Wo ist der Unterschied: Zöliakie - Glutenintolleranz?

Eure Fragen und Tipps zu den Symptomen, zur Diagnose und Behandlung von Zöliakie / Sprue

Wo ist der Unterschied: Zöliakie - Glutenintolleranz?

Beitragvon Georg64 » 16 Jun 2009 22:52:47

Hallo zusammen,

kann mir jemand von Euch helfen?

Wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen
- Zöliakie und
- Glutenintolleranz?

Ich dachte immer, das sei (mehr oder weniger?) das gleiche. Auch wenn ich google kommen bei der Suche nach "Glutenintolleranz" meist Ergebnisse zum Thema "Zöliakie".

Nun habe ich aber eine Seite gefunden, die sich explizit mit dem Thema Glutenintolleranz / Glutenunverträglichkeit beschäftigt und schreibt, dass eine Glutenunverträglichkeit nicht zwangsläufig Zöliakie bedeutet.
Zugleich (das war eigentlich der Auslöser meiner Suche) habe ich bei einem Reiseveranstalter gelesen, dass die angeboten Gerichte - da zwar ohne Weizen, Roggen, Hafer oder Gerste, nicht aber 100 % glutenfrei - nur noch bei einer Glutenintoleranz zu empfehlen sind.

Freue mich auf Eure Antwort
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Beitragvon mike_and_more » 17 Jun 2009 05:56:57

Hallo Georg,

hier meine Antwort zur frühen Stunde ;-)

Die neueren wissenschaftlichen Ergebnisse zeigen ja, dass eine Unverträglichkeit von Gluten durch einen Enzymmangel hervorgerufen wird. Bei der Zöliakie ist es so, dass aufgrund einer genetischen Prädisposition dieses Gluten abbauende Enzym von der Dünndarmschleimhaut gar nicht - oder nicht in ausreichender Menge - produziert werden kann.

Es gibt aber offenbar auch andere auslösende Faktoren für diesen Enzymmangel. Eine stark gestörte Darmflora zum Beispiel kann den Dünndarm wohl auch soweit schädigen, dass die Enzymproduktion beeinträchtigt ist. Da tappt die schulmedizinische Wissenschaft noch im Dunkeln. Die Naturheilkunde ist hier weiter...

Ein wesentlicher Unterschied der Glutenintoleranz zur klassischen Zöliakie ist dadurch eben auch der, dass der Darm - ist die eigentliche Ursache für die Darmhautschädigung therapiert und beseitigt worden - unter Umständen die Produktion des Gluten abbauenden Enzyms auch wieder aufnehmen könnte. Bei einer eindeutig nachgewiesenen erblich bedingten Zöliakie besteht diese Hoffnung ja nicht.

Die Aussage von dem Reiseveranstalter ist sicher nicht falsch, dass leicht Gluten belastetete Produkte nur bei einer Glutenintoleranz zu empfehlen sind. Allerdings solltest du da deine Toleranzschwelle gut kennen. Ich selbst zum Beispiel habe wohl auch eine Glutenintoleranz (eine klassische Zöliakie konnte bisher nicht diagnostiziert werden). Und ich reagiere - im Gegensatz zu vielen meiner "echten" Zöli-Bekannten - hochempfindlich selbst auf kleinste Spuren.

Übrigens würde mich der Link zu der Seite über Glutenintoleranz interessieren. Könntest du mir den mal schicken, dann schau ich mir an, ob die Seite was fürs Forum ist.

Viele Grüße
Mike
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Beitragvon Darleen » 17 Jun 2009 10:06:31

Hallo,

das ist ja hochinteressant. Von einem Enzym zum Abbau von Gluten habe ich noch nie was gehört. Ich dachte, bei den Zölis wird auf Gluten sofort mit einer Immunreaktion geantwortet deshalb die Aks.

Bei mir hat ja das Zöli-Screening Aks im unteren Normbereich, also kaum vorhanden, ergeben. Es hieß dann, definitiv keine Zöli!

Ich reagiere aber - wie ich jetzt schwer im Verdacht habe - auf Gluten mit Verdauungsstörungen.

Kann das also dann eine Glutenunverträglichkeit - nicht Zöli - aufgrund dieser Enzym - Sache sein?

Hm, alles so verwirrdend.

LG, Darleen
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Beitragvon Purzeline » 17 Jun 2009 13:48:03

Hallo zusammen,

Gluten-Intoleranz beschreibt einfach das gleiche wie eine Gluten-Unverträglichkeit - nämlich Gluten nicht zu vertragen bzw nicht zu tolerieren.

Was hier die Ursache ist oder sein kann, kann sehr unterschiedlich sein - die Zöliakie ist eine Form der Gluten-Intoleranz, eine Glutenallergie eine andere Möglichkeit. Ob es noch mehr Möglichkeiten / Ursachen gibt ist sehr gut möglich, aber letztendlich bislang noch nicht wirklich nachgewiesen., sondern nur vermutet.
Bekannt ist allerdings dass eine glutenarme Ernährung als Schonkost machen Erkrankungen oder Beschwerden hilfreich ist, ohne dass eine Zöliakie oder Glutenallergie bekannt ist.
(Man sollte aber immer daran denken, dass mit dieser Form der Ernährung (glutenarm / glutenfrei) eine Zöliakiediagnose oft unmöglich gemacht wird!)

Was / ob und welche Rolle dieses Enzym (diese Enzyme?) letztendlich auch bei der Zöliakie spielt???
Aber dazu gibt es bereits Forschungen und Ansätze, die auch hier im Forum bereits diskutiert wurden.

Allerdings wissen wir mittlerweile sehr wohl, dass es Menschen gibt, die durchaus auf Gluten mit Beschwerden reagieren, bei denen zur Zeit jedoch weder eine Zöliakie noch eine Glutenallergie nachweisbar sind.
Wir wissen aber auch, dass es gerade bei der Zöliakie sehr unterschiedliche Verlaufsformen gibt, die auch teilweise über sehr lange Zeit nicht durch unsere bisher bekannten diagnostischen Maßnahmen nachweisbar sein können.
Grüßle
Purzeline


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Beitragvon Georg64 » 17 Jun 2009 23:25:15

Hallo Mike, hallo Purzeline,

Danke für Eure schnellen und ausführlichen Antworten.

Die Adresse der von mir angesprochenen Seite ist: gluten-intoleranz.de

Liebe Grüße

Georg
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Beitragvon moni130 » 18 Jun 2009 06:29:18

Hallo Georg,

Zöliakie ist eine klar definierte Erkrankung mit international anerkannten Diagnosekriterien. Doch nicht alle Formen und Varianten der Reaktionen auf Gluten bzw. der davon ausgelösten Leiden, lassen sich zu jeder Zeit anhand dieser Kriterien nachweisen.

Deshalb tut sich da nun eine Grauzone auf, in der Erfahrungen, Eigeninitiative und Selbstbestimmung ebenso Platz haben wie kommerzielle Interessen. Im Falle der von dir zitierten Website geht es, ohne dass es gleich erkennbar ist, ganz klar auch um den letztgenannten Faktor, da der betreuende Arzt nicht nur Buchautor zu diesem Thema ist, sondern zugleich Inhaber eines Wellness-Tempels ist, in dem er u.a. auch medizinische Leistungen anbietet. Der mit großem Abstand dickste Posten auf seiner Preisliste ist mit 550,00 Euro eine Gluten-Intoleranz-Untersuchung. Das sind (nach der Gebührenordnung der Ärzte) so ungefähr die Kosten, die anfallen, wenn die komplette Zöliakie-Diagnostik mit allen Antikörperbestimmungen und Biopsie durchgeführt wird. Irritierend dabei ist, dass in der Preisliste jedoch dieser Betrag allein für Laborkosten gelten soll. :ratlos: Grauzone halt. Aber ganz ehrlich, wenn ich daran denke, was Ärzte an mir verdient haben, die mich jahrzehntelang um das Thema Gluten herumgeschleust haben ... :help:

Gruß
Monika
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Beitragvon mike_and_more » 18 Jun 2009 06:31:48

Hallo Georg,

danke für den Link. Die Website gluten-intoleranz.de ist von Dr. Axel Bolland, der in seinem Therapiezentrum die Glutenintoleranz wohl sehr gewinnbringend ausschlachtet, nichtsdestotrotz aber auch ein sehr interessantes Buch zu dem Thema geschrieben hat:
"Pro Gesundheit - Contra Gluten"

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Beitragvon blaurebell » 03 Aug 2009 20:24:14

Wie merkwürdig, das mit dem Enzym geht so ziemlich gegen alles, was ich bisher von meinen Ärzten erzählt bekommen habe. Überlegt mal, gäbe es ein Enzym, das man einfach zu sich nehmen könnte wie zum Beispiel Laktase, dann gäbe es Pillen auf dem Markt wie zum Beispiel die Laktase Pillen die man nehmen kann, wenn man laktose-intolerant ist (ein guter alter freund ;) ). Mein Arzt in Deutschland - ein Magenspezi in Düsseldorf sagte mir: Keine Pillen, keine Heilungswahrscheinlichkeit und bei den tatsächlichen Ursachen tappt man durchaus im Dunkeln, ich solle doch auf genetic engineering hoffen für meine Kinder :wink: . Mein Arzt in England - ein sehr spröder Inder - auch Magenspezi in der werten Verdauungsabteilung des Royal County Hospital Brighton, der auf die Frage hin, ob immermal ein Bier so schlimm sei, mit unbewegter Miene verkündete "Also wenn Sie Krebs haben wollen, dann machen Sie ruhig!" - der sagte mir, sowas wie Glutenintoleranz gäbe es tatsächlich nicht, das sei alles Zöliakie, alles genetisch und das einzige Problem sei, daß die Symptome so unspezifisch sind, daß man nicht sagen kann: xyz ist Zöliakie, abc ist Glutenintoleranz und ijk ist Glutenallergie. Der gleiche Mann sagte "Ist es denn verwunderlich? Wir essen solches Getreide doch erst seit 20.000 Jahren ... 20.000 Jahre sind evolutionär bei weitem nicht genug, vor allem nicht, wenn das Ganze nicht notwendigerweise tödlich ist!" Wo er recht hat ...! :shock:

In meiner Broschüre die mir die Ernährungsberaterin in die Hand gedrückt hat steht: "[...] potentially deadly genetic autoimmune disease [...] Even small amounts have a great long-term impact. [...] Products labelled with "May contain gluten" should be avoided to prevent possible harmful impact of long-term contamination. [...] Please ask your doctor for a bone-density scan and additional vaccinations." (In etwa: Potentiell tödliche genetische Autoimmunerkrankung. Selbst kleine Mengen können eine starke Langzeitwirkung haben. Produkte die laut Beschriftung "gluten enthalten können" sollten vermieden werden um mögliche Auswirkungen von Langzeitkontanimierung zu vermeiden. Bitte fragen Sie Ihren Arzt nach einem Knochendichtescan und nach zusätzlichen Impfungen.) Mit den zusätzlichen Impfungen ist Pneumokokken gemeint, die wir wohl eher kriegen können. Mein Arzt war außerdem sehr spezifisch bezüglich der "Kann Gluten enthalten" Beschriftung: unbedingt vermeiden, selbst wenn man keine Effekte verspürt! :roll:

Letzte Woche hatte ich meinen ersten Diätfehler - etwas das nicht mal mit "May contain gluten" gekennzeichnet war - Oatibix. Oats/Hafer gilt ja nun als glutenfrei - allerdings sind die oats meist kontaminiert, tatsächlich hätte ich aber gedacht, daß das unter die Allergie-Empfehlung fällt darauf hinzuweisen auf der Packung, auf die man sich normalerweise verlassen kann in England. Nicht so bei Oatibix, da wird nicht darauf hingewiesen, daß Weetabix (sehr bekannte Marke immerhin) auf der gleichen Produktionsanlage laufen und ich hab erstmal mehr oder minder für ne Woche geschlafen, so fertig war ich! Das zum Thema kleine Mengen bei der "May contain gluten" Bezeichnung. Tatsächlich eher riesige Mengen selbst wenn's nicht draufsteht!!! :evil:
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Beitragvon UlleK » 04 Aug 2009 15:16:28

Von einem spezifischen Enzymmangel in Zusammenhang mit Zöliakie habe ich noch nichts gehört - in der Regel sind auch unspezifische Peptidasen im Darm an der Proteolyse beteiligt, insofern klingt es für mich nicht sonderlich fundiert. Der Kommentar zu Schulmedizin/Naturheilkunde tut sein übriges, aber jeder muss das wohl für sich entscheiden.

Das Weizenprodukte auch eine Allergie auslösen können, halte ich für gesichert, wie es aber mit dem Gluten ausschaut: keine Ahnung. Der Inder scheint mir ziemlich fit, auch wenn ich denke, dass wir wegen der Zöliakie kein Leben in steter Angst führen sollten - ich riskiere es ab und an, auch Produkte zu essen, die möglicherweise Gluten enthalten. Das liegt aber auch daran, dass ich den Eindruck habe, dass immer mehr Unternehmen aus reiner Schutzbehauptung Produkte als potentiell glutenhaltig einstufen - absolute Sicherheit gibt es da leider nicht.

Wirkliche Ursachen einer Zöliakie sind eine Kombination von HLA-Typen und Barrierestörungen des Darms, die das ungespaltene Gluten überhaupt erst in den Körper einlassen. Die Krankheit bedarf aber in jedem Fall noch weiterer intensiver Forschung.
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Re: Wo ist der Unterschied: Zöliakie - Glutenintolleranz?

Beitragvon positiv » 05 Okt 2012 23:15:07

Ich habe einen interessanten Artikel gefunden "Wie eine Glutenunverträglichkeit ausgetrickst werden kann @

http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/266694.html

vielleicht doch ein Hoffnungsschimmer???
mit positiven Grüßen :-)
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Re: Wo ist der Unterschied: Zöliakie - Glutenintolleranz?

Beitragvon moni130 » 06 Okt 2012 08:16:55

Wenn der Artikel nich schon längst eine olle Kamelle wäre! Siehe viewtopic.php?f=63&t=26169&p=239623#p239623
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