Zöliakie & Essstörung?

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Zöliakie & Essstörung?

Beitragvon Lenaa » 22 Okt 2009 11:01:04

Hallo!

Ich habe eigentlich schon seitdem ich denken kann Zöliakie und kam eigentlich immer gut damit klar.
Bis ich vor ca. 3 Jahren begonnen habe, eine Diät zu machen. Seit dieser Diät habe ich mich mehr mit dem Essen beschäftigt, also auch mehr über meine Zöliakie, die ja vorher ganz selbstverständlich war, nachgedacht.
Seit ich wieder normal esse, ist für mich ein großes Problem, wenn ich mit Freunden in der Stadt bin und alle nach McDonalds rennen und ich mir keinen Burger kaufen kann ohne Weiteres.
Das schlagt sich dann zu Hause aus: Ich stopfe mir alles (auch wenn es nciht schmeckt, z.B. Nutella mit Käse etc.) in mich hinein und weiß nicht wieso. Diese Fressattacken traten später immer öfter auf und auch ohne einen Grund, wie z.B. ein McDonalds-Besuch. Zugenommen habe ich auch ziemlich viel seitdem und mein Zustand grenzt z.T. an Depressionen, was mich zum Psychologen führte. Dieser meinte, es könne gut sein, dass die Essstörung mit Zöliakie zusammen hängt, weil ich mich ständig unter Kontrolle halten muss und irgendwann wird dem Körper das zu anstrengend, deshalb stopfe ich halt maßlos alles in mich hinein. Und das "Andersessen" begünstigt die Situtation natürlich auch nicht.

Ich kann es nur nicht mehr stoppen...

Hat jemand von euch evtl. ähnliche Probleme wie ich?
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Lenaa
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Re: Zöliakie & Essstörung?

Beitragvon Jochen » 22 Okt 2009 13:52:42

Hallo Lenaa,

Lenaa hat geschrieben:Ich kann es nur nicht mehr stoppen...


Du kannst es ganz leicht stoppen ... in dem Du im Kopf den kleinen Schalter umlegst
und zu Dir selber sagt: stopp, so geht es nicht weiter, ab sofort ist Schluß.

Die Entscheidung, nicht mehr alles in sich hinein zu stopfen kommt nur aus dem Kopf
und wenn Du dieses schaffst hast Du gewonnen.

Ps. was Du im anderen Thread mit den Ausflügen ins glutenhaltige Sortiment machst
ist ja wohl das verkehrteste was man als Zöli machen kann.
Denke an Deine Gesundheit, Du hast nur diese eine, Du bist noch so jung und willst alles kaputt machen ?

Sei vernünftig und halte Dich an die strikte GF -Ernährung.

schönen Tag :winken:
Gruß Jochen Bild
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Beitragvon Sibylle » 22 Okt 2009 14:43:31

Hallo Lenaa!

Es ist gut, dass du selbst merkst, dass mit deinem Essverhalten was nicht stimmt! Es ist auch gut, dass du was dran ändern willst.
:yes:

Ich weiß nicht, ob du mit Jochens Methode
in dem Du im Kopf den kleinen Schalter umlegst
da allein weiter kommst??


Kannst du mit deinen Eltern darüber reden? Das wäre - finde ich - die erste Anlaufstelle.

oder:

Gehst du noch zur Schule? Wenn ja, geh´doch mal zu deinem Schulsozialarbeiter (Hoffentlich gibt es einen bei dir). Rede mit dem über diese Probleme.

oder:

Fallst du nicht mehr zur Schule gehst, frag mal deinen Kinderarzt (Kinderarzt klingt blöd für eine 17-jährige, der ist aber noch für dich zuständig) oder deinen Hausarzt um Rat.

Lass dir auf jeden Fall helfen. Das ist keine Schande!!

PS: Ich habe ein Mädchen in der Bekanntschaft, die wird wegen Essstörung von einer Psychologin betreut. Mit ihr geht es jetzt wieder aufwärts- zum Glück!!!


Ich drücke dir die Daumen, dass du Unterstützung bekommst, oder dass du es selber schaffst. :flower:
Liebe Grüße, Sibylle!

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Wenn die Klügeren immer nachgeben, geschieht nur das, was die Dummen wollen.
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Beitragvon Titania » 22 Okt 2009 20:30:48

hallo :)

die behandlung hängt vorwiegend daran wie schwer deine eßstörung ist ... manche können über disziplin und geringe hilfe von außen z.b. wiegen mit einer freundin über solche unkontrollierten essattacken hinweg kommen.

bei mir selber ging das nicht, genauso wenig wie ein magersüchtig einfach ab jetzt sofort normal essen kann.

meine eßstörung hatte ich aber schon vorher, die zöliakie kam einfach später dazu. diese eßstörung hat einen grund tief in der seele. ich mache eine therapie und jetzt geht es wieder aufwärts (nach 3 jahren, nach 2 jahren fing es schon an besser zu werden). aber zuerst mußte ich mein trauma überwinden und damit frieden schließen, dann hat sich das essen fast von alleine verbessert.

jetzt mache ich mit einer freundin weight watchers und die wöchentlich kontrolle gibt mir noch das quäntchen druck das ich brauche um mich an meine essenspläne zu halten. aber diese unkontrollierbaren fressattacken hab ich nur noch seeehr selten und selbst wenn nicht mehr so dolle wie früher :)

ich habe in der thera gelernt mit erinnerungen, flashbacks und stress anders umzugehen als zu futtern - funktioniert wie gesagt nicht immer aber immer öfter :-D mittlerweile kann ich auch was süßes essen aber in kleinen portionen ohne die ganz schachtel zu vernichten :wink:

immerhin bin ich jetzt 20 kilo los, ein tolles gefühl!! hab aber noch 20 vor mir ....

vielleicht kannst du selbst entscheiden, ob da was tieferes begraben liegt oder nicht, wenn nicht kann dir auch dein hausarzt weiterhelfen. es gibt auch die möglichkeit sich von einem psychologen beraten zu lassen.

wenn du alleine garnicht weiter kommst, ist es immer richtig hilfe zu suchen! und hol sie dir, du hast dein ganzes leben noch vor dir und solltest das genießen können :)

liebe grüße
titania
life isn´t about waiting the storm to pass .. it´s about learning to dance in the rain :)
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Beitragvon anja3 » 22 Okt 2009 20:42:12

Hallo liebe Lenaa,

habe mir lange überlegt, ob ich Dir eine private Nachricht senden soll oder meinen Beitrag ins Forum einstellen - doch ist dieses Thema so wichtig, dass es vielleicht auch für andere hilfreich sein kann offen darüber zu schreiben:
Bei jeder Unverträglichkeit oder Diät besteht sicherlich die Gefahr, dass man sich (zu) sehr auf das Thema Nahrungsmittel bzw. Essen generell konzentriert. Das ist das eine - das andere ist aber die Ess-Störung. Mein Arzt meinte einmal, dass man sich auch mit glutenfreier Nahrung gut, gesund und ausreichend ernähren kann. Ich selbst bin auch auf so eine Schiene wie Du gerutscht und das über viele Jahre hinweg. Es ist sehr schwer, wieder davon los zu kommen und bedarf einer riesigen Anstrengung, Mut und Konsequenz - manchmal fast "unmenschlich". Auch ich (da ich über keine klare Diagnose verfüge und mir die Ärzte daher zum Abgehen von der glutenfreien Ernährung geraten haben) fand es zu Beginn das absolute "Paradies", wieder in eine Bäckerei zu gehen und mir bspw. ein Dinkelbrötchen und mehr zu kaufen mit dem Ergebnis, dass meine Nerven und Stabilität immer schwächer wurden und heute ist mir bewusst, dass jedes Essproblem nicht vom Essen oder wie einen die anderen zum Thema Zöliakie oder glutenfreie Ernährung generell behandeln herrührt sondern von etwas viel Tieferen. Wenn Du ehrlich bist, dient doch eine Essstörung im Prinzip nur der Flucht aus einer Welt, mit der man oftmals nicht so gut zurecht kommt. Jedenfalls habe ich mich über lange Zeit hinweg mit Süssigkeiten bis zum geht nicht mehr getröstet und dass einmal dann die Ampel bzw. die Gesundheit auf rot schaltet ist dann eben der hohe Preis dafür.
Was Du brauchst ist komplette Ehrlichkeit Dir gegenüber und auch gegenüber Deinen besten Freunden, damit sie Dir den Rücken stärken und ein Ziel, das Dir wichtiger wie ein gestörtes Essverhalten ist - das
Dir Freude und Ablenkung vermittelt.
Da Du noch sehr jung bist, könnte Dein Verhalten gravierende Auswirkungen auf Deine Gesundheit und somit auf Deine Zukunft haben. Bitte zögere wirklich nicht und suche ein Gespräch mit einer Person Deines Vertrauens - Du bist Dir das schuldig und irgendwann wird es Dir wie mir gehen: Du bist dankbar für jene Nahrungsmittel, die Dir gut tun - egal ob andere etwas anderes essen - davon kann Dein Wohlbefinden nicht abhängig sein - jedenfalls nicht wirklich.

Alles Gute für Dich von Anja3 :dont-be-sad:
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Beitragvon frohblatt » 23 Okt 2009 07:02:59

Hallo Lenaa,

finde es toll wie mutig du hierüber berichtest. Übergewichtige neigen eher dazu ihr Essverhalten zu beschönigen (Eigene Erfahrung)
Ich muss Jochen auch widersprechen. Wir wissen über diesen Schalter Bescheid, doch der hat oft ne Blockade. Wie die anderen bereits schrieben, suche Dir Hilfe. Finde es zudem schlimm wie mit dem Thema Dicke und Fressattacken in der Öfentlichkeit umgegangen wird. Für Magersüchtige und Bulemiekranke hat man soviel Verständnis. Naja, aber das ist ein Anderes Thema. Bei mir ist Essen auch ein Trost, Stressabbaufaktor etc. Auch ich weiß es, aber es gelingt mir nicht immer den Trostpflastern zu entsagen. Auch weiß ich, dass die Ursachen hier mit der Seele zu tun haben. Heute, auch nach einer langjährigen Gesprächstherapie, weiß ich darum. Damals war ein Thema z. B. dass ich das Heil in mir selber suchen muss. Dinge wie sich selber annehmen und aktzeptieren. Es ist kein einfacher Weg, aber Du hast ja den ersten Schritt gemacht und mit richtiger Hilfe wirst Du dann Schritt für Schritt diesen Weg auch gehen können.

:knuddel:
Liebe Grüße
frohblatt
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Beitragvon Brigitte53 » 23 Okt 2009 11:42:07

Hallo Lenaa,

ich kann Dich sehr gut verstehen.
Es ist einfach frustrierend wenn man mit Freunden weggeht, und die essen die leckersten Sachen und man selber muss verzichten. Aus diesem Frust isst man zu Hause mehr und falsch. Wenn auch glutenfrei, so sind doch Berge von Chips, Süßigkeiten, fette Wurst uw. nicht gesund und machen dick. Ich kenne daß!

Da ich ja schon ein reiferes Alter habe, ist es mir gelungen diesen "Schalter" umzulegen. Habe jetzt mit Mühe und Not wieder 5 kg abgenommen.

Wenn ich mit Freunden weggehe, überlege ich mir vorher genau wie ich mich "belohnen" kann. Ich koche mir vorher ein richtig gutes Essen (möglichst was ich auch am nächsten Tag schnell nochmal aufwärmen kann). Auch Nachtisch und für nachmittags etwas Gebäck sollte bereit stehen. Wenn ich dann unterwegs bin, kann ich den anderen ihr Essen gönnen weil ich weiß daß zu Hause auf mich auch schon gute Sachen warten, die ich nur schnell aufwärmen brauche.

Lenaa, Du wphnst sicher noch zu Hause. Sprich doch mal mit Deiner Mutter ob Sie Dich nicht derart unterstützen kann?

Das wäre nur schon mal ein kleiner Schritt. Fachliche Hilfe ist natürlich immer gut. Vielleicht kannst Du auch eine Kur bekommen wo man abnimmt und gleichzeit lernt wie man gut und richtig kocht?
Lieben Gruß

Brigitte
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Beitragvon Lenaa » 29 Okt 2009 16:23:17

Hallo!

Danke für eure schönen Antworten und euer Verständnis!
Zu meiner eigenen Freude kann ich sagen, dass ich in letzter Zeit 100% GF gegessen habe :D
und zudem werde ich mit meiner Mutter zum Gastoenterologen fahren, damit gecheckt wird, ob noch alles soweit in Ordnung ist etc.
Das mit dem Schalter, von dem Jochen gesprochen hat, ist leider wirklich nicht so einfach. Wie oft schon habe ich mir Ziele gesteckt und Regeln aufgestellt... in letzter Zeit habe ich die Einstellung, dass wenn mein Körper nach etwas Leckerem schreit, was er vielleicht auswärts z.B. bei MCDonalds nicht bekommen hat, gönne ich es ihm halt (aber GF!).
Im Moment bin ich zuversichtlich, zumal ich auch mit meiner Mutter über dieses Problem reden kann und einmal im Monat auch in einer Gesprächstherapie bin.
Ich habe erkannt, dass ich sehr wertvolle Zeit meiner Jugend verschwendet habe und dass es Zeit ist, etwas zu ändern und dass man auch mit Zöliakie normal und lecker essen kann!

Habt ihr schon Lebkuchen probiert? Zwar teuer, aber seeehr lecker und so weihnachtlich! :D
Man kann also auch mit Zöliakie ein zufriedenes Leben führen auch wenn es manchmal nicht sehr einfach ist.

Lieben Gruß an alle!
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Re: Zöliakie & Essstörung?

Beitragvon lauralotte* » 10 Mai 2010 19:01:31

ich habe ein ähnliches problem, nur anders herum: ich war von januar bis ende april in einer psychosomatischen abteilung wegen anorexie, und da hat man zufällig bei einem bluttest die zöliakie herausgefunden (bzw. den verdacht, der sich durch die biopsie bestätigte). ich glaube, das macht das alles viel schwerer. man ist jetzt ja sein leben lang dazu gezwungen, darauf zu achten, was man isst - gerade das, was man nach einer essstörung ja soweit wie möglich lassen sollte. mein erster gedanke nach der feststellung war "na gut, dann hab ich wenigstens einen grund für ein anderes essverhalten!" und dachte, dass ich die anorexie vielleicht loslassen könnte, weil ich ja nie so essen werde wie andere menschen. aber irgendwie geht das alles gar nicht. obwohl ich zumindest versuche, regelmäßig zu essen, nehme ich nur ab und ich kann nichts dagegen machen. und ich achte sehr auf die glutenfreiheit. daran kanns also nicht liegen. könnt ihr euch das erklären? oder gibt es hier zufälligerweise jemanden, mit einer ähnlichen geschichte? ich freue mich auf jede antwort und auf einen möglichen austausch, das wäre bestimmt sehr hilfreich! lauralotte*
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