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Gluten und Herz-Kreislauf?

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teffmehl
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Gluten und Herz-Kreislauf?

Beitragvon teffmehl » 18 Jan 2018 14:44:47

Ja, nachdem ich schon öfter auf der Suche nach Ärzten und Kontakten im Berliner Raum hier gelandet bin, habe ich mich nun mal angemeldet:

Meine Geschichte in kurz:

- Seit ca 10 Jahren mal mehr mal weniger Zwicken im Bauch links unten, div. Darmspiegelungen, einmal mit Verdacht auf Morbus Crohn, der sich nicht bestätigt hat.

- Vor vier Jahren (Alter 49) morgens Kreislaufkollaps und Ohnmacht (hatte nach exzessivem Genuss von Eis am Vorabend zunächst Salmonellen im Verdacht)

- Danach über Wochen körperlich sehr schwach, Angstzustände, Herzbeschwerden, Schweißausbrüche, Standarduntersuchungen...

- Fast zufällig bei Blutuntersuchung stark erhöhte Transglutaminase Werte entdeckt, Arzt empfahl Biopsie, Termin erst nach vier Monaten(!) möglich, daher entschied ich mich lieber für sofortigen Stopp von Glutenverzehr.

- Deutliche Besserung des Allgemeinzustands nach Glutenverzicht, wegen der Herzbeschwerden zusätzlicher Verzicht auf Kaffee- gute Entscheidung.

- Diverse kardiologische Untersuchungen (Stresstest, Bel. EKG, 24 Std. EKG) ohne Befund (außer: Sie werden halt langsam alt...und: Machen Sie mehr Sport)

- Viele Recherchen und Gespräche mit Ärzten und Interessierten, wenig brauchbare Informationen, außer, dass in USA die Grauzone zwischen diagnostizierter Zöli und Glutenunverträglichkeit näher untersucht wurde und diverse Zwischenstufen definiert wurden.

Derzeitiger Zustand: Nicht gut. Ich habe das Gefühl dass trotz Glutenverzicht (mit seltenen Ausnahmen)
meine Beschwerden wieder zunehmen, insbesondere die Herzbeschwerden.

Was macht man da jetzt? Nochmal kontrollierte Glutenzufuhr und Biopsie?
Inzwischen habe ich gelernt, dass die auch Werte für Endomysium Antikörper relevant sind wenn Transglutaminase Werte oben sind. (Gliadin und IGA = Null)

Oder völlig von vorne anfangen?
Kennt jemand einen Arzt in Berlin oder Umgebung mit entsprechenden Erfahrungswerten?

Bisher hatte ich immer eher ratlose Ärzte vor mir- ich will denen aber auch nicht zumuten mein Halbwissen aus dem Internet mit zu verarbeiten...

Herzliche Grüße, Stephan

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Re: Gluten und Herz-Kreislauf?

Beitragvon moni130 » 19 Jan 2018 13:49:36

Hallo Stephan,

bevor Du Dich wegen Deiner Herzbeschwerden zu sehr aufregst, biete ich Dir an, Dich damit mal unter diesem Gesichtspunkt zu befassen.

Es gibt Wirbelsäulenmacken, die können exakt das auslösen, was Du beschreibst: Angstzustände, Herzbeschwerden, Schweißausbrüche ...

Da kann das Herz rauf und runter durchuntersucht werden, man wird nichts finden. Das macht dem Patienten dann noch mehr Angst.

Ich habe gelernt damit zu leben, zumal es mir zum ersten Mal passierte in einer Situation, wo ärztliche Hilfe absolut unerreichbar war. Damals hatte ich keine Ahnung, die Erklärung kam erst viele Jahre später. Ein kleiner Impuls, der die Muskelspannung an einem Auslösepunkt verändert, mehr braucht es dazu nicht. Genau daran habe ich gedacht, als ich von dem exzessivem Genuss von Eis gelesen habe. ;)

Egal, das werden wir heute nicht mehr klären können. Aber ich habe einen Tipp in Bezug auf "Pflege" einer stolperfreien Muskelfunktion. Ich kann natürlich nicht beurteilen, ob es was für Dich ist oder Dir hilft, ich erzähle nur meine Geschichte.

Vor einem Jahr bekam ich plötzlich heftige Extrasystolen, die mich doch einigermaßen erschreckt haben. Natürlich bin ich zum Arzt, "natürlich" hat der nix gefunden, zumal auch genau die Untersuchung, auf die es mir ankam, nicht gemacht wurde. Ich wollte nämlich etwas wissen über evtl. Elektrolytverschiebungen. Dass ausreichend Magnesium, Kalium und Kalzium wichtig sind, damit zwischen Nerven und Muskeln alles glatt läuft, das wusste ich längst. Da ich täglich mit dem hiesigen Trinkwasser massenhaft Kalzium bekomme, ging es nur noch um die beiden anderen Elektrolyte. Normalerweise bekommt man genug davon durch normale Ernährung. Aber was ist an unserer (meiner) Ernährung schon "normal"? Nach ausgiebiger Suche habe ich ein Präparat mit Kalium und Magnesium in für mich verträglicher Form gefunden, probiert ... funktioniert :-D :-D
Seither habe ich das für den Bedarfsfall immer bei mir. Egal ob das Herz anscheinend stolpert, es am Auge zuckt, ein Wadenkrampf mich lahmlegen möchte, vielleicht dazu noch ganz normale Geräusche mir tierisch auf den Wecker gehen - bevor ich mir weitere Gedanken mache, mache ich mir erst mal ein Tütchen mit dem Pulver auf. Kostenpunkt 2,75 € für 30 Sticks und im DM an der Ecke zu bekommen. Da ich es ja nicht regelmäßig, sondern nur alle paar Tage mal nehme, reicht mir eine Schachtel für 2-3 Monate.

Den Aufwand bis zur Erkenntnis, dass der Hausarzt dazu wirklich nichts zu sagen hat, möchte ich jetzt nicht im Detail darstellen.

Gruß
Monika
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Re: Gluten und Herz-Kreislauf?

Beitragvon teffmehl » 20 Jan 2018 11:33:34

Danke Monika, ein Mineraliencheck steht auf jeden Fall an.
Magnesium nehme ich schon, dein Hinweis ist aber wirklich hilfreich da ich fast ausschließlich gefiltertes Wasser trinke. Hinzu kommt ein gerüttet Maß an Misophonie...

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Re: Gluten und Herz-Kreislauf?

Beitragvon moni130 » 20 Jan 2018 16:54:51

Misophonie

Wow, das Wort kannte ich noch gar nicht. Aber das, was es bezeichnet, das kenne ich sehr wohl. Aber zum Glück weiß ich ja, wie ich das für mich abstellen kann.

Bezüglich Mineralien-Check: Ich tendiere sehr dazu, immer alles ganz genau wissen zu wollen. Aber nicht immer ist ein Arzttermin zu erreichen, bevor immer mehr Beschwerden hinzu kommen. Genau so erging es mir im letzten Jahr. Um meinem Datenhunger beizukommen, habe ich mir da mal die Mühe gemacht, meine Ernährung zu analysieren. Zwecks Speckabbau muss ich ziemlich penibel Tagebuch führen, so dass ich "nur noch" die Inhaltsstoffe nachzuschlagen brauchte. Ein echt, echt mühsames Geschäft, aber lohnend. Denn, siehe da, fast immer kam in der Tagesbilanz eine Minderversorgung beim Kalium raus. :shock:

Da kam z.B. raus, dass mein Lieblingsgemüse Zucchini nur 0,2/100 g Kalium enthält, während Broccoli schon 0,3/100 g bietet und Tomaten mit ihrem Kaliumgehalt dazwischen liegen. Mehr bieten Kartoffeln, 330 mg/100 g und Bananen 393 mg/100 g. Der Tagesbedarf an Kalium beträgt 3,5 g (also 7-8 Bananen). Weizen Vollkornmehl hat übrigens 337 mg, gegenüber nur 31 mg in Mehlmischung für glutenfreies Brot (Maisgries 80 mg, Maisstärke 7 mg, geschälter Reis 103 mg)! Somit dürfte klar erkennbar sein, dass bei glutenfreier Ernährung eine wichtige Kaliumquelle in der täglichen Ernährung wegfällt und durch weniger kaliumhaltige Lebensmittel ersetzt werden muss, so dass es durchaus zu Minderversorgung mit Kalium kommen kann. Es sei denn, man hält sich an Sonnenblumenkerne (710,0 mg), Nüsse (Walnuss 544,0 mg), Mandeln (835,0 mg) und Erdnüsse (777,0 mg). :lol:
Die Werte habe ich alle aus einer Datenbank der Uni Hohenheim.

Seit ich mir dies erarbeitet habe, halte ich mich ohne Umwege an eine Nutzen-Risiko-Abschätzung. Wenn ich plötzlich Beschwerden entwickle, die mit einer Minderversorgung mit gewissen Stoffen in Zusammenhang gebracht werden könnten und es sich um Stoffe handelt, mit denen man eigentlich nichts falsch machen kann, dann nix wie ran. Ärzte haben so etwas in der Regel gar nicht auf dem Schirm, wittern dagegen aber Chancen für allerlei Untersuchungen, von denen auf jeden Fall sie selbst profitieren, der Patient aber oftmals überhaupt nicht, sondern rat- und hilflos bleibt! Außerdem halte ich es eh für fraglich, inwieweit die sog. Normalwerte bzw. Abweichungen davon, wirklich geeignet sind, um bei "leichten" Funktionsstörungen richtungsweisend zu sein. Beim Vitamin B 12 z.B. ist inzwischen nachgewiesen, dass bei geringen Speichern schon irreversible Nervenschäden entstehen können, auch wenn die Blutwerte noch nicht aus dem Normalbereich gefallen sind.

Das Trinkwasser im Berliner Raum hat Einiges an wichtigen Stoffen zu bieten. Also ist ein Verzicht auf Filterung - zumindest versuchsweise für einige Wochen - sicherlich keine schlechte Idee. Ich muss gerade an eine Angehörige denken, die jede Menge Medikamente wegen Osteoporose geschuckt, aber kalkreiches Leitungswasser auch nur gefiltert verwendet hat. :roll:

Gruß
Monika
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Re: Gluten und Herz-Kreislauf?

Beitragvon teffmehl » 24 Jan 2018 20:48:21

Tja, was soll ich sagen- ein paar Tage später und ich fühle mich wie ausgewechselt. Das habe ich nun einer simplen Anmeldung hier und deiner großartigen und treffsicheren Antwort zu verdanken.
Ich hatte schon länger das Gefühl mir würde "irgend etwas" fehlen. Ich habe mir von Salus eine Packung
"Mineraletten" gekauft - einer der acht Inhaltsstoffe wars dann wohl, vermutlich tatsächlich Kalium.
Berliner Leitungsheimer krieg ich nicht runter aber ich werde mir wohl mal einen Kasten Fachinger gönnen.

Ganz herzlichen Dank an dich, Monika :yes:


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