Alter von 20 - 40 Jahren auf und es ist etwa einer von 100.000 davon betroffen.
Bis bald,
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Begleiterscheinungen der Zöliakie

Beitragvon valeska » 07 Feb 2106 07:28:15

Während der Aufbauphase der Dünndarmschleimhaut sowie in der Zeit danach kann es trotz konsequent eingehaltener glutenfreier Diät zu folgenden Begleiterscheinungen bzw. Begleiterkrankungen kommen:


:arrow: Welche Begleiterscheinungen treten am häufigsten auf?

• Mangelerscheinungen durch unzureichende Vitamin- und Mineralstoffzufuhr
• Bauchschmerzen
• Durchfall, Verstopfung, Fettstuhl
• Milchzuckerunverträglichkeit (Lactoseintoleranz)
• Fruchtzuckerunverträglichkeit (Fructoseintoleranz)

:arrow: Welche Begleiterkrankungen treten eher selten auf?

• Dermatitis herpetiformis Duhring (bläschenartiger Hautausschlag)
• Rheuma
• Knochenschmerzen (Osteoporose)
• Gelenkentzündungen (Arthritis)
• Nierenerkrankung
• Unfruchtbarkeit
• Menstruationsstörungen
• Chronische Magenschleimhautentzündungen (Gastritis)
• Depressionen
• Tumorerkrankungen / Krebs
Bis bald,

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Verlaufsformen der Zöliakie

Beitragvon valeska » 07 Feb 2106 07:28:15

:arrow: Die verschiedenen Verlaufsformen der Zöliakie


Klassische Zöliakie (auch symptomatische Zöliakie, klinisch typische Zöliakie)
- Typische Beschwerden, wie z.B. Durchfall, Blähungen, Gewichtsabnahme; diese Kombination haben in der Regel nur etwa 15% aller Betroffenen, darunter vorwiegend (kleine) Kinder
- positive Antikörper
- positiver Biopsie-Befund
- Besserung unter glutenfreier Diät


Mono- oder oligosymtomatische Zöliakie (Zöliakie mit nur einem oder einzelnen Symptomen)
- Einzelne(s) Symptom(e), z.B. Eisenmangel, Vitamin-Mangel, Blähungen, Durchfall, Osteoporose
oder
- eine assoziierte Erkrankung mit weiter bestehenden Beschwerden trotz Medikation (z.B. Hashimoto-Thyeroditis, Diabetes Typ 1, Down-Syndrom, Turner-Syndrom usw.)
- positive Antikörper
- positiver Biopsie-Befund
- Besserung unter glutenfreier Diät


Stumme Zöliakie (auch silente Zöliakie, asymptomatische Zöliakie)
- der / die Betroffene bemerkt (realisiert) keine Beschwerden
- die Diagnose wird in der Regel beim Familienscreening, Zöliakiescreening bei assoziierten Erkrankungen oder als Zufallsdiagnose gestellt
- positive Antikörper
- positiver Biopsie-Befund
- Besserung schwer/nicht zu beobachten, weil zuvor keine Beschwerden bemerkt wurden. Mitunter wird eine Besserung von zuvor nicht als relevant / einschränkenden Beschwerden bemerkt
- vereinzelt wird diskutiert, ob die glutenfreie Ernährung zwingend eingehalten werden muss.


Atypische Zöliakie
- Verlaufsform ohne typische Symtome, bzw. mit Symptomen außerhalb des Verdauungstraktes, Symptome die nicht auf den ersten Blick mit der Verdauung oder einer Malabsorbtion / Maldigestion in Verbindung gebracht werden
- z. B. neurologische Symptome, Depression, erhöhte Leberwerte,
- positive Antikörper
- positiver Biopsie-Befund
- Besserung unter glutenfreier Diät - oft erst nach einiger Zeit oder mehreren Monaten


Latente Zöliakie
- wenig, wechselnde oder keine typischen oder atypischen Beschwerden
- tritt oft nach einer einmal begonnenen glutenfreien Ernährungsphase auf
- Antikörper, Biopsie und Beschwerden sind mitunter nicht zur gleichen Zeit gleichermaßen nachweisbar
- Diagnostik erfordert mitunter mehrere Antikörperuntersuchungen und Biopsien nach mehrmonatiger / jähriger starker Glutenbelastung
- dass es sich hier um Zöliakie handelt, wird erst dann belegt, wenn die Diagnose eindeutig erstellt werden kann
- die glutenfreie Ernährung wird von Ärzten in der Regel erst dann empfohlen, wenn die Zöliakie eindeutig nachgewiesen wurde


Potentielle Zöliakie (entstehende Zöliakie)
- wenig oder keine Beschwerden
- Antikörpernachweis nicht immer vorhanden und
- Biopsie nicht immer positiv - zusammen nicht aussagekräftig als Zöliakiediagnose
- bei weiteren Untersuchungen unter glutenhaltiger Ernährung kann eine Steigerung der Symptome, der Antikörper und der des Biopsie-Befundes festgestellt werden
- auch hier: Dass es sich hier um Zöliakie handelt, wird erst dann belegt, wenn die Diagnose eindeutig erstellt werden kann
- die glutenfreie Ernährung wird von Ärzten in der Regel erst dann empfohlen, wenn die Zöliakie eindeutig nachgewiesen wurde


Transiente Zöliakie (Transistorische Zöliakie = vorübergehende, bei Diagnosestellung unter 3Jahren)
- meistens massive Beschwerden im Kleinkindesalter
- Biopsie positiv
- Gliadin-Antikörper positiv. Transglutaminase-Antikörper in diesem Alter noch nicht nachweisbar
- gute Besserung durch glutenfreie Diät
- die "Ausheilung" betrifft ca. 5% der diagnostizierten Kinder - man geht davon aus, dass es sich hier um die Folge eines nicht ausgebildeten Immunsystems handelt
- erneute Glutenbelastung ab dem 4. Lebensjahr (meistens im Vorschulalter) und erneute komplette Diagnostik


Refraktäre Zöliakie (darunter fällt auch die kollagene Zöliakie)
- Beschwerden sind vorhanden
- Antikörper positiv
- Biopsie positiv
- trotz korrekt eingehaltener glutenfreier Ernährung keine Besserung der Symptome (Durchfall, Bauchschmerzen) und keine Regeneration der Dünndarmschleimhaut
- wichtig ist hier, Differentialdiagnosen auszuschließen und die glutenfreie Ernährung zu überprüfen


Kollagene Zöliakie
- bindegewebiger / narbengewebiger Ersatz der Dünndarmschleimhaut ohne die eigentliche Funktion der Dünndarmschleimhaut
- bei lange bestehender Zöliakie ohne Einhaltung der glutenfreien Ernährung


:arrow: Der Nachweis der Antikörper und ein positiver Biopsie-Befund ist abhängig von der ausreichenden glutenhaltigen Ernährung vor den Untersuchungen.
Ein negativer Nachweis der spezifischen IgA-Antikörper ist nur nach einem IgA-Mangel-Ausschluss aussagekräftig!
Bis bald,

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Assoziierte Erkrankungen

Beitragvon valeska » 07 Feb 2106 07:28:15

:arrow: Welche Erkrankungen stehen in Verbindung mit Zöliakie / Sprue?

• Diabetes Typ 1
• Schilddrüsenautoimmunerkrankungen
• Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa
• Turner-Syndrom
• Down-Syndrom (Trisomie 21)
Bis bald,

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Wann ist eine Diagnostik sinnvoll?

Beitragvon valeska » 07 Feb 2106 07:28:15

:arrow: Gründe für eine Einleitung der Diagnostik

spezifische Symptome
- anhaltender Durchfall
- Verdauungsbeschwerden
- Blähungen
- Gewichtsabnahme

unspezifische Beschwerden, für die keine Ursache gefunden wurde
- Mangelerscheinungen, z.B. Eisenmangel
- Osteoporose in jungen Jahren
- bei Frauen: Probleme schwanger zu werden, Fehlgeburten, Frühgeburten, Mangelgeburten, Konzentrationsbeschwerden

Assoziierte Erkrankungen, z.B.:
- Diabetes Typ 1
- Schilddrüsenautoimmunerkrankungen
- Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa
- Turner-Syndrom
- Down-Syndrom (Trisomie 21)

• Familienscreening, wenn ein Familienmitglied Zöliakie-Betroffen ist
Bis bald,

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Antikörpertest

Beitragvon valeska » 07 Feb 2106 07:28:15

:arrow: Der Antikörpertest

Eine Antikörperdiagnostik wird in der Regel zuerst durchgeführt, um Anhaltspunkte für weitere diagnostische Maßnahmen zu bekommen.

• (Gewebs-)Transglutaminase-IgA-Antikörper (tTg-IgA-AK)
• Endomysium-Antikörper


Die Transglutaminase-Antikörper ersetzen den Nachweis auf Endomysium-Antikörper.
Die Gewebstransglutaminase ist ein Bestandteil des Endomysiums, der spezifisch bei Zöliakie betroffen ist.
Die Transglutaminase-Antikörper gelten als unterstützender Beweis für eine Zöliakie, wenn der Biopsiebefund nach Marsh für das Vorliegen der Zöliakie spricht.
Der Test der Endomysium-Antikörper ist ein Fluoreszenztest an einem Primaten- (Affen-) Ösophagus, die Antikörper müssen unter dem Mikroskop vom Laboranten ausgezählt werden (erfordert Übung und gutes Sehen).

Bei Kindern unter 3 Jahren ist das Immunsystem noch nicht ausreichend ausgeprägt. Es können in der Regel noch keine Transglutaminase- bzw. Endomysium-Antikörper gebildet werden.

• Gliadin-IgA-Antikörper
• Gliadin-IgG-Antikörper


Gliadin-Antikörper gelten in der Zöliakiediangostik als nicht aussagekräftig genug und werden lediglich in der Diagnostik bei Kindern untersucht und bedingt dazu herangezogen, um die Einhaltung der glutenfreien Ernährung besser überwachen zu können.

• Deamidierte Gliadin-Peptid-Antikörper (-IgA und –IgG)

sind hoch spezifisch und sensitiv zur Zöliakie
hier gelten auch die IgG-Antikörper als hochwertig aussagekräftig, wenn z.B. ein IgA-Mangel vorliegt.
(Können derzeit nicht in jedem Labor untersucht werden)

Die spezifischen IgA-Antikörper (Transglutaminase-IgA-AK, Gliadin-IgA-AK) sind nur dann aussagekräftig,
- wenn kein IgA-Mangel vorliegt und
- wenn bis zur Blutentnahme eine glutenhaltige Ernährung eingehalten wird.
Bis bald,

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Zöliakie-Schnelltest

Beitragvon valeska » 07 Feb 2106 07:28:15

:arrow: Der Zöliakie-Schnelltest

Immer häufiger wird sowohl im Internet als auch im Handel für Schnelltests auf Zöliakie geworben, die "einfach" und "zuverlässig" seien.
Die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft (DZG) warnt jedoch davor, sich auf die Zöliakie-Schnelltests zu verlassen, da diese keine sichere Diagnose stellen können.

Aus der Fingerspitze werden einige Tropfen Blut benötigt, die anschließend mit einer in der Testpackung enthaltenen Flüssigkeit vermischt werden müssen. Nachdem einige Tropfen dieses Gemisches auf ein Teststreifen getropft werden müssen, könne man schon nach wenigen Minuten ablesen, ob man Zöliakie hat oder nicht.

Dies ist allerdings sowohl aus der Sicht der DZG als auch der IG Zöliakie (Schweiz) absolut unzutreffend!

Die Zöliakie-Schnelltests können höchstens als ein Indikator angesehen werden, aber keinesfalls als eine sichere Diagnostik. Aus folgendem Grund:

Diese Tests zeigen lediglich an, ob Transglutaminase-IgA-Antikörper im Blut vorhanden sind (=qualitativer Test), zeigen aber keinen exakten Wert an (wie bei einem quantitativen Test). Ohne hinreichende Gluten-Belastung (glutenarme Ernährung oder zu kurze Belastungsphase), bei einem IgA-Mangel, der hier nicht bewertet wird, oder auch bei Kleinkindern werden diese Tests wertlos.

Ein positiver Test ist keine Diagnose, sondern muss durch eine korrekte schulmedizinische Diagnostik bestätigt werden.

Ein negativer Test kann nur dann (eingeschränkt) gewertet werden, wenn ein IgA-Mangel beim Arzt ausgeschlossen wurde und wenn keine Beschwerden bestehen.
Bei einem negativen Test trotz Beschwerden müssen ärztlich / schulmedizinisch weitere Untersuchungen erfolgen und ggf. auch mögliche Differenzialdiagnosen abgeklärt werden.

Stuhltests, Kinesiologie, Bioresonanz, IgG- / IgG4-Test und weitere Tests, die hier in der Diagnostik nicht beschrieben sind, können lediglich einen Hinweis geben, in eine entsprechende Richtung weitere diagnostische Maßnahmen anzustreben, ergeben aber keine attestierbare Zöliakie-Diagnose!


Weitere Informationen:

Stellungnahme der DZG
Stellungnahme der IG Zöliakie der Deutschen Schweiz
Bis bald,

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IgA-Mangel

Beitragvon valeska » 07 Feb 2106 07:28:15

:arrow: Der IgA-Mangel

Unsere körpereigene Immunabwehr setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen - den unspezifischen Abwehrkörpern (den weißen Blutkörperchen - Leukozyten) und dem spezifischen Abwehrsystem.
Das spezifische Abwehrsystem setzt sich aus den Klassen der Immunglobuline (Ig) A, D, E, G und M zusammen - jede Klasse mit ihren eigenen Aufgaben bei unterschiedlichen Krankheitsbildern.

Bei der Zöliakie spielen die Immunglobulin-Klassen A (IgA) und G (IgG) eine Rolle.

Die IgA-Antikörper werden in den Schleimhäuten gebildet und dienen der Abwehr von Erkrankungen, die im Wesentlichen die Schleimhäute betreffen.
In der Regel kann man diese Antikörper im Blut nachweisen - als Gesamt IgA (ohne auf einzelne spezifische Antikörper zu untersuchen) und als einzelnen spezifischen IgA-Antikörper.

Bei manchen Menschen sind die IgA-Antikörper allgemein im Blut nicht nachweisbar. Das kann 2 Gründe haben:

- 1. in den Schleimhäuten werden zu wenig Antikörper gebildet,
dann spricht man von einen Mangel im Sekret (in den Schleimhautflüssigkeiten), der sich natürlich auch auf den Nachweis im Blut auswirkt oder
- 2. die Antikörper können die Barriere zwischen der Schleimhaut und dem Blut aus irgend einem Grund nicht überwinden,
dann spricht man von einem Serum-IgA-Mangel.

Beurteilt werden kann der Serum-IgA-Mangel durch die Blutuntersuchung des Gesamt-IgA-Wertes.

Im Speziellen werden zur Zöliakiediagnostik die Transglutaminase IgA-Antikörper und die Gliadin-IgA und -IgG-Antikörper untersucht.

Liegt ein IgA-Mangel vor, müssen auch speziell die Transglutaminase-IgG-Antikörper untersucht werden.

Die Transglutaminase-Antikörper sind verantwortlich für das autoimmune Geschehen - die Zerstörung der Dünndarmzotten.
Die Gliadin-Antikörper sind Antikörper gegen Gliadin - einem Baustein des Glutens.

Antikörper - egal welcher Klasse - werden in sogenannten Halbwertszeiten im Körper abgebaut. Das heißt, in einer bestimmten Zeit wird jeweils die Hälfte der vorhandenen Antikörper abgebaut.
Bei den IgA-Antikörpern beträgt die Halbwertszeit nur wenige Tage.
Bei den Transglutamiase-IgA-Antikörpern beträgt die Halbwertszeit etwa 3 - 5 Tage.
Im Krankheitsverlauf steigen die IgA-Antikörper sehr schnell an und fallen nach der akuten Phase sehr schnell wieder ab.
Je nach Höhe des ursprünglichen Antikörperwerts können die Antikörper bereits nach wenigen Tagen / Wochen nicht mehr nachweisbar sein.

Die IgG-Antikörper bilden das Antikörpergedächtnis. Sie werden während der Akutphase langsam ansteigend gebildet und sind mit einer Halbwertszeit von einigen Wochen / Monaten noch lange nach der akuten Phase nachweisbar.
Transglutaminase-IgG- und Gliadin-IgG-Antikörper sind in der Regel noch bis zu einem 1/2 bis 3/4 Jahr nach Beginn der glutenfreien Ernährung nachweisbar (in Abhängigkeit des Ausgangswertes bei der Diagnose)

Bei einem Diätfehler (während einer glutenfreien Ernährung bzw nach einer begonnenen glutenfreien Diät) steigen zunächst die IgG-Antikörper (Gliadin und Transglutaminase) sehr schnell an, während die IgA-Antikörper (Gliadin und Transglutaminase) erst nach einigen Tagen wieder ansteigen.

Man geht davon aus, dass man sich nach einer einmal begonnenen glutenfreien Ernährung mindestens 2 Wochen lang glutenhaltig ernähren muss, um Transglutaminase-IgA-Antikörper nachweisen zu können.
Bis bald,

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Dünndarmbiopsie

Beitragvon andreas » 07 Feb 2106 07:28:15

:arrow: Die Dünndarmbiopsie

Anlass für eine Spiegelung der Speiseröhre, des Magens und des oberen Dünndarms sind in den meisten Fällen zunächst entsprechendes Symptome (Übelkeit, Durchfälle, Sodbrennen, Schmerzzustände, Suche nach Blutungsquellen oder anderen Ursachen bei niederem Hb oder Eisenmangel) und / oder ein Antikörpernachweis der zöliakietypischen Antikörper.

Um diese Untersuchung für die Zöliakiediagnostik aussagekräftig zu machen, sollten aus dem oberen Dünndarm (12-Fingerdarm und oberes Jejunum) mindestens 3 – 5 Gewebeproben entnommen und nach den Marsh-Kriterien untersucht werden, Beurteilung der IEL (intraepitheliale Lymphozyten) Krypten und Dünndarmschleimhautzotten.

Marsh 1:
> 25:100 IEL (mehr als 25 Lymphozyten in 100 Epithelzellen)

Marsh 2:
> 25:100 IEL und
Kryptenhyperplasie (Vertiefung der Krypten)

Marsh 3:
> 25:100 IEL und
Kryptenhyperplasie (Vertiefung der Krypten) und
Zottenatrophie (Abflachungen der Dünndarmzotten)
a) leichte Atrophie (leicht verkürzte Zotten)
b) mittelgradige (subtotale) Atrophie (verkürzte Zotten)
c) totale Atrophie (keine Zotten mehr vorhanden)

Marsh 4:
keine Erhöhung der IEL und
keine Kyptenhyperplasie und
totale Zottenatropie

Außerdem sollten aus der Magenschleimhaut Gewebeproben entnommen werden, wenn die Magenschleimhaut auch nur geringe Auffälligkeiten aufweist.

Marsh II spricht für eine Zöliakie (Antikörpernachweis erforderlich)
Marsh I ist für die Zöliakiediagnose nicht ausreichend! Weitere Indizien für die Zöliakie sind positive Antikörper und klinische Beschwerden, die sich unter glutenfreier Ernährung deutlich bessern.


Ablauf der Biopsie

Die Biopsie kann ambulant in einer Klinik oder Praxis durchgeführt werden
Sie kann aber auch stationär (stationäre Aufnahme mindestens einen Tag vor der Untersuchung) oder teilstationär (Aufnahme am Morgen vor der Untersuchung - Entlassung nach der Untersuchung bzw. nach dem "Ausschlafen") durchgeführt werden.

Vor der Untersuchung:

Dies sind ganz allgemeine Angaben. Hin und wieder haben Ärzte, Praxen oder Kliniken abweichende Vorgaben.
- Aufklärung zur Magen-Darm-Spiegelung mit Biopsie mindestens einen Tag vor der Untersuchung
- Nahrungskarenz 6 - 8 Stunden vor der Untersuchung (meist ab Mitternacht vor der Untersuchung)
- Flüssigkeitskarenz 4 - 6 Stunden vor der Untersuchung
- wichtige Medikamente nur nach Absprache mit dem untersuchenden Arzt mit sehr wenig Flüssigkeit (in der Regel 2 Stunden vor der Untersuchung) einnehmen.

Wichtig zu wissen: Wann was gegessen und getrunken werden darf, und ob und wann die Medikamente eingenommen werden dürfen wird mit dem Arzt besprochen und kann von den hier genannten Zeiten abweichen!


Die Untersuchung:

Welche Art der Betäubung durchgeführt werden kann oder muss, muss mit dem behandelnden Arzt besprochen und entschieden werden.
Folgende Möglichkeiten gibt es:
- Betäubung des Rachens um den Würgereflex zu unterdrücken, ansonsten keine weiteren Medikamente / Beruhigungsmittel
- leichtes Beruhigungsmittel (um die Aufregung zu nehmen) und Rachenbetäubung
- arrow: Beruhigungsmittel / Schlafmittel
- Kurznarkose
- Narkose (mit anwesendem Anästhesisten)

Nach Wirkungseintritt des Medikaments führt der Arzt ein Endoskop über den Mund - Rachen in die Speiseröhre ein
Über eine Kamera mit Beleuchtung kann man die Schleimhäute sehr gut sehen und auch Veränderungen schon erkennen.
In den Magen wird Luft eingepumpt, damit sich der Magen entfaltet und dadurch die Schleimhaut flächig angesehen werden kann.
Bei Auffälligkeiten werden über eine kleine Zange am Kopf des Endoskopes Gewebeproben in Millimetergröße entnommen.
Gleiches passiert im oberen Dünndarm: Über das Endoskop wird Luft eingepumpt. Dadurch entfaltet sich die Darmschleimhaut und der Untersuchende kann sichtbare Veränderungen erkennen. Die Gewebeproben sollen jetzt möglichst an sehr unterschiedlichen Stellen im 12-Fingerdarm und oberen Jejunum entnommen werden.
Danach wird das Endoskop wieder langsam zurückgezogen und herausgenommen - Die eigentliche Untersuchung ist beendet.

Unmittelbar nach der Untersuchung wird der untersuchende Arzt den ersten (vorläufigen) Befund erstellen. Hier wird aufgeführt was der Untersuchende gesehen hat und wo und wie viele Gewebeproben entnommen wurden (evtl. welchen Untersuchungen / Labor diese Gewebeproben zugeführt werden).
Leider ist bei der Zöliakie nicht immer etwas Auffälliges mit dem bloßen Auge zu erkennen, maßgeblich sind die Befunde der Gewebeproben (Histologie).
In den meisten Fällen spricht der Arzt schon unmittelbar nach der Untersuchung mit dem Patienten und teilt den Sichtbefund mit.


Nach der Untersuchung:

Ohne Entnahme von Gewebeproben und ohne auffälligen Befund darf, nachdem die Betäubung nachgelassen hat (das Schlucken wieder normal möglich ist), sofort wieder gegessen und getrunken werden.
Nach Entnahme von Gewebeproben oder nach auffälligen Befunden entscheidet der Arzt, nach wie vielen Stunden eine erste Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme erfolgen darf.

Je nach dem, welche Art der Betäubung / Sedierung stattgefunden hat, darf der Patient nach Hause gehen bzw. abgeholt werden, wenn er wieder "fit" ist, darf aber abhängig von den Medikamenten ggf. nicht selbst Autofahren!


Die histologische Untersuchung:

Die Gewebeproben werden an ein pathologisches Labor geschickt und werden dort zunächst mikroskopisch untersucht. Nach einer Einfärbung (meistens PAS) werden die Gewebeproben erneut unter dem Feinmikroskop untersucht und beurteilt.
Diese PAS-Einfärbung dauert allein 3 Tage!
Es kann durchaus sein, dass (fast) jede Gewebeprobe einen anderen Befund ergibt, da die Dünndarmschleimhaut nicht immer vollflächig gleichermaßen geschädigt ist.

Der Befund der Gewebeproben wird in der Regel 5 - 7 Arbeitstage beim Arzt eintreffen und wird dann dem Patienten mitgeteilt.


Die Besprechung mit dem Arzt:

Nachdem die Diagnose gestellt ist, muss der Neubetroffene zunächst vom Arzt aufgeklärt werden,
- was es bedeutet, Zöliakie zu haben
- welche Therapie erforderlich ist
- wann welche Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden sollen und müssen und
- dass der Neubetroffene einen Anspruch auf eine gute Ernährungsberatung hat.

Jeder hat das Recht, sich alle seine Befunde aushändigen zu lassen (bzw. Kopien von den Befunden), ggf kann die Praxis eine Bearbeitungsgebühr für das Kopieren erheben.
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Das Ergebnis

Beitragvon valeska » 07 Feb 2106 07:28:15

:arrow: Wann ist das Ergebnis nicht aussagekräftig?

• Wenn bereits vor der begonnenen Diagnostik eine glutenfreie oder sehr glutenarme Ernährung eingehalten wird
• Wenn ein IgA-Mangel vorliegt, können die für die Diagnose relevanten IgA-Antikörper nicht aussagekräftig nachgewiesen werden
• Wenn Medikamente eingenommen werden, die die Aktivität des Immunsystems unterdrücken (z.B. Cortison)
• Wenn zu wenige (nur 1 oder 2) Gewebeproben entnommen werden und nicht eindeutig nach Marsh beurteilt werden können
• Wenn die Entnahme der Gewebeproben zu nah am Magenausgang erfolgt (keine tiefe Duodenalbiopsie) und der Befund nicht eindeutig ist
• Wenn die Diagnose bei Kindern vor dem 3. Lebensjahr (ohne Nachweis der Transglutamianse-Antikörper) gestellt wird.
Hier wird empfohlen die Diagnostik frühestens nach dem 3. Geburtstag nach einer ausreichenden Glutenbelastung zu wiederholen.
Bis bald,

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Kontrolluntersuchungen

Beitragvon valeska » 07 Feb 2106 07:28:15

:arrow: Die Kontrolluntersuchungen

Die DZG empfiehlt erste Kontrolluntersuchungen der Antikörper (wenn die Antikörper bei der Diagnosestellung nachgewiesen wuden) nach 3 Monaten, dann nach einem Jahr und in Folge jährlich.

Untersucht werden sollen die bei der Zöliakie-Diagnose nachgewiesenen Antikörper
• Transglutaminase-IgA-Antikörper
• Gliadin-IgA- und -IgG-Antikörper

Eine erneute Biopsie wird nur bei entsprechenden Beschwerden empfohlen, oder wenn bei der Diagnosestellung keine Antikörper nachweisbar waren.

Neben dem Nachweis der spezifischen Antikörper werden folgende weiteren Blut- / Serum-Untersuchungen empfohlen:

• kleines Blutbild
- Leberwerte
- GPT, ALAT (GPT)
- alkalische Phosphatase
- LDH

• Vitamine
- Folsäure,
- Vitamin B12
- Vitamin B2
- Vitamin D

• Elektrolyte / Mineralstoffe / Spurenelemente
- Ferritin, Eisen
- Calcium
- Kalium

• Schilddrüsendiagnostik:
- TSH
Bis bald,

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Behandlung

Beitragvon valeska » 07 Feb 2106 07:28:15

:arrow: Wie kann Zöliakie / Sprue behandelt werden?

Die einzige und sicherste Behandlungsmethode bei Zöliakie / Sprue ist die

Strenge und lebenslange Einhaltung einer glutenfreien Diät

Bisher ist noch keine Behandlungsmöglichkeit bekannt, die Disposition zur Zöliakie / Sprue zu beseitigen, daher ist die glutenfreie Diät die einzige Möglichkeit, gesund zu werden und zu bleiben. Das Positive einer glutenfreien Ernährung als Behandlungsmethode ist, dass keine zusätzlichen Medikamente notwendig sind, um die eigene Gesundheit erhalten zu können. Bei darüber hinaus fortbestehenden Beschwerden unter strenger glutenfreier Ernährung ist an weitere Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten zu denken, wie hier beschrieben.


:arrow: Wie wichtig ist die glutenfreie Diät?

Nachdem sich durch die glutenfreie Ernährung eine gewisse Beschwerdefreiheit eingestellt hat, besteht leicht die Gefahr, dass man mit der Diät sorglos umgeht, indem man einfach mal „sündigt“. Dabei werden oftmals die Risiken und Folgen unterschätzt, denn der Körper reagiert ein Leben lang schon auf Kleinstmengen an Gluten. Bei regelmäßigen kleinen Sünden können die ersten Symptome Monate oder sogar erst Jahre später auftreten. Aufgrund der Reaktion auf das Gluten wird das Immunsystem immer mehr geschwächt und der Körper wird somit anfälliger für Krankheiten. Es besteht u.a. das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, das bei Nichteinhaltung der Diät etwa um das 10-fache erhöht ist.

Jeder, der an Zöliakie / Sprue erkrankt ist, sollte die Erkrankung keinesfalls unterschätzen, denn nur durch die Einhaltung einer strengen und lebenslangen glutenfreien Diät kann man wieder gesund werden und bleiben.

Jeder kleinste Diätfehler löst erneut eine Immunreaktion aus, die zu schweren Erkrankungen führen kann!
Bis bald,

Valeska



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Regenerierung

Beitragvon valeska » 07 Feb 2106 07:28:15

:arrow: Wie lange dauert es, bis der Darm sich regeneriert hat?

Wie schnell sich der Darm wieder regeneriert und man eine völlige Beschwerdefreiheit erreicht hat, hängt von folgenden Faktoren ab:

• Alter des Betroffenen (je älter desto länger dauert es)
• Schädigungsgrad des Dünndarms (siehe festgestelltes Marsh-Kriterium bei Biopsie)
• Allgemeinzustand des Immunsystems
• anfänglichen versteckten Diätfehlern


Der durchschnittliche Regenerierungs-Ablauf bei Kindern mit Zöliakie:

• starke Durchfälle lassen nach 1 - 2 Wochen nach
• Weinerlichkeit geht nach 1 bis 3 Monaten deutlich zurück
• Untergewicht wird in 2 - 3 Monaten aufgeholt
• Wachstumsrückstand wird in 6 - 8 Monaten aufgeholt
• Dünndarmschleimhaut erholt sich nach 6 - 9 Monaten
• Blähbauch benötigt ca. 1 Jahr zur vollständigen Rückbildung


Der durchschnittliche Regenerierung-Ablauf bei Erwachsenen mit Zöliakie / Sprue:

• glutenfreie Diät macht sich schon nach 1 - 2 Wochen durch Besserung des Allgemeinbefindens bemerkbar
• Untergewicht wird in einem Jahr aufgeholt
• Dünndarmschleimhaut erholt sich vollständig in 3 - 5 Jahren
Bis bald,

Valeska



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Versehentliche Diätfehler

Beitragvon valeska » 07 Feb 2106 07:28:15

:arrow: Was tun bei versehentlichen Diätfehlern?

Im Gegensatz zu einer Lebensmittelallergie kommt es bei Zöliakie-/Sprue-Betroffenen, wenn versehentlich etwas Glutenhaltiges gegessen wurde, zu keiner allergischen Überreaktion oder akuten Anfällen. Am häufigsten kommt es bei dem Betroffenen nach einigen Stunden zu Bauchschmerzen und Durchfällen, wobei das Ausmaß bei jedem unterschiedlich sein kann. Ändern kann man den Diätfehler zwar nicht mehr, aber man sollte auf jeden Fall der Sache auf den Grund gehen und prüfen, was und warum „Falsches“ gegessen wurde, um den Fehler in Zukunft vermeiden zu können.
Bis bald,

Valeska



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Versteckte Diätfehler

Beitragvon valeska » 07 Feb 2106 07:28:15

:arrow: Was sind "versteckte" Diätfehler?

Auch wenn die Diät konsequent eingehalten wird, kann es doch noch vorkommen, dass man Kleinigkeiten bei den eigenen Lebensgewohnheiten übersieht. Diese sogenannten „versteckten Diätfehler“ können sein:

• Im Toaster, Brotkorb, Brotschneidemaschine, Arbeitsplatten, usw. befinden sich noch restliche glutenhaltige Krümel.
• Im Frittierfett in der Friteuse befinden sich noch glutenhaltige Reste, z.B. von Panaden, bzw. glutenhaltige Reste befinden sich noch in den Rillen der Friteuse.
• Koch-, Brat- oder Backutensilien wurden unzureichend gereinigt, vor allem in den Rillen.
• Es wurden alte Koch-, Brat- oder Backutensilien aus Holz verwendet. Im Holz konnte sich leicht Glutenhaltiges von früher festsetzten.
• Während des Kochens wurden Kochlöffel vom glutenhaltigen Essen mit dem glutenfreien Essen vertauscht.
• Es sind immer wieder glutenhaltige Krümel in einem Nahrungsmittelbehälter, wie z.B. Marmeladenglas oder Margarinenbecher
• Es wurden Medikamente oder Kosmetika (z.B. Zahnpasta) eingenommen, die vorher nicht nach Glutenfreiheit überprüft wurden.

Bei Zöliakiebetroffenen kann Gluten nur über die Darmschleimhaut aufgenommen zu Schädigungen führen. Das bedeutet, dass alles was in den Verdauungstrakt gelangt berücksichtigt werden muss. Kosmetika, die nur äußere Anwendung finden, stellen daher kein Problem dar.
Bis bald,

Valeska



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Nichteinhalten der Diät

Beitragvon valeska » 07 Feb 2106 07:28:15

:arrow: Welche Risiken bestehen bei Nichteinhalten der Diät?

Es ist gut möglich, dass ein Zöliakie- / Sprue-Betroffener nach jahrelanger, strenger glutenfreier Ernährung keine unmittelbaren und offensichtlichen Beschwerden haben wird, wenn er einmal etwas Glutenhaltiges zu sich nimmt. Dies darf jedoch nicht unterschätzt werden, denn selbst geringste Mengen an Gluten verursachen Schäden im Körper, die subjektiv keinerlei Beschwerden verursachen, denn das Gluten setzt erst eine immunologische Reaktion in Gang, während das Abflachen der Darmzotten und damit verbunden das Auftreten der Symptome einige Zeit dauert (kann bis zu mehreren Jahren sein). Aber schon allein diese immunologische Reaktion im Körper eines Zöliakie-/Sprue-Betroffenen erhöht das Risiko, krank zu werden, vor allem an Darmkrebs zu erkranken. Daher immer daran denken:

Jeder kleinste Diätfehler ist ein Risiko für die eigene Gesundheit!


Die häufigsten Risiken sind insbesondere:

• Zöliakie-/Sprue-Betroffene haben ein mehr als 10-fach erhöhtes Risiko an Darmkrebs zu erkranken (es handelt sich dabei überwiegend um die sehr seltene Krebsart "Dünndarmlymphom")
• Schwangere haben ein mehr als 2-fach erhöhtes Risiko Früh- oder Fehlgeburten zu erleiden
• Unfruchtbarkeit
• Krankheiten durch Vitamin- und Mineralstoffmangel
• geschwächtes Immunsystem
• geringere Lebenserwartung
• ab dem 35. Lebensjahr besteht ein erhöhtes Osteoporose- und Frakturrisiko
• Lymphknotenvergrößerung

Diese Risiken gelten nur bei Nichteinhalten der glutenfreien Diät!
Unter strenger glutenfreier Diät kann man die Risiken so stark reduzieren, dass z.B. nach etwa 5 Jahren die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken genauso hoch ist wie die der Gesamtbevölkerung!
Bis bald,

Valeska



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Folgeerkrankungen

Beitragvon valeska » 07 Feb 2106 07:28:15

... noch im Aufbau :computer:
Bis bald,

Valeska



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Bei Kindern u. Jugendlichen

Beitragvon valeska » 07 Feb 2106 07:28:15

:arrow: Die Symptome bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen

Die glutenhaltige Ernährung setzt bei Babys in der Regel zwischen dem 6. und 8. Lebensmonat durch das Zufüttern von z.B. Grießbrei, Nudeln, Keksen usw. ein. Bis die ersten Symptome auftreten, vergehen dann meistens noch weitere 4 bis 6 Monate, so dass bei vielen Kindern die Zöliakie erst zwischen dem 1. und 2. Lebensjahr diagnostiziert wird.

Die Symptome einer typischen Zöliakie bei Säuglingen und Kleinkindern

• tritt in der Regel im 1. oder 2. Lebensjahr auf
• Durchfall (Diarrhoe), dauerhaft oder periodisch
• Produktion massiger, übel riechender Gärungsstühle von hohem Fettgehalt (Steatorrhoe), dauerhaft oder periodisch
• ein geblähter bzw. aufgetriebener Bauch mit „plätscherndem Darminhalt“
• Wachstumsstillstand bzw. -rückstand
• Gewichtsstillstand bzw. -abnahme
• Blässe
• Appetitlosigkeit, Übelkeit und/oder Erbrechen
• Bauchschmerzen und/oder Blähungen
• Wesensveränderungen: Weinerlichkeit, Müdigkeit, Lustlosigkeit, Apathie
• Muskelschwäche

Die o.g. Symptome müssen bei einem Säugling oder Kleinkind nicht immer alle gleichzeitig auftreten, es kann auch zur Ausprägung nur eines Symptoms kommen.

Bei Neugeborenen ist es empfehlenswert, von Geburt an bis zum 6. Lebensmonat voll zu stillen und erst dann zuzufüttern, da dies gegen die Symptome von Zöliakie schützend sein soll. Das heißt aber nicht, dass die Zöliakie dadurch verhindert werden kann, es wird lediglich der Zeitpunkt des Auftretens der ersten Symptome verzögert.

Außerdem ist sehr häufig beobachtet worden, dass Kinder, bei denen Zöliakie diagnostiziert wurde, in den ersten Lebensmonaten sogenannte „Schreibabys“ waren.

Die Symptome einer typischen Zöliakie bei Jugendlichen

• Produktion massiger Stühle
• Appetitlosigkeit
• Wachstumsstillstand bzw. -rückstand
• verzögerte Pubertät
• Blässe

Die Symptome einer atypischen Zöliakie bei Kindern

• tritt in der Regel nach dem 2. Lebensjahr auf
• Kleinwüchsigkeit
• Veränderungen des Zahnschmelzes
• Blutarmut (Anämie)

Die Symptome einer latenten Zöliakie bei Kindern

• betrifft häufig Familienangehörige von diagnostizierten Zöliakie-Betroffenen
• nur anhand des Blutbildes erkennbar (Gliadin-Antikörper)
• keine Schädigung der Dünndarmschleimhaut
• keine Symptome der typischen Zöliakie

Bei der latenten Zöliakie können die typischen Symptome einer Zöliakie verbunden mit der Schädigung der Darmschleimhaut zu einem späteren Zeitpunkt auftreten.

Die Symptome einer stillschweigenden Zöliakie bei Kindern

• betrifft häufig Familienangehörige von diagnostizierten Zöliakie-Betroffenen oder „Gesunde“
• nur Veränderung der Dünndarmschleimhaut
• nur Ergebnisse von Labortests positiv
• keine Symptome der typischen Zöliakie
Bis bald,

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