IgA-Mangel und Antikörper bei der Zöliakiediagnostik

Eure Fragen und Tipps zu den Symptomen, zur Diagnose und Behandlung von Zöliakie / Sprue

IgA-Mangel und Antikörper bei der Zöliakiediagnostik

Beitragvon Purzeline » 03 Nov 2007 22:18:53

Unsere Körpereigene Immunabwehr setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen - den unspezifischen Abwehrkörpern (den weißen Blutkörperchen - Leukozyten) und dem spezifischen Abwehrsystem.
Das spezifische Abwehrsystem setzt sich aus den Klassen der Immunglobuline (Ig) A, D, E, G und M zusammen - jede Klasse mit ihren eigenen Aufgaben bei unterschiedlichen Krankheitsbildern.

Bei der Zöliakie spielen die Immunglobulin-Klassen A (IgA) und G (IgG) eine Rolle.


Die IgA-Antikörper werden in den Schleimhäuten gebildet und dienen der Abwehr von Erkrankungen, die im Wesentlichen die Schleimhäute betreffen.
In der Regel kann man diese Antikörper im Blut nachweisen - als Gesamt IgA (ohne auf einzelne spezifische Antikörper zu untersuchen) und als einzelnen spezifischen IgA-Antikörper.

Bei manchen Menschen sind die IgA-Antikörper allgemein im Blut nicht nachweisbar.
Das kann 2 Gründe haben:
:arrow: 1. in den Schleimhäuten werden zu wenig Antikörper gebildet - dann spricht man von einen Mangel im Sekret (in den Schleimhautflüssigkeiten), der sich natürlich auch auf den Nachweis im Blut auswirkt.
:arrow: Oder 2. die Antikörper können die Barriere zwischen der Schleimhaut und dem Blut aus irgend einem Grund nicht überwinden - dann spricht man von einem Serum-IgA-Mangel.

Beurteilt werden kann der Serum-IgA-Mangel durch die Blutuntersuchung des Gesamt-IgA-Wertes.

Im Speziellen werden zur Zöliakiediagnostik die Transglutaminase IgA-Antikörper und die Gliadin-IgA und -IgG-Antikörper untersucht.
Liegt ein IgA-Mangel vor, müssen auch speziell die Transglutaminase-IgG-Antikörper untersucht werden.

Die Transglutaminase-Antikörper sind verantwortlich für das autoimmune Geschehen - die Zerstörung der Dünndarmzotten.
Die Gliadin-Antikörper sind Antikörper gegen Gliadin - einem Baustein des Glutens.

Antikörper - egal welcher Klasse - werden in sogenannten Halbwertszeiten im Körper abgebaut. Das heißt, in einer bestimmten Zeit wird jeweils die Hälfte der vorhandenen Antikörper abgebaut.
Bei den IgA-Antikörpern beträgt die Halbwertszeit nur wenige Tage.
Bei den Transglutamiase-IgA-Antikörpern beträgt die Halbwertszeit etwa 3 - 5 Tage.
Im Krankheitsverlauf steigen die IgA-Antikörper sehr schnell an und fallen nach der akuten Phase sehr schnell wieder ab.
Je nach Höhe des ursprünglichen Antikörperwerts können die Antikörper bereits nach wenigen Tagen / Wochen nicht mehr nachweisbar sein.

Die IgG-Antikörper bilden das Antikörpergedächtnis. Sie werden während der Akutphase langsam ansteigend gebildet und sind mit einer Halbwertszeit von einigen Wochen / Monaten noch lange nach der akuten Phase nachweisbar.
Transglutaminase-IgG- und Gliadin-IgG-Antikörper sind in der Regel noch bis zu einem 1/2 bis 3/4 Jahr nach Beginn der glutenfreien Ernährung nachweisbar (in Abhängigkeit des Ausgangswertes bei der Diagnose)

Bei einem Diätfehler (während einer glutenfreien Ernährung bzw nach einer begonnenen glutenfreien Diät) steigen zunächst die IgG-Antikörper (Gliadin und Transglutaminase) sehr schnell an, während die IgA-Antikörper (Gliadin und Transglutaminase) erst nach einigen Tagen wieder ansteigen.

Man geht davon aus, dass man sich, nach einer einmal begonnenen glutenfreien Ernährung mindestens 2 Wochen lang glutenhaltig ernähren muss, um Transglutaminase-IgA-Antikörper sicher nachweisen zu können.




Dieser Text entspricht meinem derzeitigen Wissensstand und ist nicht vollständig. Der Text kann jederzeit noch ergänzt werden!


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IgA Mangel und Antikörper

Beitragvon weingeist » 06 Dez 2008 18:01:03

Hallo Purzeline,
erneut werde ich mit Cortison behandelt und zwar mit einem Präparat welches nur im Darm aktiv ist. Bei mir zeigen sich nach 3 Jahren strenger Diät
immer noch grosse Probleme. Häufig Luft, Durchfall, na ja und so einiges mehr. Es liegt die Vermutung nahe, dass ich an einer Refraktären Sprue leiden könnte und ich habe auch mit meinem Arzt darüber gesprochen. Der will jetzt die entsprechenden Blutuntersuchungen veranlassen.
Dein Beitrag liest sich schon sehr profihaft und ich denke Du weist was wichtig sein könnte und vielleicht auch für andere Betroffenen.
Viele Grüsse
weingeist
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Beitragvon Anna2 » 08 Mai 2009 10:51:17

Hallo Purzeline,
hallo an euch alle,
durch Zufall bin ich auf deinen Beitrag gestoßen, der mich ein wenig verunsichert, was die jährliche Kontrolluntersuchung meiner Tochter (9) angeht.
Eindeutige Diagnose Zöliakie Marsh 3b wurde im Mai 2007 gestellt. Bei den Kontrolluntersuchungen im Dezember 2007 und Dezember 2008 lautete der Befund: Transglutaminase-IgA-Ak negativ, kein Hinweis auf Diätfehler. Meine Tochter war symptomfrei.
ABER: Aufgrund der von dir erläuterten Halbwertzeiten, kann doch im Ergebnis gar keine verlässliche Aussage getroffen werden, ob innerhalb der letzten 12 Monate Diätfehler gemacht wurden oder nicht. Müssten denn bei den Kontrolluntersuchungen nicht vielmehr auch die IgG-Ak geprüft werden?

Vielen Dank für deine (eure) Antwort.

Liebe Grüße
Anna
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Beitragvon Purzeline » 08 Mai 2009 23:14:22

Hallo Anna,

du hast recht, dass mit dem Transglutaminase- und Gliadin-IgA-Antikörpern nur eine recht kurze zurückliegende Zeit erfasst wird.
Allerdings gehören heute auch die Gliadin-IgG-Antikörper zur Standardkontrolluntersuchung, die ja dann auch einen längeren Zeitraum abdecken.

Andererseits denke ich, dass diese Werte in den allermeisten Fällen schon einen Einblick geben, ob öfters / regelmäßig Diätfehler gemacht werden. Denn einzelne Diätfehler (ausversehen) passieren einfach mal - dieser Wert soll aber in erster Linie bei den Kontrolluntersuchungen wiedergeben wir genau die Diät allgemein eingehalten wird. Bei Betroffenen die immer mal wieder Fehler machen oder einen (unbewussten) Fehler ständig / auf längere Zeit machen, die werden hier recht sicher erfasst.

Ganz wichtig ist aber dass die Antikörper bei der Diagnosestellung auch nachweisbar waren - sonst haben die Werte jetzt keine Aussagekraft!
Grüßle
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Beitragvon Anna2 » 08 Mai 2009 23:59:24

Liebe Purzeline,

vielen Dank für deine Antwort!

Vor der Biopsie im Mai 2007 wurden insgesamt drei Blutuntersuchungen ( das erste Mal beim Kinderarzt, die beiden anderen Male in der Universitätskinderklinik München) auf Transglutaminase -IgA-Ak vorgenommen. Alle drei Untersuchungen bestätigten den Verdacht auf Vorliegen einer Zöliakie.

Auch bei den beiden bisherigen Kontrolluntersuchungen wurden ausschließlich die Transglutaminase-IgA-Ak, nicht jedoch Gliadin-IgG-Ak getestet.

Meine Verunsicherung rührt nun daher, dass meine Tochter mittags außer Haus verpflegt wird, da sie die Mittagsbetreuung in ihrer Schule besucht. Auch haben wir es trotz der Diagnose beibehalten, Restaurants zu besuchen bzw. verbringen wir unsere Urlaube weiterhin gerne in Hotels.
Bisher bin ich, nicht aufgrund der Beschwerdefreiheit meiner Tochter, sondern aufgrund der negativen Serologie bei den Kontrolluntersuchungen, davon ausgegangen, dass keine Diätfehler vorliegen.

Auf jeden Fall werde ich bei der nächsten Kontrolle auch die Gliadin-IgG-Ak untersuchen lassen, um Diätfehler noch sicherer nachweisen zu können.

Liebe Grüße
Anna
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Re: IgA-Mangel und Antikörper bei der Zöliakiediagnostik

Beitragvon Purzeline » 09 Mai 2009 01:06:52

Purzeline hat geschrieben:Bitte Antworten zu diesen Text nur im Bezug zu diesen Text schreiben (Fragen bei Unklarheiten / Ergänzungen)


Fragen zu persönlichen Erfahrungen, Befunden bitte extra einstellen!


Hallo Anna,

ich werde in diesem Thread nur auf allgemeines zu den Antikörperuntersuchungen eingehen - deshalb bitte ich dich für deine eigenen Befunde / Fragen zu Befunden einen eigenen Thread zu eröffnen
Sollten sich jetzt für dich weitere Fragen ergeben, würde ich deine Beiträge und meine Antworten abtrennen und extra stellen.

Ganz allgemein kann ich auch hier nur nochmal sagen: Werte die bei der Diagnostik nicht untersucht hat, können jetzt nicht mehr als Parameter genommen werden wenn sie jetzt negativ ausfallen.....

Es gibt mittlerweile die Tendenz der Ärzte die Gliadin-Antikörper völlig außeracht zu lassen.

Das Ziel der Untersuchungen der Antikörper kann gar nicht sein, einen Fehler aufzudecken, der vielleicht mal vor einem halben Jahr war - sondern das Ziel ist regelmäßige sich wiederholende Fehler aufzudecken und die werden sich mit recht großer Sicherheit dann im Nachweis der Antikörper zeigen und früher oder später auch bei anderen Werten oder mit Symptomen.
Grüßle
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