Zöliakie Diagnostik & Behandlung

Zöliakie Diagnostik & Behandlung

Beitragvon valeska » 12 Apr 2004 08:09:47

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Diagnostik

Beitragvon valeska » 12 Apr 2004 08:10:51

:arrow: Woraus besteht die Zöliakie- bzw. Sprue-Diagnostik?

  1. Antikörperbestimmung anhand einer Blutuntersuchung
  2. Dünndarmbiopsie
  3. Positives Ansprechen auf eine glutenfreie Ernährung
:arrow: Was muss ich vor den Untersuchungen beachten?

Bevor mit den Untersuchungen begonnen wird, ist dringend zu beachten, dass mit der Umstellung auf eine glutenfreie Ernährung noch nicht begonnen werden darf, da sonst die diagnostische Aussagekraft negativ beeinflusst wird. Die glutenfreie Ernährung kann recht schnell dazu führen, dass die entscheidenden Antikörper im Blutbild fehlen und die Dünndarmschleimhaut das charakteristische Bild nicht mehr aufweist. Aufgrunddessen kann eine Zöliakie bzw. Sprue nicht mehr zweifelsfrei festgestellt werden.


:arrow: Wie sieht die Blutuntersuchung aus?

Um Zöliakie / Sprue zu diagnostizieren, ist zunächst eine Antikörperbestimmung durch eine Blutuntersuchung erforderlich, zu dem etwa 1 ml Blutserum benötigt wird.

Welche Bedeutung haben die Antikörper?

Zöliakie / Sprue ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die sog. "B-Zellen", Antikörper produzieren. Diese Antikörper richten sich gegen körpereigenes Gewebe und schädigen es. Während einer Immunantwort der B-Zellen werden 5 verschiedene Antikörperklassen gebildet, und zwar sind es Immunglobuline (Ig) der folgenden Klassen (Immunglobuline = Antikörper):

  • IgA
  • IgD
  • IgE
  • IgG
  • IgM
Da sich im Magen-Darm-Trakt überwiegend B-Zellen befinden, die IgA bilden, hat die Bestimmung spezifischer Antikörper der IgA-Klasse eine große Bedeutung. Es wird jedoch empfohlen, noch zusätzlich die Bestimmung der IgG-Antikörper hinzuzuziehen, da ca. 2% aller Zöliakiepatienten einen IgA-Mangel aufweisen.

Welche Antikörper werden bestimmt?

- Nach Ausschluss eines IgA-Mangels: Bestimmung der IgA-Antikörper gegen:

  • Gewebs-Transglutaminase (tTG)
  • Endomysium (EMA)
  • Gliadin (AGA)
- Bei IgA-Mangel: zusätzliche Bestimmung der IgG-Antikörper gegen:

  • Gliadin (AGA)
  • Gewebs-Transglutaminase (tTG)
Erst im Jahre 1997 wurde die Gewebs-Transglutaminase (tTG) als das wichtigste Antigen der Zöliakie-Diagnostik identifiziert, da bei diesem Antigen die Sensitivität sowie die Spezifität besonders hoch ist (Sensitivität : 98,5%; Spezifität: 98%).

  • Sensitivität bedeutet: keine falsch-negativen Tests
  • Spezifität bedeutet: keine falsch-positiven Tests
Reicht die Antikörperbestimmung für die Diagnose aus?

Durch eine Antikörperbestimmung kann nur der Vedacht auf Zöliakie / Sprue geäußert werden.
Die Europäische Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (ESPHGAN) empfielt und neurere Untersuchungen belegen, dass eine 100%ige Diagnose nur durch eine anschließende Dünndarmbiopsie gestellt werden kann.

Muss ich mein Blut regelmäßig untersuchen lassen?

Es ist empfehlenswert, eine jährliche Blutuntersuchung machen und das Blutbild kontrollieren zu lassen. Nur so kann man sicher sein, ob Diätfehler vorliegen und ob der eigene Vitamin- und Mineralstoffhaushalt im Norm-Bereich ist. Ebenso sollte man in regelmäßigen Abständen nach Diabetes untersucht werden.


:arrow: Die Dünndarm- bzw. Zwölffingerdarm-Biopsie (Duodenoskopie)

Was passiert bei dieser Biopsie?

Unmittelbar vor der Untersuchung muss man einen vom Arzt verabreichten Saft trinken, der den Schaum in den oberen Verdauungsorganen auflöst, damit der Arzt "klare Sicht" hat. Während man sich anschließend in Seitenlage befindet, wird ein biegsames Endoskop (ca. 9 mm dünn) durch die Mundhöhle in die Speiseröhre, den Magen bis hin zum Zwölffingerdarm (erster Abschnitt des Dünndarms) geschoben. Um krankhafte Veränderungen besser erkennen zu können, wird etwas Luft in die Verdauungsorgane geblasen. Anschließend werden mehrere kleine Schleimhautstückchen oberflächlich von verschiedenen Stellen der Dünndarmschleimhaut entnommen, die nach der Untersuchung unter einem Mikroskop nach folgenden Kriterien betrachtet werden:

  • Zerstörung der Darmzotten (totale/subtotale Zottenatrophie)
  • Abflachung der Dünndarmschleimhaut (Mukosa)
Während die Gewebeentnahme für den Patienten völlig schmerzfrei ist, wird die Biopsie selbst oftmals als unangenehm empfunden. Man kann sich daher vor der Untersuchung eine Beruhigungs- und/oder Schmerzspritze geben lassen. Zusätzlich kann man sich für den Würgereiz beim Einführen des dünnen Schlauches ein Spray als Rachenbetäubung geben lassen.

Die Biopsie kann unabhängig vom Krankheitszustand und Lebensalter des Patienten durchgeführt werden, da sie völlig ungefährlich ist. Es besteht sogar schon die Möglichkeit, nach Absprache des Arztes, die Biopsie ambulant durchführen zu lassen.

Was muss ich vor der Biopsie beachten?

  1. Damit die oberen Verdauungsorgane frei von Speiseresten sind, muss man am Untersuchungstag nüchtern sein.
    Nüchtern heißt, dass man mindestens 5 Stunden lang vor dem Eingriff keine Speisen oder Getränke zu sich nehmen darf.
  2. Die Einnahme von Medikamenten sollte unbedingt mit dem Arzt abgesprochen werden.
Was muss ich nach der Biopsie beachten?

  1. Wenn man eine Rachenbetäubung, Beruhigungs- und/oder Schmerzspritze bekommen hat, darf man mindestens eine Stunde nach der Biopsie nichts essen oder trinken.
  2. Da nach einer Beruhigungs- und/oder Schmerzspritze die eigene Reaktionszeit und Wahrnehmung beeinträchtigt ist, darf man 24 Stunden lang nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen.
  3. Nach der Biopsie kann es zu leichten Schluckbeschwerden, brennendem Gefühl im Rachenraum, Brechreiz und Blähungen (durch verbliebene Luft im Magen und Dünndarm) kommen.
Muss ich eine Biopsie machen lassen?

Die Blutuntersuchung mit einer anschließenden Dünndarm-Biopsie ist nach dem heutigen medizinischen Stand die einzige und sicherste Methode, um Zöliakie / Sprue zweifelsfrei zu diagnostizieren. Wird nach der Biopsie eine glutenfreie Diät begonnen und die Symptome des Betroffenen gehen daraufhin erkennbar zurück, handelt es sich zu 100% um Zöliakie / Sprue.

Muss ich regelmäßig eine Biopsie machen lassen?

Während in den 70er Jahren noch 3 Biopsien verlangt wurden (eine zu Beginn, eine vor und eine nach Glutenbelastung), um die Diagnose Zöliakie / Sprue zu bestätigen, ist heutzutage nur noch eine Biopsie notwendig. Zusätzlich gilt das positive Ansprechen auf die glutenfreie Diät als Beweis. Weitere Biopsien sind nur noch dann erforderlich, wenn gastrointestinalen Beschwerden auftreten.


:arrow: Welche Diagnosen sind möglich?

  1. Biopsie positiv, Antikörpertests positiv :
    Diagnose Zöliakie / Sprue ist sicher.
  2. Biopsie negativ, Antikörpertests negativ:
    Diagnose Zöliakie / Sprue ist ausgeschlossen.
  3. Biopsie positiv, Antikörpertests negativ:
    Diagnose Zöliakie / Sprue wahrscheinlich, aber nicht sicher.
    Kontrollbiopsie nach 6 Monaten glutenfreier Diät.
  4. Biopsie negativ, Antikörpertests positiv:
    Es liegt eine Glutenüberempfindlichkeit vor (potenzielle Sprue).
    Kontrollbiopsie nach nach 3 bis 6 Monaten Glutenbelastung
    (bei Auftreten von gastrointestinalen Symptomen früher).
Weitere Informationen zur Duodenoskopie

Zuletzt geändert von valeska am 01 Mär 2010 13:20:50, insgesamt 34-mal geändert.
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Behandlung

Beitragvon valeska » 12 Apr 2004 08:12:02

:arrow: Wie kann Zöliakie / Sprue behandelt werden?

Die einzige und sicherste Behandlungsmethode bei Zöliakie / Sprue ist die

Strenge und lebenslange Einhaltung einer glutenfreien Diät

Bisher ist noch keine Behandlungsmöglichkeit bekannt, die Disposition zur Zöliakie / Sprue zu beseitigen, daher ist die glutenfreie Diät die einzige Möglichkeit, gesund zu werden und zu bleiben. Das Positive einer glutenfreien Ernährung als Behandlungsmethode ist, dass keine zusätzlichen Medikamente notwendig sind, um die eigene Gesundheit erhalten zu können. Bei darüber hinaus fortbestehenden Beschwerden unter strenger glutenfreier Ernährung ist an weitere Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten zu denken, wie hier beschrieben.


:arrow: Wie wichtig ist die glutenfreie Diät?

Nachdem sich durch die glutenfreie Ernährung eine gewisse Beschwerdefreiheit eingestellt hat, besteht leicht die Gefahr, dass man mit der Diät sorglos umgeht, indem man einfach mal „sündigt“. Dabei werden oftmals die Risiken und Folgen unterschätzt, denn der Körper reagiert ein Leben lang schon auf Kleinstmengen an Gluten. Bei regelmäßigen kleinen Sünden können die ersten Symptome Monate oder sogar erst Jahre später auftreten. Aufgrund der Reaktion auf das Gluten wird das Immunsystem immer mehr geschwächt und der Körper wird somit anfälliger für Krankheiten. Es besteht u.a. das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, das bei Nichteinhaltung der Diät etwa um das 10-fache erhöht ist.

Jeder, der an Zöliakie / Sprue erkrankt ist, sollte die Erkrankung keinesfalls unterschätzen, denn nur durch die Einhaltung einer strengen und lebenslangen glutenfreien Diät kann man wieder gesund werden und bleiben.

Jeder kleinste Diätfehler löst erneut eine Immunreaktion aus, die zu schweren Erkrankungen führen kann!


:arrow: Wie lange dauert es, bis der Darm sich regeneriert hat?

Wie schnell sich der Darm wieder regeneriert und man eine völlige Beschwerdefreiheit erreicht hat, hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Alter des Betroffenen (je älter desto länger dauert es)
  • Schädigungsgrad des Dünndarms (siehe festgestelltes Marsh-Kriterium bei Biopsie)
  • Allgemeinzustand des Immunsystems
  • anfänglichen versteckten Diätfehlern
Der durchschnittliche Regenerierungs-Ablauf bei Kindern mit Zöliakie:

  • starke Durchfälle lassen nach 1 - 2 Wochen nach
  • Weinerlichkeit geht nach 1 bis 3 Monaten deutlich zurück
  • Untergewicht wird in 2 - 3 Monaten aufgeholt
  • Wachstumsrückstand wird in 6 - 8 Monaten aufgeholt
  • Dünndarmschleimhaut erholt sich nach 6 - 9 Monaten
  • Blähbauch benötigt ca. 1 Jahr zur vollständigen Rückbildung
Der durchschnittliche Regenerierung-Ablauf bei Erwachsenen mit Sprue:

  • glutenfreie Diät macht sich schon nach 1 - 2 Wochen durch Besserung des Allgemeinbefindens bemerkbar
  • Untergewicht wird in einem Jahr aufgeholt
  • Dünndarmschleimhaut erholt sich vollständig in 3 - 5 Jahren
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